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Gesundheitswesen: Hohe Qualität, hohe Kosten, viele Tabus, viel zu tun
publiziert: Montag, 11. Okt 2010 / 10:45 Uhr
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Was kostet ein Spitalaufenthalt? (Symbolbild)
Was kostet ein Spitalaufenthalt? (Symbolbild)

Die Frage der Woche Lautet: Die Krankenkassenprämien wachsen unvermindert. Wie kann unser Gesundheitswesen Reformiert werden, so dass es nicht unerschwinglich wird? Heute der Beitrag von Brenda Mäder, der Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz.

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Während sich Parlament und Bundesrat über lange Zeit gegenseitig für weitreichende Reformen blockieren, steigen die Gesundheitskosten munter weiter. So haben sich die Kosten unseres Gesundheitssystems in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Dabei ist zu sagen, dass die Versorgung erstklassig, die Qualität sehr hochstehend und das Gesundheitswesen ein potenter Arbeitgeber ist. Allerdings hat Qualität seinen Preis und der Zusatznutzen, der durch die momentanen Preissteigerungen generiert wird, wird je länger, desto kleiner.

Im Gesundheitswesen zeigen sich einige Anreizprobleme. So ist nachfrageseitig, also bei den Patienten, kaum jemandem klar, wie viel die bezogenen Leistungen kosten. Das führt zu einer Art «Vollkaskomentalität»: Die Prämien sind bezahlt und frassen einen guten Teil vom Lohn auf; jetzt soll auch fürs Geld auch etwas geboten werden. Natürlich will ich nicht jedem Patienten eine solche Mentalität unterstellen. Vielfach gehen die Patienten verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit und kostenbewusst mit der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen um. Sie werden leider kaum belohnt - ein weiterer Nachteil.

Die Entwicklung hin zu Managed Care ist ein Lichtblick. Wenn die Patienten besser geführt, ihr Case also besser gemanagt wird, wird gezielter behandelt und die Kosten werden nicht aus den Augen verloren. Jedoch wissen erst wenige, was Managed Care genau bedeutet und was die Vorteile sind. Hier ist noch viel an Aufklärungsarbeit zu leisten.

Weiter existieren einige Tabus in der Diskussion ums Gesundheitswesen. Eines ist dabei die Anzahl Spitäler, ein weiteres der Leistungskatalog. Bezüglich der Spitaldichte sind sich die Experten meist einig: Wir könnten mit weniger als 320 Spitälern auskommen. Da allerdings die Kantone an den Spitälern mitverdienen, sie teilweise besitzen und mitfinanzieren, besteht kaum Interesse daran, mit weniger Spitälern zu operieren. Kantonale Regierungen haben oft auch Respekt vor der Diskussion, da Arbeitplätze im Kanton damit zusammenhängen. Es ist zu hoffen, dass die neue Spitalfinanzierung einiges an Effizienz bringt.

Für eine effizientere Spitallandschaft sollte zudem dringend der Entscheid fallen, wo welche Kompetenzzentren entstehen. Schliesslich arbeitet ein Spital besser und kostengünstiger, wenn die gleiche Operation 500 Mal und nicht nur 40 Mal pro Jahr ausgeführt wird.

Beim Leistungskatalog dreht es sich um die grundsätzliche Frage, was alles die Grundversicherung zu leisten hat. Die Krankenversicherung wäre dafür gedacht, dass jeder sich eine Behandlung leisten kann, die er ohne das Kollektiv nicht bezahlen könnte. Die Prämie wird bezahlt, weil es jeden treffen und er eine solche Krankheit bekommen könnte. Momentan bezahlt das Kollektiv aber für alle Behandlungen, die teilweise Richtung Überversorgung gehen. Mit der Aufnahme der Komplementärmedizin vor rund eineinhalb Jahren zeigte sich leider der Trend: Weg vom Versicherungsprinzip, hin zum Selbstbedienungsladen.

(Brenda Mäder/news.ch)

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