Der «kleine Pirat» Garzelli Gesamtsieger
Garzelli entschied den Giro im letzten Zeitfahren für sich
publiziert: Sonntag, 4. Jun 2000 / 17:53 Uhr

Mailand - 24 Stunden vor Abschluss des Giro d'Italia hat Francesco Casagrandes Traum vom Gesamtsieg mit einem Katzenjammer geendet. Im Zeitfahren von Briançon nach Sestriere legte Stefan Garzelli die 34 km um 1:52 Minuten schneller zurück und kam mit dem Giro-Triumph zum bedeutendsten Erfolg seiner seit 1997 dauernden Profi-Karriere.

Si. Garzelli ist in der Schweiz seit seinem Sieg in der Tour de Suisse 1998 bekannt. Von der Statur und dem Aussehen her mit seinen kurzen Haaren lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit mit Marco Pantani nicht verleugnen. Deshalb wird Garzelli oft als «kleiner Pirat» bezeichnet.

Mit Pantani verbindet Garzelli eine herzliche Freundschaft. Die beiden scheinen sich seit Garzellis Profi-Debut nahe gekommen zu sein. Und Pantani war es, der seinem Teamkollegen immer wieder einredete, er sei durchaus in der Lage, diesen Giro für sich zu entscheiden. Er müsse nur an sich glauben.

Pantanis Ratschlag

Selbst vor dem Zeitfahren glaubte der zu diesem Zeitpunkt an 2. Stelle der Gesamtwertung liegende Garzelli nicht zu 100 Prozent an seine Chance. «Bleib ruhig. Du gewinnst diesen Giro», raunte ihm Pantani beim Mittagessen zu. Und genau so kam es. Schon nach 10 km der Prüfung gegen die Uhr lag Garzelli in der Auseinandersetzung mit Casagrande und Gilberto Simoni deutlich voraus. Im Anstieg nach Sestriere baute der Varesiner seine Reserve sogar noch aus.

Im Vorfeld dieser Italien-Rundfahrt hatte Garzelli ein Aufbauprogramm bestritten, das genau auf diesen Höhepunkt ausgerichtet war. Der Verzicht auf die Ardennen-Klassiker Flèche Wallonne und Lüttich - Bastogne - Lüttich, an denen Garzelli sehr viel liegt, zahlte sich aus. Als erleichternd kam in diesem Frühjahr hinzu, dass der 26-jährige Athlet von Krankheiten verschont blieb. Dies war in früheren Jahren nicht der Fall gewesen.
Günstig wirkte sich für den Gesamtsieger im Verlaufe der Rundfahrt aus, dass er und seine Mannschaft kaum jemals Verantwortung übernehmen mussten. Aber Garzelli war ein einsamer Kämpfer, weil der Grossteil des Teams zur Betreuung von Pantani abgeordnet wurde. Mehr als einmal musste der Gesamtsieger des Giro an seine Limite oder sogar noch ein Stück darüber hinaus gehen. Aber schon vor zwei Jahren in der Tour de Suisse war der Italiener durch seine Fähigkeit aufgefallen, seine Schmerzgrenze sehr weit hinaus zu schieben. Unter drei gleichwertigen Kletterern war Garzelli der beste Zeitfahrer.

Nummer 1 der Welt als Trost

Sein Vorstoss in der 9. Etappe in Abetone, der ihm die Leaderstellung einbrachte, reichte für Francesco Casagrande nicht, um die Maglia rosa nach Mailand zu bringen. Die Reserve des Florentiners bröckelte nach und nach, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich Casagrande auf die Defensive beschränkte, statt einmal den Chef herauszukehren und seinen Gegnern ein weiteres Mal seine Stärke aufzuzeigen.

Zu Beginn der Prüfung gegen die Uhr, so führte Casagrande an, sei er durch einen Ischiasnerv behindert worden, der in sein linkes Bein ausstrahlte. Dennoch blieb schwer verständlich, weshalb der Italiener grosse Übersetzungen zu bewältigen versuchte. So handelte er sich schon auf den ersten 10 km einen Rückstand ein, der nicht mehr aufzuholen war und der ihn im Gesamtklassement auf den 2. Schlussrang mit einem nur noch bescheidenen Vorsprung auf den drittklassierten Gilberto Simoni relegierte.
Das Zeitfahren wurde eine Beute von Jan Hruska, der vor drei Wochen schon im Prolog in Rom siegreich gewesen war. In der Schlussetappe in Mailand setzte sich Mariano Piccoli (It) im Spurt einer kleinen Gruppe durch.

Bescheidenes Spektakel

Die 83. Ausgabe des Giro d'Italia wird kaum gross in die Geschichte eingehen. Zu bescheiden war das Spektakel, das geboten wurde. Es beschränkte sich auf die Bergankünfte in Abetone und Pratonevoso sowie auf die Etappen im Gebirge. Aber die Vorstösse der Gesamtbesten blieben rar, und Simonis Kampfgeist war grösser als die Fähigkeiten des Italieners in den Steigungen.

Anonyme Schweizer

In der dürftigen Klasse der Rundfahrt gingen die beiden Schweizer Niki Aebersold und Daniel Schnider unter. Aebersold trat überhaupt nie in Erscheinung, Schnider verspürte bald einmal eine Formsteigerung, die aber durch den ärgerlichen Sturz in Matera zunichte gemacht wurde. Nächstes Jahr könnte der Beachtungsgrad des Giro in der Schweiz wieder steigern. Saeco-Teamchef Antonio Salutini hat angekündigt, Laurent Dufaux an den Start zu bringen und mit dem Romand um den Gesamtsieg fahren zu wollen.

(ba/sda)

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