Antibiotika-Resistenz durch Schweinemast
Gefahr durch Antibiotika-Einsatz in chinesischen Schweineställen
publiziert: Montag, 11. Feb 2013 / 21:02 Uhr
Verantwortungsloser Umgang mit Antibiotika bei der Schweinemast in China.
Verantwortungsloser Umgang mit Antibiotika bei der Schweinemast in China.

Washington - Wissenschaftler haben vor dem unkontrollierten Einsatz von Antibiotika in der chinesischen Schweinemast gewarnt. Die massive Nutzung führe zur Ansammlung von Resistenzgenen in der Umwelt, berichten Forscher aus China und den USA.

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Sie fanden auf drei grossen Schweinefarmen insgesamt 149 verschiedene Resistenzgene, zum Teil in hoher Konzentration. Da Bakterien die Gene untereinander austauschen können, bestehe die Gefahr, dass Antibiotika auch bei der Behandlung von Infektionskrankheiten des Menschen zunehmend ihre Wirkung verlieren, schreiben die Forscher in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Nach Angaben der Autoren um Yong-Guan Zhu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften ist China weltweit der grösste Produzent und Konsument von Antibiotika. Der Einsatz der Medikamente sei in der Tierhaltung nicht kontrolliert.

Das führe oft dazu, dass grosse Mengen zur Behandlung von Krankheiten, aber auch zur Wachstumsförderung eingesetzt würden. Rückstände fänden sich dann auch im Mist und gelangten darüber in den Boden.

Konzentration von Resistenzgenen bis zu 28'000-fach erhöht

Um die genauen Folgen des Antibiotika-Einsatzes zu untersuchen, nahmen Zhu und seine Mitarbeiter auf drei grossen Schweinefarmen in drei Gegenden Chinas jeweils Mist-, Kompost- und Bodenproben. Insgesamt fanden sie 149 verschiedene Resistenzgene, die Bakterien prinzipiell gegen alle Hauptklassen von Antibiotika unempfindlich machen können.

Die Konzentration der 63 am weitesten verbreiteten Resistenzgene lag im Schnitt 192-fach über den Kontrollproben, wie unberührtem Waldboden oder antibiotikafreiem Mist. Teilweise war die Konzentration 28'000-fach erhöht, berichten die Wissenschaftler.

In weiteren Untersuchungen stellten sie fest, dass in ihren Proben auch die Menge sogenannter Transposasen erhöht war. Das sind Enzyme, die bei der Weitergabe von Resistenzgenen eine Rolle spielen.

Die gleichzeitige Anreicherung von Resistenz- und von Transposasegenen erhöhe das Risiko, dass Resistenzgene aus der Tierhaltung auf Bakterien übertragen werden, die beim Menschen Krankheiten hervorrufen können, schreiben die Forscher.

«Die Resistenzgene können die Allgemeinbevölkerung über Lebensmittel, Trinkwasser oder den Kontakt mit Farmarbeitern erreichen», erläutert James Tiedje von der Michigan State University, der das Forschungsteam leitete. «Wegen dieser unerwünschten Ausbreitung stellen die Resistenzgene weltweit eine potenzielle Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. Sie sollten daher als Schadstoffe klassifiziert werden.»

Strenge Vorschriften in Europa

Das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass allein der Nachweis solcher Transposasegene noch nichts über die tatsächliche Weitergabe von Resistenzgenen aussagt.

In Europa dürfen Antibiotika in der Tierhaltung nur zur Behandlung von Krankheiten verabreicht werden. Der Einsatz zur Leistungssteigerung oder Wachstumsförderung ist grundsätzlich verboten.

(fest/sda)

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