Georgien: Fussball als Ablenkung zum grauen Alltag
publiziert: Freitag, 6. Sep 2002 / 15:09 Uhr

Basel - Zum fünften Mal nehmen Georgiens Fussballer an einer EM- oder WM-Ausscheidung teil. Qualifiziert für ein Endrundenturnier hat sich der Startgegner der Schweiz noch nie, doch dank des Nationalteams schafften viele den Sprung in den goldenen Westen.

Der Anschlag auf das Verbands-Gebäude in Tiflis am vergangenen Samstag, bei dem glücklicherweise nur Sachschaden entstand, ist das letzte Glied einer langen Kette von Negativ-Ereignissen, die den georgischen Fussball erschütterten. Vor rund drei Jahren wurde der vor wenigen Wochen wieder gewählte Verbands-Präsident Merab Schordania in seinem Büro überfallen und erlitt schwere Kopfverletzungen. Im Frühjahr 2001 verschleppten Entführer den Bruder des georgischen Internationalen Kaka Kaladse und forderten ein Lösegeld von rund einer Million Franken. Weil dieses nicht bezahlt wurde, fehlt seither von den Entführern und ihrem Opfer jede Spur.

Diese nicht abreissende Serie überrascht nicht. Seit der Unabhängigkeit und dem Zerfall der Sowjetunion vor über zehn Jahren ist das Land unter Staatspräsident Eduard Schewardnadse von einer Krise in die nächste gerutscht. Das Verhältnis zu Moskau ist wegen des laschen Vorgehens gegen die tschetschenischen Rebellen angespannt. Die Wirtschaft Georgiens ist bankrott. Die Korruption blüht und bietet idealen Nährboden für Anschläge, Überfälle und Entführungen.

In diesem Umfeld sind neben diversen Weinen nur Fussballer konkurrenzfähige «Exportgüter». Rund drei Dutzend georgische Fussballer verdienen ihr Geld im Ausland, 14 davon figurieren im Aufgebot gegen die Schweiz. Auch bei uns sind einige bestens bekannt: Michail Kawelaschwili (Luzern), Gocha Jamarauli (ex FCZ) und Captain Georgi Nemsadse (ex GC) spiel(t)en in der Nationalliga A.

Andere haben einen noch grösseren Schritt getan. Schota Arweladse stürmt für die Glasgow Rangers und war zuvor bei Ajax Amsterdam engagiert gewesen. Den Sprung in die Bundesliga schaffte das Trio des SC Freiburg: Alexander Iaschwili, der jedoch wegen einer Muskelverletzung in Basel nicht spielen wird, sowie Lewan Kobiaschwili und Lewan Zkitischwili sind Leistungsträger im Team von Volker Finke. Für alle ist das niveauarme heimische Championat weder sportlich noch finanziell reizvoll, denn potente Klubs wie sie in anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion zu finden sind (Spartak Moskau, Lokomotive Moskau, Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk), gibt es in der Schwarzmeer-Republik nicht.

Zu den Legionären gehört auch Kaladse, der sich bei Milan einen Stammplatz erkämpft hat. Der Verteidiger ist gegen die Schweiz erst zum zweiten Mal wieder dabei, nachdem er wegen der Entführung seines Bruders das Nationalteam boykottiert hatte. Kaladse hat erkannt, dass er durch sein Verhalten seinen Bruder auch nicht erlösen konnte. Deshalb liess er sich von Trainer Alexander Schiwadse zum Comeback überreden.

Dieses misslang indes beim 0:3 in der Türkei vor wenigen Wochen gründlich. Ungewöhnlich war das Resultat nicht, denn auswärts tun sich die Osteuropäer schwer. Nur dreimal gewann Georgien in den letzten viereinhalb Jahren auf fremdem Terrain. In der EM- Qualifikation 2000 gab es auswärts sogar ausschliesslich Niederlagen.

Dennoch darf die Equipe nicht unterschätzt werden. Die «Brasilianer Osteuropas» (Zitat Erich Vogel) wurden in der Ausscheidung zur letzten WM in der Gruppe 8 hinter Italien und Rumänien Dritte, derweil sich die Schweiz in ihrer Poule mit Rang 4 begnügen musste.

(ms/sda)

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