Geniestreiche von Bode Miller und Anja Pärson
publiziert: Sonntag, 24. Okt 2004 / 15:31 Uhr

Die Schweizer Ski-Asse essen auch in diesem Winter hartes Brot. Didier Cuche und Sonja Nef sorgten in den Riesenslaloms von Sölden mit einem 9. und 12. Platz für die Lichtblicke. Bode Miller (USA) und Anja Pärson (Sd) gaben schon im ersten Rennen den Tarif durch.

Bode Miller - der "fast"-österreichische Sieger.
Bode Miller - der "fast"-österreichische Sieger.
Der Amerikaner gewann wie im Vorjahr auch mit neuem Material (Atomic statt Rossignol) ähnlich überzeugend. Im letzten Jahr siegte er 1,12 und 1,18 vor den Franzosen Frédéric Covili und Joël Chenal, heuer 1,17 vor Massimiliano Blardone (It) und 1,48 vor Kalle Palander (Fi).

Die 23-jährige Anja Pärson feierte ihren 23. Weltcupsieg. Bode Miller gab nach seinem Triumph die Vorschusslorbeeren zurück: "Ich erinnere mich noch genau, was im letzten Jahr nach meinem Sieg in Sölden gesagt worden ist: Jetzt ist der nicht mehr zu halten. Und alle wissen, was herausgekommen ist."

Da Miller der einzige Ausländer ist, den die Österreicher akzeptieren und ihn - nach seinem Wechsel auf Atomic erst recht - fast als Landsmann betrachten, tat dieser Monolog des Yankee dem Skifest im Ötztal (29 500 Zuschauer) keinen Abbruch.

Auch wenn es sie schmerzte, dass wie 2003 weder ein ÖSV-Fahrer noch eine Fahrerin einen Podestplatz schafften und Michaela Dorfmeister als beste nur 7. und Nationalheld Hermann Maier sogar nur 15. wurde.

Schweizer "worst case" knapp verhindert

Der Schweizer "worst case" konnte knapp verhindert werden, indem Cuche im 2. Lauf vom 14. auf den 9. Rang vorrückte und damit wenigstens das Minimalziel eines Top-Ten-Platzes erreichte. Gleichwohl deckten diese Rennen die Schweizer Limiten schonungslos auf: Neben Cuche und Nef holten nur noch Fränzi Aufdenblatten (20.), Ambrosi Hoffmann (20.) und Didier Défago (22.) Weltcuppunkte.

Altmeister Michael von Grünigen brachte die Situation auf den Punkt: "Wenn der Beste in der Weltrangliste nur 26. ist, darf man keine unrealistischen Ergebnisse erwarten. Dieses Handicap muss erst wettgemacht werden. Um diesen Rückstand aufzuholen, muss man doppelt so gut fahren wie die andern."

Immerhin zeigten die Schweizer im 2. Lauf erfreuliche Ansätze: Gastfahrer Marco Büchel (21. Schlussrang) fuhr zweitbeste Laufzeit, Cuche die drittbeste und Hoffmann die sechstbeste.

"Ich bin noch nicht dort, wo ich sein möchte", meinte Cuche, "aber das Fahrgefühl ist nach meinem Schuhwechsel wesentlich besser als im Vorjahr. Ich kann wieder schnelle und schöne Schwünge fahren." Und auch Hoffmann äusserte sich zuversichtlich: "Es war sicher kein Exploit, was ich geboten habe. Und trotzdem beruhigt es mich."

Verkrampft

Auch Sonja Nef betrachtete ihre erste Standortbestimmung nach der völlig verpfuschten letzten Saison als durchaus geglückt, obwohl sie im zweiten Lauf wegen eines Fehlers im Steilhang vom 8. auf den 12. Platz zurückfiel.

"Es konnte ja nicht gleich wieder einschlagen wie eine Bombe", meinte die Appenzellerin, die in Sölden bleibt und in der nächsten Woche mit dem Schweizer Slalom-Team (unter ihrem Ex-Betreuer Sepp Brunner) weiter an ihrer Form schleifen will.

Daniel Albrecht verpasste als 36. mit der Nummer 55 die Qualifikation für den 2. Lauf um drei Zehntel, nachdem er bei der Zwischenzeit noch 17. gewesen war. "Im Flachen habe ich alles verbeben", ärgerte sich der zurzeit hoffnungsvollste Nachwuchsmann.

Völlig daneben geriet das Rennen Marlies Oester und Nadia Styger. Die Bernerin, die im letzten Winter in Sölden als 9. das beste "Riesen"-Ergebnis ihrer Karriere erzielt hatte, verpasste als 37. die Qualifikation um 0,55 Sekunden, die Schwyzerin um rund eine Sekunde. "Ich war vor einem Rennen noch nie so nervös", meinte Styger.

"Ich wollte zuviel und konnte die Verkrampfung nie lösen." So blieb für die momentane Leaderin des Schweizer Frauen-Teams die bittere Erkenntnis: "Sölden und ich passen offenbar nicht zusammen." In vier Rennen erschien sie an diesem Ort noch nie im Klassement.

Anja und Tanja eine Klasse für sich

Während mit Bode Miller keiner mithalten konnte, bot bei den Frauen Tanja Poutiainen (Fi) Anja Pärson (Sd) die Stirn und verlor nur 39 Hundertstel. Nach einem 3. und 2. Platz feierte die letztjährige Weltcup-Gesamtsiegerin Anja Pärson in Sölden ihren ersten Sieg, den 23. insgesamt.

"Nach einer so guten Saison ist es schwierig, das gleiche Niveau zu halten", sagte die Schwedin, "deshalb werde ich noch individueller als früher trainieren und mich für das Speedtraining vielleicht anderen Teams anschliessen".

Auffallend ist, dass alle drei Fahrerinnen auf dem Podest von schweizerischem Trainer-Knowhow profitieren. Pärson wird zwar nach wie vor von ihrem Vater Anders gecoacht, der auch den ersten Lauf ausflaggte, aber als (neuer) Cheftrainer zieht der Berner Thomas Stauffer die Fäden im Hintergrund. Tanja Poutiainens Betreuer ist der Bündner Michael Bont. Im letzten Jahr führte er die Finnin in Levi zum ersten Slalomsieg, am Samstag fehlten nur 0,39 Sekunden zum ersten Riesenslalom-Triumph.

"Tanja ist die beste Technikerin der Welt", lobt sie Bont, "ihr fehlt nur noch der Killer-Instinkt". Und hinter Maria José Rienda Contreras steht der Tessiner Mauro Pini, der schon im dritten Jahr in Spanien tätig ist. Nach vier Podestplätzen ist auch Rienda Contreras´ erster Weltcup-Erfolg (über-)fällig.

(rr/Si)

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