Gewerkschaften: Kampf über Klassen hinweg zeigt Früchte
publiziert: Dienstag, 6. Jan 2004 / 11:20 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 6. Jan 2004 / 14:35 Uhr

Zürich - Der Stellenabbau auf dem Werkplatz Schweiz hat die Gewerkschaften letztes Jahr zwar ins Mark getroffen. Dennoch konnten sie die Mitgliederverluste mit dem Angriff auf neue Zielgruppen mehr als wett machen.

Der Zulauf lässt sich nicht mit den Streiks erklären, sie blieben rar wie in den Vorjahren.
Der Zulauf lässt sich nicht mit den Streiks erklären, sie blieben rar wie in den Vorjahren.
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Neue Töne zwischen den Sozialpartnern im Abbaujahr 2003: "Unsere Streikkasse ist prall gefüllt, wir können uns einen langen Streik leisten", drohte André Daguet, Vize-Präsident der Gewerkschaft SMUV, während des Streiks der Zyliss-Angestellten.

"Die Gewerkschaften sehen ihre Aufgabe zunehmend im ideologischen Klassenkampf und gehen auf die Strasse", kritisierte Peter Edelmann, Präsident des Arbeitgeberverbandes Viscom, Wochen vor den an diesem Dienstag startenden Verhandlungen für den neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) im grafischen Gewerbe.

Neue Kampfmittel

Bedeutet dies das Ende des viel gelobten Schweizer Sozialfriedens? "Nein, der Sozialfrieden steht nicht auf dem Spiel", sagt Arbeitgeberdirektor Peter Hasler. Weiterhin würden regelmässig über 1000 GAV erneuert und Streiks blieben rar.

Dennoch habe sich die Sprache generell zugespitzt, findet Hasler. Seine Erklärung: "Wo es weniger zu verteilen gibt, wird es für beide Seiten schwieriger." Ein Beispiel für diese Zuspitzung habe Viscom geliefert. Hasler: "Waren es früher nur die Gewerkschaften, die mit ihren Forderungen an die Öffentlichkeit traten, greifen jetzt auch die Arbeitgeber zu solchen Mitteln." Die Gewerkschaften ihrerseits sind der Ansicht, sie seien selbstbewusster geworden. "Der Ton hat sich dort verschärft, wo sich die Arbeitgeber entweder nicht an Abmachungen gehalten haben oder Arbeitsbedingungen verschlechtert werden sollen", führt SGB-Sekretär Serge Gaillard aus.

Nachdem die Arbeitnehmerorganisationen bereits im Vorjahr den Mitgliederschwund während der Boomjahre bremsen konnten, hätten sie im 2003 erneut mehrheitlich zugelegt. Der Zulauf lässt sich nicht mit den Streiks erklären, sie blieben rar wie in den Vorjahren. "Es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass Gewerkschaften von einem Konjunkturtief profitieren", sagt syna-Präsident Max Haas.

Neue Zielgruppen

Damit aber am Ende ein Wachstum resultierte, mussten angesichts des massiven Stellenabbaus selbst Gewerkschaften, welche in schrumpfenden Branchen tätig sind, deutliche Neuzugänge verzeichnen.

Tatsächlich wurden im Falle des KV Schweiz 2003 rund 6000 Austritte durch 7000 Neuzugänge kompensiert. Der hauptsächlich in der rückläufigen Finanzbranche aktive Verband profitiere von der Erschliessung neuer Firmen wie etwa Privatbanken, erklärt Zentralsekretärin Susanne Erdös. Attraktiv sei der KV aber auch vermehrt für Junge und Frauen.

Die Gewerkschaften sind in Bewegung: Eine hohe Fluktuationsrate weist auch die Gewerkschaft Kommunikation auf. Wenig überraschend schrumpfte die Zahl der Mitglieder aus Swisscom und Post parallel zum Abbauprozess dieser Unternehmen. Doch die Gewerkschaft Kommunikation hatte während des Liberalisierungsprozesses den Abbau bei den ehemaligen Staatsbetrieben nicht nur scharf kritisiert. Sie setzte auch gleichzeitig einen Fuss in die Tür der privaten Anbieter.

Im fünften Jahr nach dem Ende des PTT-Monopols gewann die Gewerkschaft 250 neue Mitglieder von den privaten Telekomanbietern wie Orange und Tele2. Auch von den privaten Konkurrenzfirmen der Post kamen 50 Neue an Bord.

Dies ist laut Giorgio Pardini, Sprecher der Gewerkschaft Kommunikation, eine erste Etappe auf dem Weg zur Branchengewerkschaft. Der Organisationsgrad bei den Privaten solle 2004 weiter steigen. "Erst jetzt haben wir genügend Kapazitäten, um die Leute anzuheuern", so Pardini.

(Claudia Laubscher/sda)

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