Gaskrieg zum Zweiten
publiziert: Donnerstag, 8. Jan 2009 / 11:18 Uhr / aktualisiert: Freitag, 9. Jan 2009 / 08:16 Uhr

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Die Schweiz ist im momentanen Gaskonflikt zwar nicht Profiteur aber wohl einer der Staaten, die am glimpflichsten davon kommen. Nur ein Fünftel des Schweizer Gases stammt aus den nun zugedrehten russischen Pipelines und wer ein Dach über dem Kopf und eine Gasheizung hat, muss sich momentan nicht vor kalten Zimmern fürchten.

Doch die Situation in Südosteuropa ist prekär und nur jene Länder, die sich eine teure Infrastruktur mit entsprechenden Lagerkapazitäten leisten können, sind in der Lage, von diesen zu zehren und zu hoffen, dass die Lieferungen wieder aufgenommen werden, bevor die Speicher leer und die Pipelines so stark beschädigt sind, dass Gaslieferungen nicht einmal nach einer Einigung der Streithähne mehr möglich wäre.

Doch ganz egal, was die EU nun beschliesst, wie Russland und die Ukraine reagieren und wie schnell das Problem gelöst wird: Es ist schon zum zweiten Mal in 3 Jahren ein grosser Teil der Energie- und Wärmeversorgung Europas in Gefahr und zum Teil sogar zusammen gebrochen. Und dies nicht aufgrund einer Naturkatastrophe, sondern aus politischen Gründen.

Warum das nach der letzten Krise vor drei Jahren nicht passierte, ist zudem rätselhaft. Weder die politische noch die wirtschaftliche Situation der Protagonisten hat sich seither grundlegend geändert. Russland ist mehr eine Autokratie und die Ukraine ist immer noch politisch zerrissen und lebt in ständiger Furcht vor seinem übermächtigen Nachbarn.

Auch die ökologischen und ökonomischen Tatsachen haben sich nicht geändert: Erdgas ist, wenn auch in weniger grossem Ausmass als Öl, ein fossiler, Treibhausgase produzierende Energieträger, der irgendwann zu Ende gehen wird. Allein diese Fakten und unsere Verantwortung gegenüber künftigen Generationen müssten schon ausreichen, die Industriestaaten dazu zu bringen, in der Energiepolitik endlich stärker auf erneuerbare oder gar unerschöpfliche Quellen, wie die ewig lockende Kernfusion, die in letzter Zeit grosse Fortschritte machte, zu setzen.

Doch dies erfordert extrem langfristiges Denken, denn unsere ganze Infrastruktur ist auf fossile Brennstoffe ausgerichtet. Selbst wenn man heute mit dem Umbau begänne, würden sich erste, grössere Resultate erst in zehn Jahren zeigen und frühestens in zwei, drei Jahrzehnten wäre der Umbau an einem Punkt angelangt, der es erlauben würde, aus der fossilen Abhängigkeit heraus zu kommen.

Die Frage ist einfach: Sind Politiker mit einem Planungshorizont, der genau bis zur nächsten Wahl hin reicht, und Wirtschaftsführer, deren Denken nur auf Quartalsergebnisse fixiert scheint, überhaupt in der Lage, solche Generationenprojekte, die auch das Risiko des grandiosen Scheiterns in sich tragen, anzuschieben? Vielleicht bietet ja die momentane, globaleWirtschaftskrise in Verbindung mit dem jüngsten Gaskrieg endlich die Motivation, hier etwas in Bewegung zu setzen.

Die erste grosse Energiekrise liegt nun 35 Jahre zurück und nach jedem dieser Schock-Ereignisse kehrte man zum Business-As-Usual zurück, tat so, als sei nichts passiert und als würde nichts mehr passieren. Es gibt eigentlich keinen Grund zu glauben, dass es dieses mal anders sein wird. Aber man kann ja mal hoffen. Bis zum dritten Gaskrieg, im nächsten bitterkalten Winter.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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