
Jeweils am Anfang des Jahres sind Ferientage in der Schweiz angesagt, unterbrochen von Vorträgen über Chinas Stellung in der Welt und Chinas Zukunft im 21. Jahrhundert.
Der Jahresanfang als Schweizer Ferienziel empfiehlt sich aus Pekinger Sicht schon deshalb, weil es in der chinesischen Hauptstadt um diese Jahreszeit jeweils bitter kalt ist. Doch die Rechnung ging für einmal nicht auf. Die Meteorologen oder besser das Wetter haben sich anders entschieden. Auf dem Wetter-App grüsst Peking mit Temperaturen nur knapp unter dem Gefrierpunkt - verglichen etwa mit dem Engadin - schon fast als subtropische Gegend.
Um von Vortrags- zu Vortrags- und von Ferien- zu Ferien-Ort zu gelangen, empfiehlt sich die Eisenbahn. Finde ich. Bequem, schnell und fast schon so pünktlich wie die chinesischen Staatsbahnen. Dass die SBB Ende Jahr (noch) teurer werden, habe ich auf der Fahrt von einem Ort zum andern nebenbei auch noch mitbekommen. Doch Qualität kostete eben schon immer etwas mehr.
Einmal auf der Reise freilich, war von Qualität mitnichten die Rede. Der Regionalzug Richtung Bündnerland war rappelvoll. Beim Einsteigen und Platz besetzen wurde mit Ellbogen und allen verfügbaren harten Bandagen gekämpft. Dass die junge Generation dabei einen Vorteil hat, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Eine ältere Dame jedenfalls stand wie bestellt und nicht abgeholt am Eingang des Waggons. Alle Plätze besetzt. Mit jungen, jüngeren und jüngsten Leuten vor allem. Auch nach zwei, drei Minuten machte niemand auch nur einen Wank.«Junger Mann», sagte ich mit einem freundlichen Lächeln in Richtung der alten Dame zu einem vielleicht 18-Jährigen, «wäre es möglich, ihren Platz frei zu geben?». Die Antwort kam schnell und abrupt: «Isch mer wurscht!, bsetzt isch bsetzt». Aha. Zweiter Versuch etwas weiter vorne im Waggon Die Antwort kam noch schneller und abrupter: «Was hesch gsait, Du Grufti?». Da als Grufti immer noch wohl trainiert, nahm ich den jungen Mann am Kragen, hob ihn zur Brust und sagte: «Der Grufti verlangt den Platz für die alte Dame und eine Entschuldigung». Und so geschah es.
Die Schweizer «Generation Wurscht» hat ganz offensichtlich den Respekt vor dem Alter verloren. Das wäre im konfuzianisch geprägten Ostasien völlig undenkbar. In der Pekinger Untergrundbahn oder im vollgestopften Bus geben junge Leute ganz selbstverständlich den Platz für die ältere Generation frei. Freundlich, hilfsbereit, lächelnd. Doch eigentlich bin ich ganz froh, dass mir das in der Schweiz noch nicht passiert ist. Sollten nämlich einst in einem Schweizer Tram oder in der SBB die jungen Leute freundlich, hilfsbereit und lächelnd den Sitzplatz freigeben, wäre der Grufti-Status endgültig besiegelt.
(Peter Achten/news.ch)
Was stimmt ist, dass man die Veränderungen viel besser mitbekommt, wobei ich einer bin der öfters über die Schweiz dreht und nicht nach 10 Jahren mal wieder vorbeischaut.
Tatsache ist, auch mir fällt aber auf wie sich Leute immer schlechter benehmen. Auch in der Schweiz verbreitet sich immer mehr die "Hoppla, jetzt komm ich!" Mentalität. Die Schulen haben einen Bildungs- und keinen Erziehungsauftrag. Was die Kinder an Anstand nicht von zu Hause mitbekommen, erhalten sie dort nicht.
Generell gesehen empfinde ich aber Schweizer Jugendliche im Vergleich zum Ausland als sehr nett. Meine Erfahrungen sind ganz anders. Als ich vor ein paar Monaten mit zu viel Gepäck am Flughafen unterwegs war, haben zwei 15jährige dem Grufti geholfen das Gepäck in den Zug zu hieven.
Dagegen wurde meine Mutter mit 79 grundlos in einem Regionalzug zu Boden geschlagen und der junge Mann lief über sie aus dem Zug. Interessiert hat es keinen. Weder die anderen Reisenden noch die Zolleintreiber (Bullen). Nach einem Überfall, einem versuchten Handtaschendiebstahl und dieser Episode, habe ich vollen Respekt für meine Mutter, die sich mit nunmehr 80 immer noch in den ÖV traut. Aber glauben Sie mir, wenn ich Ihr manchmal zu höre, möchte ich auch einigen Bürschchen mal in die Fresse hauen.
Ich sehe hier aber nicht ein generelles Problem mit der Jugend, sondern mit unserer Gesellschaft allgemein. In unserer Zeit von Schönheits-OPs und Botox ist das Altern nicht mehr akzeptiert. In Afrika und im südlichen Europa hat man noch Respekt vor den Alten. Sie gelten als Familienoberhaupt oder als Weise, nicht als Gruftis. Sie bleiben in den Familien integriert. Im deutschsprachigen Raum geht es darum, sie möglichst bald in's Pflegeheim abzuschieben.
Die Jugendlichen sind nicht schuld, sondern die "Vorbilder". Die 25 - 50 jährigen Egoisten und Karrieristen. In einer Zeit in der Casting-Deppen, eine Miss Schweiz, ein saufendes Pop-Sternchen oder ein Rapper mit IQ80 als Vorbilder gelten, kann man nicht mehr erwarten.
Wenn mich also mal ein Jüngling schroff angeht, bin ich schon froh wenn es kein Balkandeutsch ist.
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