Willkürliche Hinrichtungen
Gewalt in Burundi schürt Furcht vor Bürgerkrieg
publiziert: Sonntag, 13. Dez 2015 / 14:24 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 13. Dez 2015 / 14:56 Uhr
Burundi: Angreifer wollten Ausrüstung der Armee stehlen, um damit Gefangene zu befreien. (Symbolbild)
Burundi: Angreifer wollten Ausrüstung der Armee stehlen, um damit Gefangene zu befreien. (Symbolbild)

Bern - Bei einer blutigen Welle der Gewalt im ostafrikanischen Burundi sind seit vergangenem Freitag mindestens 87 Menschen getötet worden. Augenzeugen sprechen von Hinrichtungen - und warnen vor einem neuen Bürgerkrieg.

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Bewaffnete Gruppen hatten in der Hauptstadt Bujumbura mehrere Militäreinrichtungen angegriffen. Dabei seien auch vier Soldaten und vier Polizisten ums Leben gekommen, sagte ein Militärsprecher. Etwa 45 Angreifer seien gefangen genommen und rund 100 Waffen sichergestellt worden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) reagierte schockiert auf Berichte, wonach Sicherheitskräfte gezielt Jagd auf junge Menschen gemacht haben sollen, die als regierungskritisch eingestuft worden seien.

Die Organisation forderte am Sonntag, das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte müsse eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen. Bei einer am Donnerstag geplanten Sondersitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen solle ein entsprechendes Mandat erteilt werden, so die GfbV.

Offenbar willkürliche Hinrichtungen

«Augenzeugenberichte deuten auf willkürliche Hinrichtungen von jungen Menschen durch staatliche Sicherheitskräfte hin», sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. «Dringend müssen diese schweren Vorwürfe zeitnah untersucht und die eilig verscharrten Leichname der Getöteten exhumiert werden.» Nur so könnten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und eine weitere Eskalation der Gewalt verhindert werden.

Der UNO-Sicherheitsrat hatte am Freitagabend (Ortszeit) in New York aufgerufen, die Gewalt umgehend zu beenden, Zivilisten zu schützen und das Klima der Straflosigkeit zu beenden. Die Regierung und alle politischen Akteure sollten umgehend einen Dialog aufnehmen, um weitere Gewalt zu verhindern.

Das arme Land versinkt im Chaos, seit Präsident Pierre Nkurunziza im April angekündigt hatte, entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Im Juli war er bei einer von der Opposition boykottierten Wahl in seinem Amt bestätigt worden. Die Bevölkerung ist wütend. Bewaffnete Gruppen sind im Einsatz, um den Rücktritt des Staatschefs zu erreichen.

Dutzende Leichen entdeckt

Am Freitag waren den ganzen Tag über Schüsse und Explosionen zu hören, die Menschen verschanzten sich in ihren Häusern. Den Angaben zufolge wollten die Angreifer Ausrüstung der Armee stehlen, um damit Gefangene zu befreien. Ein Aktivist berichtete, bei Razzien hätten Polizisten unbeteiligte Zivilisten erschossen, die nichts mit den Attacken zu tun gehabt hätten.

Zuvor hatte es bereits geheissen, in zwei Vierteln in Bujumbura seien Dutzende Leichen entdeckt worden. Die meisten der Toten hätten Schusswunden aufgewiesen. Es werde angenommen, dass sie hingerichtet worden seien.

Bei Zusammenstössen mit der Polizei sind in den vergangenen acht Monaten Hunderte Menschen getötet worden. Die GfbV zitierte UNO-Angaben, wonach mehr als 370 Menschen ums Leben gekommen sind. 220'000 weitere sollen aus dem kleinen Land mit nur zehn Millionen Einwohnern geflohen sein.

«Die jüngste Gewalt wird den Massenexodus vieler um ihr Leben fürchtender junger Menschen schüren», warnte Delius. Die Angst vor einem Bürgerkrieg habe an diesem Wochenende massiv zugenommen.

In Burundi war erst vor einem Jahrzehnt ein verheerender Bürgerkrieg zwischen der Hutu-Mehrheit und der Tutsi-Minderheit mit 300'000 Toten zu Ende gegangen.

(asu/sda)

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schnell möglich, dass diese Geschichte ausgeht wie in Ruanda 1994. Die beteiligten Stämme sind nämlich dieselben.
Damals in Ruanda hat sich die UNO nicht mit Ruhm bekleckert. Der Blauhelm-Mission unter dem kanadischen General Dallaire wurde spezifisch untersagt, sich gegen den einsetzenden Massenmord zu stellen. Die etwa 2000 Soldaten durften sich nur selbst verteidigen. Das obwohl zwei französische Fallschirmspringer-Kompanien gereicht hatten, um in den Jahren vorher die Rwandan Patriotic Front (Tutsi's) aus dem Land zu drängen.
Es sei noch gesagt, dass die Menschen aus diesem armen Land kein Geld haben, um Schlepper zu bezahlen. Ohne Schlepper geht für Schwarzafrikaner durch die arabisch dominierten Mittelmeer-Anrainerstaaten nämlich nichts.
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