«Es ist als wäre es gestern passiert»
Gedenken an das Olympia-Massaker von 1972
publiziert: Mittwoch, 5. Sep 2012 / 22:53 Uhr

München - Mit einer Gedenkveranstaltung ist 40 Jahre nach dem Münchner Olympia-Attentat in Fürstenfeldbruck an die Opfer erinnert worden. Spitzenpolitiker aus Deutschland und Israel mahnten dabei am Mittwoch, aktuellen Terrorgefahren entschieden entgegenzutreten.

2 Meldungen im Zusammenhang
Bei vielen Rednern sass der Schmerz noch tief, das wurde in den Reden am Mittwoch immer wieder deutlich. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, warf den deutschen Sicherheitskräften schwere Versäumnisse vor.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft im Olympischen Dorf als Geiseln genommen. Der Anschlag endete auf dem Militärflughafen von Fürstenfeldbruck in einem Blutbad. 17 Menschen, darunter fünf Terroristen und ein Polizist, kamen ums Leben.

«Die Sicherheitsbehörden damals zeigten einen desaströsen Dilettantismus, wie wir ihn uns niemals hätten vorstellen können», sagte Graumann bei der zentralen Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck. «Und von Selbstkritik keine Spur.»

Kaltherzig

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Spiele nach kurzer Unterbrechung fortzusetzen, nannte Graumann kalt. Der Satz «The games must go on» von IOC-Präsident Avery Brundage habe ausgedrückt, «dass jüdisches Blut billig war in den Augen der Welt».

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, verteidigte das IOC. Es habe damals nicht resigniert und deshalb die Spiele fortgesetzt - als entschlossenes Zeichen im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte: «Der Mensch war, ist und bleibt zu Unmenschlichkeit imstande.» Es sei kein Attentat auf Israel oder die Juden gewesen. «Es war ein Anschlag auf alle.»

Die Gedenkfeierlichkeiten begannen mit einer Kranzniederlegung im Olympischen Dorf. Zwischen den Reden gab es einen gemeinsamen Gottesdienst für Christen und Juden und immer wieder musikalische Einlagen.

Zur Wachsamkeit aufgerufen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) rief zu Wachsamkeit wegen der anhaltenden Gefahr terroristischer Anschläge auf. Besonders gefährdet seien israelische und jüdische Einrichtungen.

Seehofer versicherte: «Wir in Bayern werden auch in Zukunft alles dafür tun, dass antisemitischer Hass und rechtsextreme Tendenzen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.» Er setze sich zudem nachdrücklich dafür ein, dass die Israelis in sicheren Grenzen und in Frieden leben können. Seehofer kündigte auch den Bau eines «Gedenkraums» für die Opfer des Attentats an.

An der Gedenkfeier in Fürstenfeldbruck nahmen neben Angehörigen der Opfer und Überlebenden unter anderem auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Israels Vizeministerpräsident Silvan Schalom teil.

(bert/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Jerusalem - Der berühmte israelische Geheimagent Michael (Mike) Harari ist tot. Harari starb am Sonntag im Alter von 87 ... mehr lesen
War massgeblich an der «Operation Zorn Gottes» beteiligt.
Am Donnerstag hatte die britische Regierung 1200 weitere Soldaten zum Schutz der Olympischen Spiele in Bereitschaft versetzt.
Olympische Sommerspiele London - Aus Angst vor einem iranischen Terroranschlag bei den Olympischen Spielen in London haben die israelischen ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 17
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene Offensive zurückzuschlagen, seien gescheitert. mehr lesen   1
Russland und Westen kooperieren bei Syrien-Hilfe Berlin - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären ... 1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 15°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 14°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 14°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 13°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 14°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 14°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 18°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten