Gegen tausend Falun-Gong-Anhänger in Peking festgenommen
publiziert: Sonntag, 1. Okt 2000 / 14:42 Uhr

Peking - Bei Protesten zum chinesischen Nationalfeiertag sind auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) in Peking fast tausend Anhänger der Kultbewegung Falun Gong festgenommen worden. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe Sektenmitglieder brutal behandelt und in Busse verfrachtet.

Die Demonstration zum 51. Gründungstag der Volksrepublik am Sonntag war eine der grössten Aktionen seit dem Verbot des Kults im Juli 1999. Der Tian'anmen-Platz, der zum Feiertag von Zehntausenden besucht war, musste sogar vorübergehend geräumt und gesperrt werden.

Die Falun-Gong-Anhänger hatten sich am Morgen unter die Menschenmassen gemischt, entrollten plötzlich Banner, warfen Flugblätter in die Luft oder machten Meditationsübungen. Das Grossaufgebot von Polizei in Uniform und Zivil, das den Platz sicherte, schritt sofort ein.

Augenzeugen berichteten, Polizisten hätten die Kultmitglieder - fast alles Frauen - geschlagen, getreten und an Haaren gezogen. In Bussen und Polizeiwagen seien die Festgenommenen auch mit Knüppeln geschlagen worden. Auch zahlreiche Kinder seien festgenommen worden. Ausländischen Kameraleuten wurden Filmaufnahmen abgenommen.

Eine Sprecherin von Falun Gong in New York sagte, rund 10 000 Anhänger der Bewegung seien für die Proteste am Nationalfeiertag nach Peking gereist. Die Proteste würden in den kommenden Tagen fortgesetzt.

Bereits im Vorfeld des Feiertages hatte Polizei an Strassensperren auf dem Weg nach Peking versucht, Kultanhänger an der Anreise zu hindern. Auch Züge wurden kontrolliert.

Mehr als 600 Kultmitglieder seien in den vergangenen zwei Wochen in umliegenden Provinzen festgenommen worden, berichtete aus Hongkong das Informationszentrum für Demokratie und Menschenrechte. In den letzten 14 Monaten seien 10 000 Falun-Gong-Anhänger in Arbeitslager verbannt und 20 000 weitere vorübergehend in Haftanstalten gesteckt worden.

Falun Gong verbindet Elemente aus dem Buddhismus mit Meditation, Atemübungen und Kampfsport. Der Kult hat in China viele Millionen Anhänger. Sein in den USA lebender Führer Li Hongzhi, der auch offen rassistische Theorien verbreitet, verlangt Gefolgschaft und hat Falun Gong im Kern wie eine klassische Geheimgesellschaft organisiert.

Die chinesische Regierung hat Falun Gong als «bösen Kult» verboten und macht ihn für den Tod von 1500 Menschen verantwortlich.

(sda)

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