Gamecheck: «Jak & Daxter: The Lost Frontier» (Sony PSP)
publiziert: Freitag, 22. Jan 2010 / 07:55 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Aug 2010 / 17:11 Uhr

Das Jump’n’Run-Game «Jak & Daxter: The Lost Frontier» ist ein würdiger Nachfolger zum drei Jahre alten «Daxter». Die farbenfrohe Welt von High Impact Games lässt für das Gamer-Herz kaum Wünsche offen.

5 Meldungen im Zusammenhang
Vor einigen Tagen ist für mich die Welt untergegangen. Ich habe meine PSP verlegt. Oh Gott, ich fühlte mich gleich in die Situation jenes Ballonfahrers versetzt, kurz nach seinen letzten Worten: «So nahe waren wir noch nie am Eiffelturm...» Dabei lechzte ich so darauf, das eben eingetroffene Jump’n’Run-Game «Jak & Daxter: The Lost Frontier» endlich zu zocken.

Stunden später und im Rausche meiner Hüpfspiel-Entzugserscheinungen fand ich meine PSP schliesslich wieder: In meinen Winterstiefeln. Dort hineingerutscht, weil ich mein Schätzchen, aufgrund mangelnder Abstellmöglichkeiten in meinem Badezimmer - nach einem Spiele-Quickie auf der Toilette - bequemerweise öfters mal einfach auf die in armradialer Reichweite abgestellten Schuhe platzierte.

Neue Abenteuer des kultigen Plattform-Duos

Spätestens, als Naughty Dog mit Jak & Daxter auf der PS2 Einzug hielt, war für mich bewiesen, dass Jump’n’Runs, vor allem, wenn sie noch in spannende Abenteuergeschichten verpackt wurden, auch Erwachsenen viel Fun und Unterhaltung boten.

Der 3D-Hüpfer war ja damals in aller Munde, und als ich mich endlich durchrang, das Teil auch mal anzuspielen, vergingen bloss einige Minuten, und ich konnte davon nicht mehr ablassen. Inzwischen sind mehrere Fortsetzungen erschienen, und nach dem Jump’n‘Run Daxter von 2006 ist nun mit «The Lost Frontier» das zweite Abenteuer für Sonys PSP erschienen. Allerdings wurde der neuste Hüpfspass des verrückten Duos nicht mehr von Naughty Dog geschaffen, sondern durch Entwickler High Impact Games.

Wieder einmal müssen sich Jak und Daxter als Retter ihrer Welt outen. Ein mächtiger Sturm aus dunklem Eco bedroht den ganzen Planeten und vernichtet alles, was auf ihn trifft. Die Vorräte an energiespendendem und lebenserhaltendem hellen Eco sind praktisch versiegt, und so macht sich das Duo, zusammen mit der höchst attraktiven Keira, auf die Suche nach einer antiken Maschine, um den Planeten vor dem Untergang zu retten.

Üble Kerle, wie z.B. die Luftpiraten, machen den Freunden das Leben schwer und beeinträchtigen sie in ihrer Mission. Soweit mal die dem Spiel zugrunde liegende Story.

«Jak & Daxter: The Lost Frontier» entführt mich in eine kunterbunte Welt, deren abwechslungsreiche Gebiete mit den unterschiedlichsten Herausforderungen nur darauf warten von mir entdeckt und gelöst zu werden. Zu Land, am Wasser und oft auch in der Luft habe ich, hauptsächlich in der Rolle von Jak, diverse Aufgaben zu erledigen.

Auf der Suche nach hellem Eco gerate ich auf kleine Inseln, klettere in Felsregionen umher, oder es verschlägt mich in ein Vulkangebiet. Oft ist es mir nur wenig vergönnt, die stimmungsvollen Schauplätze zu bestaunen, da ich doch sehr darauf bedacht sein muss, jeweils nicht gleich den Löffel abzugeben. Denn Piraten und andere Bösewichte sind ebenfalls auf der Jagd nach der begehrten Materie und machen mir das Leben schwer.

Präzise Steuerung…

Das Tutorial zur Steuerung ist nahtlos in den Ablauf der Handlung integriert. Schnell erlerne ich diverse Sprungtechniken, wie z.B. den Doppelsprung, um damit höher gelegene Klippen oder Vorsprünge zu erreichen. Um noch grössere Distanzen zu überwinden, ist Jak auch fähig einen Doppelsprung mit Gleitflug durchzuführen.

Zur Abwehr der zahlreichen Gegner verfügt er ausserdem über unterschiedliche Angriffstechniken, wie beispielsweise den Faustschlag, den Wirbelangriff oder den Tauchangriff. Letzterer ist ein Absprung, gefolgt von einem Salto und einem anschliessenden Taucher per Kopf voran auf das Ziel. Bestimmte Kisten im Spiel lassen sich übrigens nur mit diesem Special-Move öffnen.

Im Verlauf der Handlung erhält unser Held noch einen praktischen Stab, mit dem er den Bösewichten eins überbraten kann. Später verwendet er das Teil, um es mit verschiedenen Waffen zu bestücken. In «Lost Frontier» beschränkt sich die Steuerung aber bei Weitem nicht nur auf die Bewegungs- und Angriffsmöglichkeiten der Spielfigur. Fast schon zu oft für ein Jump’n’Run muss ich irgendwelche Missionen in der Luft erledigen.

