Symptome wie bei Posttraumatischer Belastungsstörung möglich
Gewalt-News in sozialen Netzen traumatisieren
publiziert: Montag, 11. Mai 2015 / 19:21 Uhr
Ein direktes Erleben eines Unglücks ist gar nicht nötig um eine posttraumatische Belastungsstörung zu bekommen.
Ein direktes Erleben eines Unglücks ist gar nicht nötig um eine posttraumatische Belastungsstörung zu bekommen.

Liverpool - Wenn Nutzer im Social Web mit Nachrichten voll Gewalt konfrontiert werden, kann das traumatisieren. Das hat eine Studie der Psychologin Pam Ramsden von der University of Bradford ergeben.

Allein die äusserst lebensnahe Darstellung von Amokläufen oder Anschlägen kann demnach zu Symptomen führen, die einer Posttraumatischen Belastungsstörung ähneln. Bei fast einem Viertel der Studienteilnehmer hatten Gewalt-News auf Facebook und Co derart dramatische Auswirkungen.

Gefährliche Neuigkeiten

"Soziale Medien haben ermöglicht, dass die Öffentlichkeit brutale Storys und anschauliche Bilder in ungefilterter, schrecklicher Detailform ansehen kann", so Ramsden. In den vergangenen Jahren haben Enthauptungs-Videos auf Facebook für Schlagzeilen gesorgt. Auch bei Amokläufen an Schulen oder Selbstmordanschlägen können viele Menschen dank sozialen Netzen fast wie live dabei sein. Das hat erschreckend oft dramatische Folgen für diese Nutzer, wie Ramsdens Studie mit 189 Teilnehmern ergeben hat.

Wenn Personen Schreckliches erleben, führt das oft zu einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Doch ein direktes Erleben ist offenbar gar nicht nötig, wie die Studie zeigt. Die Teilnehmer wurden dazu befragt, wie sie die 9/11-Anschläge und andere nachrichtenrelevante Schreckensereignisse, beispielsweise Selbstmord-Bombenattentate, in sozialen Medien und allgemein online erlebt haben.

Hohe PTBS-Ergebnisse

Die Analyse hat ergeben, dass 22 Prozent der Befragten bei klinischen Kriterien für PTBS hohe Werte erreicht haben, obwohl sie kein persönliches Trauma erlebt hatten und auch bei den Schreckensereignissen nur via sozialer Medien dabei waren. "Es ist ziemlich beunruhigend, dass fast ein Viertel derer, die diese Bilder gesehen haben, bei klinischen Werten für PTBS hoch punkten", meint Ramsden.

Besonders gefährdet waren der Studie zufolge einerseits Personen, die sich Gewaltereignisse besonders oft angesehen haben, aber auch kontaktfreudige, extrovertierte Menschen. "Angesichts des immer breiteren Zugangs zu sozialen Medien und dem Internet dank Tablets und Smartphones, müssen wir sicherstellen, dass Personen sich der Gefahren des Betrachtens solcher Bilder bewusst sind und es geeignete Unterstützung für jene gibt, die sie benötigen", mahnt die Psychologin.

(fest/pte)

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