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Genügsamkeit: Freund oder Feind?
publiziert: Donnerstag, 2. Feb 2012 / 10:56 Uhr / aktualisiert: Samstag, 4. Feb 2012 / 13:01 Uhr
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Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.
Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

«Warum» der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft nötig ist, darüber brauchen wir keine Worte zu verlieren. «Wie» wir den Wandel anpacken könnten, davon handelt mein letzter Blogbeitrag. Heute will ich ansprechen, «wohin» es gehen soll.

Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag vom 16.08.2011
Was der Klimawandel mit Bärenpelzen und Omeletten
klimablog.ethz

Forum Ö, 10. und 11. Mai 2012
Weniger ist mehr - das Geschäftsmodell der Suffizienz
oebu.ch

In meinem letzten Blog-Beitrag «Was der Klimawandel mit Bärenpelzen und Omeletten» gemeinsam hat (>siehe weiterführende Links) habe ich die Notwendigkeit von «tiefgreifenden Instrumenten» verteidigt: Wenn wir einen radikalen Wandel herbeiführen wollen, müssen die Prozesse von Anfang an richtig gestaltet werden - das bringt weniger negative Nebenwirkungen und Reibungsverluste. Dies zum «Wie» wir den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft anpacken können. Was ich heute ansprechen will, ist das «Wohin».

Effizient und Erneuerbar

In den nächsten Jahren sollen der Ressourcenverbrauch massiv zurückgefahren und Schadstoffemissionen um ein Vielfaches verringert werden. Die «postfossile» Gesellschaft soll jedoch keinen Rückschritt betreffend Lebensqualität bedeuten. Also müssen wir verfügbare Materialien und Energie sehr geschickt einsetzen, um das Maximum aus ihnen herauszuholen. Eine um ein Vielfaches höhere Effizienz sei möglich, sagen die Leute aus der Praxis und die Wissenschaft. Zudem kann der Ersatz von nicht erneuerbaren Energieträgern einen wesentlichen Beitrag leisten. Und wenn das nicht reicht?

Ein Gespenst geht um

Es ist in vielen Bereichen wie beispielsweise der Ernährung, dem Wohnen oder der Mobilität absehbar, dass mehr Effizienz und mehr Erneuerbare Energien nicht reichen. Nicht zuletzt wegen des sogenannten «Rebound»-Effekts: Wenn etwas effizienter wird und weniger Energie verbraucht, wird es billiger. Was wiederum zu verstärkter Nachfrage führt. So führt eine 25% bessere Effizienz, nur dann zu 25% an Einsparungen, wenn die höhere Effizienz nicht neue Begehrlichkeiten weckt, wie zum Beispiel mehr Wohnfläche pro Person oder immer häufigere Flüge ins nächste Shoppingparadies.

Dieser Begehrlichkeit stellt sich ein neuer Trend entgegen: Die Idee der Suffizienz - oder Genügsamkeit - wird immer breiter diskutiert und hier und da sogar schon umgesetzt. Doch wie sollen die gängigen, auf Wachstum basierenden Geschäftsmodelle unserer Unternehmen auf diese Herausforderung reagieren?

Als Unternehmensverband wollen wir von der Öbu ergründen, welches der Business Case der Suffizienz ist.

Luxus der Verschwendung?

Ist die Vernichtung von zirka der Hälfte der produzierten Lebensmittel ein Luxus? Ginge es uns nicht besser, wenn uns der Genuss der frischen Brötchen nicht mit dem schlechten Gewissen über die unglaubliche Verschwendung vergällt würde? Schmeckt das Essen schlechter, wenn die Lampe, die uns das stimmungsvolle Licht gibt, viel weniger Energie verbraucht und die ungenutzten Kinder-, Gäste- und Badezimmer während des Essens ganz dunkel sind? Wir verschwenden heute soviel Energie und Rohstoffe, dass ohne jeglichen Verzicht schon sehr viel erreicht werden kann.

Weniger ist mehr!

Und wenn das immer noch nicht reicht: Dann gibt es noch diverse Bereiche, wo weniger tatsächlich auch mehr ist. Ein gutes Beispiel ist das Basler Architekturbüro Blaser: Die 45 dort tätigen Architekten, die vor allem städtische Projekte betreuen, sind alle mit dem Fahrrad unterwegs. Dies in erster Linie aus Effizienzgründen, da kein anderes Verkehrsmittel dieselbe Flexibilität bietet - aber mit dem willkommenen Effekt der Nachhaltigkeit. Darüber wird Firmenchef Christian W. Blaser als Referent am «Forum Ö» vom 10. und 11. Mai in Winterthur mehr erzählen. Thema dieses von der Öbu jährlich organisierten Events ist heuer die Suffizienz als attraktives Geschäftsmodell in den verschiedensten Branchen (>siehe weiterführende Links).

Es geht darum, gemeinsam Wege zu finden, wie das Gespenst «Suffizienz» seinen Schrecken verliert und zu einem freundlichen Geist wird. Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind herzlich eingeladen mitzudenken.

(Gastautorin Gabi Hildesheimer/ETH-Klimablog)

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Diesen Blogbeitrag hat Mischa Werner gemeinsam geschrieben mit Daniel Sutter. Beide sind Doktoranden am Laboratorium für Trennprozesse der ETH Zürich.
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Wissen aus erster Hand

Der ETH-Klimablog nimmt die aktuelle Debatte zum Klimawandel auf. Er bietet eine Plattform für die breite Öffentlichkeit wie auch für Fachleute. 20 Professorinnen und Professoren schreiben zu verschiedenen Wissensgebieten und thematisieren auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Prominente Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Studierende tragen mit eigenen Beiträgen zur Diskussion bei.

Lesen Sie weitere Beiträge und diskutieren Sie mit auf: www.klimablog.ethz.ch

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