Die hierfür vorgegebene Steuerung meines Fliegers ist zwar eher simpel und etwas träger gehalten, was aber der Präzision bezüglich der Lenkung meines Luftvehikels oder der Anvisierung von Feinden keinen Abbruch tut.

...aber miserable Kameraführung

Viel mehr Probleme bereitet mir die Kameraführung des Spiels. Was nützt die exakteste Steuerung eines Charakters, wenn die Übersicht fehlt, und ich nicht erkennen kann, wo ich zum Sprung ansetzen soll? Arrgh – Schon wieder die rettende Kante der gegenüberliegenden Inselklippe verpasst und ins Nirwana gesprungen! Und das immer nur deshalb, weil mir diese bescheuerte Kamera einfach keine vernünftige Perspektive meiner Absprungposition anzeigen kann.

Die Ansicht der Spielfigur ist nämlich nur in der Horizontalen per L- und R-Tasten veränderbar, jedoch nicht in der Vertikalen, was eine bessere Übersicht brächte. Würden mir reale Kameramänner dieselbe Leistungsqualität abliefern, hätte ich einen Tinitus im Auge gekriegt – durch den Anblick so vieler Pfeifen.

Obwohl meiner Meinung nach der Anteil von Flug- bzw. Actionsequenzen im Game eher etwas zu gross ausgefallen ist, bietet «Lost Frontier» durchaus auch solide Jump’n’Run-Kost. Dabei sind abwechslungsreiche, bunte und brenzlige Plattformsituationen vertreten. Aber ebenso sind knifflige Rätsel und Puzzleaufgaben zu lösen. Eine wirklich innovative Idee der Entwickler ist z.B., dass Jak im Lavalevel selber Plattformen bauen und so die heissen Lavaströme überqueren kann, um nicht selber grilliert zu werden.

Im Eco-Rausch

Weil besiegte Feinde immer etwas dunkles Eco hinterlassen, kann Jak es einsammeln, um es für den Einsatz spezieller Fähigkeiten, wie z.B. maximale Lebensenergie oder verbesserte Feuerkraft, zu verwenden. Precursor-Statuen verleihen ihm ausserdem weitere Talente.

Durch sie lernt unser Held beispielsweise, sich besonders hoch zu katapultieren oder gar die Zeit einzufrieren. Mit einem Energieball und einem Schuss auf dessen Zentrum kann Jak eine gigantische Explosion auslösen, welche besonders widerstandsfähige Gegner und sogar Wände im direkten Umfeld zermalmt.

Wie zu Beginn der Serie sitzt dafür der vorlaute Daxter meist auf der Schulter seines Kumpels und sorgt mit seinen witzigen Sprüchen und Kommentaren für den typischen Humor der Reihe. Im Gegensatz zu Jak kann er durch dunkles Eco ab und an zu einem Helden der Schattenseite mutieren: In diesem Eco-Wahn rast er kreuz und quer durch den Level und plättet in einer Art Tornadozustand alles, was sich in seiner Nähe befindet.

Technik-Check

Abgesehen von der bereits erwähnten unzureichenden Kameraführung gibts eigentlich nicht viel zu bemängeln. Die Rendersequenzen des Spiels sind erste Sahne und auch die Spielgrafik braucht sich nicht gegenüber den PS2-Pendants von «Jak & Daxter» zu verstecken.

Die Texturen sind manchmal leicht unschärfer als bei der grossen Konsole. Aber das stört mich keineswegs, weil es den Spielspass überhaupt nicht schmälert. Auch der Sound zum Spielgeschehen überzeugt. Vorausgesetzt man hat Kopfhörer an die PSP angestöpselt. Entwickler High Impact Games hat so ziemlich alles aus der Minikonsole herausgeholt, was möglich war. Ebenfalls positiv zu vermerken ist, dass das Game in 12 Sprachen auf der UMD vorliegt.

Fazit

Ein solides 3D-Jump’n’Run zum Mitnehmen! Besitzer des Sony-Handhelds erhalten mit «The Lost Frontier» einen würdigen Nachfolger zum rund drei Jahre alten Daxter. Was High Impact Games auf die PSP gezaubert hat, lässt kaum Wünsche offen. Gerne lasse ich alles um mich herum vergessen, um für einige Stunden in die abwechslungsreiche, farbenfrohe Welt unserer überkandidelten Helden einzutauchen.

Der einzige grosse Wermutstropfen betrifft die schwache Kameraführung. In einigen Abschnitten des Spiels brachte sie mich an den Rand des Wahnsinns, da sich die für eine klare Abschätzung notwendige Perspektive zur Durchführung eines erfolgreichen Sprunges partout nicht einstellen liess. Die vielfältigen Herausforderungen und die Missionen in der Luft, sowie die brillante technische Umsetzung des Titels, machen diesen Mangel aber wieder locker wett.

(Alex Sutter/news.ch)

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