«Ordnungsstifter»
Geld schafft Vertrauen zwischen Fremden
publiziert: Donnerstag, 29. Aug 2013 / 10:40 Uhr
Ohne Geld - keine Vertrauen?
Ohne Geld - keine Vertrauen?

Orange/Kalifornien - Bei der Schaffung von Vertrauen zwischen sich unbekannten Personen spielt Geld eine entscheidende Rolle.

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Ohne Geld würde die spontane Kooperationsbereitschaft zwischen fremden Menschen abnehmen, während die Gesellschaft immer komplexer und fragmentierter wird. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam unter der Führung von Gabriele Camera von der zur Chapman University in Orange, Kalifornien, gehörendem Economic Science Institute. Ohne eine Währung hätten sich grosse, industrialisierte Gesellschaften nicht in diesem Ausmass entwickeln können, da Menschen nicht gelernt hätten, sich einander zu vertrauen.

Gruppen-Experiment durchgeführt

Historisch gesehen konnten Menschen ihr Überleben nur dadurch sichern, dass sie sich zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen haben. Moderne Gesellschaften und deren wirtschaftliches Treiben hängen hingegen davon ab, dass Menschen kooperieren, die sich komplett fremd sind. «Unsere Untersuchung legt nahe, dass Regeln der freiwilligen Kooperation in einer Gesellschaft mit sich unbekannten Menschen schwierig anzuwenden sind, solange zwischen ihnen keine Institution vermittelt», schreiben die Wissenschaftler. Das von ihnen durchgeführte Experiment habe einen verhaltensbedingten Grund für die Existenz von Geld identifiziert.

Sie stützen ihre Aussagen auf ein Experiment, an dem insgesamt 448 Freiwillige teilgenommen haben. In einem Rollenspiel konnten die Teilnehmer entscheiden, ob sie anderen mithilfe von sogenannten «consumption units» helfen oder nicht. Grosszügigkeit hat dabei die Wahrscheinlichkeit erhöht, später auch selbst unterstützt zu werden. Dieses System aus Geben und Nehmen funktionierte allerdings nur in kleinen Gruppen und bei direktem Kontakt. Die Kooperationsbereitschaft lag bei Zweier-Gruppen bei 80 Prozent, bei Vierer-Gruppen jedoch nur mehr bei 49,1 Prozent. Bei acht Teilnehmern rangierte sie bei 34,2 und bei Gruppen bestehend aus 32 Personen nur mehr bei 28,5 Prozent.

Geld als Kitt zwischen Menschen

Anstatt abstrakter «consumption units» hat das Forscherteam dann Token eingeführt. Diese wurden von den Teilnehmern instinktiv als Geld angesehen. Deren Einführung ging einher mit einer grundsätzlichen Verhaltensänderung. Egal wie gross die Gruppe war - die Kooperationsbereitschaft lag konstant bei rund 52 Prozent. Von sich aus wertlose Token waren ein Katalysator für Kooperation. Grund dafür sei der selbsttragende Glaube, dass man sie für zukünftige Kooperationen wieder einsetzen kann, so die Forscher in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science.

Doch nicht nur Geld als allgegenwärtiges Zahlungsmittel fungiert als Kitt zwischen Menschen, die sich nicht kennen. Eine ähnliche Funktion haben auch rechtliche Normen wie Gesetze, Vorschriften und Bescheide. Während der Glaube an Gesetze von der politischen Lage abhängt, ist der Glaube an Geld streng mit der Wirtschaft verknüpft. Die Schuldenkrise in der Eurozone und die damit einhergehende Sorge um die Absicherung des eigenen Wohlstands dient dabei als gutes Beispiel.

(dap/pte)

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