Gigantische Grabung in Köln
publiziert: Dienstag, 6. Apr 2004 / 10:29 Uhr

Köln - Suche nach vergessene Rheinstädter: Auf gut 20 000 Quadratmetern Innenstadt-Fläche werden Archäologen vom kommenden Sommer an in Köln rund 120 000 Kubikmeter Erdreich akribisch durchforschen.

Kölner Stadtansicht.
Kölner Stadtansicht.
Bis zu 13 Meter mächtige Fundschichten aus sieben Jahrtausenden zwischen Jungsteinzeit und Preussen-Ära müssen innert vier Jahren mit Pinsel und Spachtel abgetragen werden.

Für die erwarteten "gigantischen Fundmengen" aus den Eingeweiden der seit zwei Jahrtausenden besiedelten Rhein-Metropole ist eine ganze Etage des Museumsdepots frei geräumt, schildert der Kölner Archäologe Marcus Trier.

Rettung vor der U-Bahn

Als Projektleiter hat der 42-Jährige die auf 15 Millionen Euro geschätzten Grabungen seit Jahren vorbereitet. Ein knappes Dutzend Ausgräberteams, die je 18 Monate buddeln, wollen wissenschaftlich wie ökonomisch sinnvoll eingesetzt und koordiniert werden.

Schon jetzt blickt die internationale Fachwelt gespannt auf die Kölner Mega-Grabung, die - zusammen mit dem Athener U-Bahnbau und der Erforschung des Grand Louvre in Paris - zu den grössten innerstädtischen Archäologie-Kampagnen des Kontinents gehören wird.

Grund für das Projekt, das etwa zwanzig Mal so umfangreich ist wie Innenstadt-Grabungen üblicherweise: Kölns Verkehrsbetriebe planen bis 2010 eine neue U-Bahntrasse. An elf künftigen Haltestellen durchstossen die Bauarbeiten "das Bodendenkmal Köln", beschreibt Marcus Trier.

Auch für Klimatologen

Prof. Hansgerd Hellenkemper, Chef der Kölner Bodendenkmalpflege, legt bei der "wunderbaren wissenschaftlichen Herausforderung" Wert auf die Verknüpfung möglichst vieler Fachdisziplinen bis hin zur Klimatologie: So sei man auf der "grandiosen Spur" einer schon im Grönlandeis nachgewiesenen kontinentalen Klimakatastrophe vor 1800 Jahren.

Die beim U-Bahnbau künftig angeschnittenen Ablagerungen im Römerhafen Kölns, der in der Antike ganz plötzlich verlandet ist, können nach Einschätzung Hellenkempers möglicherweise weitere Auskunft über den Hergang geben. Das Gesamtprojekt sei aber schon jetzt absehbar "ein Paradebeispiel zur Erforschung der Siedlungsgeschichte einer europäischen Metropole".

Vom Kloster bis zur Kaserne

Das antike Hafentor als bedeutendes Baudenkmal wird von der Trasse ebenso berührt wie der Römerhafen ("Wir werden wahrscheinlich Schiffsreste finden."), riesige Tempel-Unterbauten im damaligen Nobelviertel ebenso wie der frühmittelalterliche Marktplatz.

Reste eines Augustinerklosters liegen am Weg, dann folgt wenige U-Bahnstationen weiter die völlig untergangene Umwehrung der Stadt von 1106. Die massive Stadt-Mauer von 1180 kommt den Stadt-Archäologen genauso vor den Spaten wie eine preussische Artillerie-Bastion im Süden der Kölner City.

Auch wenn die Kölner U-Bahnen längst durch die ihre neue geschichtsträchtige Trasse flitzt, ist sich Archäologe Marcus Trier ganz sicher, "werden aus unserer Grabung noch viele Doktorarbeiten entstehen".

(Von Gerd Korinthenberg/dpa)

 
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