Goldmine Irak: US Firmen lachen sich ins Fäustchen
publiziert: Freitag, 28. Mrz 2003 / 08:11 Uhr / aktualisiert: Freitag, 28. Mrz 2003 / 08:31 Uhr

Washington/Brüssel - Für so manches US-Unternehmen erweist sich der Irak-Krieg bereits als Goldmine: Schon jetzt haben sie lukrative Aufträge für den Wiederaufbau auf sicher.

Screenshot der Halliburton Website.
Screenshot der Halliburton Website.
Weiterführende Links zur Meldung:

www.ssofa.com
Stevedoring Services of America (SSA) hat sich Logistik Aufträge unter den Nagel gerissen.
www.ssofa.com

www.halliburton.com
Halliburton hat Bush massgeblich mit Wahlkampfgeldern unterstützt.
www.halliburton.com

www.usaid.gov
USAID Informationen zu der laufenden humanitären Unterstützung in Irak.
www.usaid.gov/iraq/

In den kommenden drei Jahren wird für Entwicklungsarbeiten nach Schätzungen des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP ein Topf von 30 Mrd. Dollar (gut 28 Mrd. Euro) bereitstehen. Im Wettstreit um diese Gelder werden europäische Unternehmen aller Voraussicht nach den Kürzeren ziehen.

Bewerbung nicht berücksichtigt

Die ersten acht Grossaufträge hat die US-Entwicklungsagentur USAID bereits ausgeschrieben. Zwei von ihnen sind vergeben - an US-Firmen. Sechs weitere Zuschläge sollen in der kommenden Woche fallen.

Insgesamt stehen für diese ersten Projekte nach Presseberichten 900 Mio. Dollar bereit. Die Aufträge reichen von Strassenbau bis hin zur medizinischen Versorgung.

"Nicht-amerikanische Firmen sind davon nicht ausgeschlossen", erklärt USAID. Allerdings liege für die acht laufenden Projekte bereits eine "genügend grosse Zahl von US-Bewerbungen vor", heisst es.

Dass europäische Firmen systematisch benachteiligt werden, bekommen auch britische Unternehmen zu spüren. Dies obwohl Soldaten ihres Landes Seite an Seite mit der US-Armee kämpfen.

Der britischen Schiffs- und Logistikgesellschaft P&O wurde nach eigenen Angaben lapidar mitgeteilt, ihre Bewerbung habe nicht berücksichtigt werden können.

Frankreich und Deutschland im "off"

Die Kriegs-Gegner Frankreich und Deutschland sehen bereits ihre Felle davonschwimmen. Die französische Regierung forderte unisono mit dem Industrieverband Medef, die UNO müsse das "Herz von Wiederaufbau und Verwaltung" Iraks werden.

Auch der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, setzt auf die Vereinten Nationen: Er hofft, dass der Wiederaufbau ähnlich wie in Afghanistan im Rahmen einer internationalen Geberkonferenz beschlossen wird. Allerdings fürchten die meisten deutschen Firmen nach seinen Worten, leer auszugehen.

Aufträge ohne Ausschreibung zugeschoben

Im Moment führt an USAID als Auftraggeber kein Weg vorbei: Mit den ersten zwei Aufträgen in Höhe von insgesamt 11,9 Mio. Dollar bedachte sie die US-Logistikgruppe IRS (International Resources Group) und die Stevedoring Services of America (SSA).

Während die IRS für 7,1 Millionen Dollar Logistik bereitstellen soll, ist die SSA mit der 4,8 Millionen Dollar schweren Reparatur und Leitung des strategisch wichtigen Hafens von Umm Kasr in Südirak betraut.

Neben USAID hat sich nur die US-Armee als Auftraggeber betätigt: Sie vergab vergangenen Dienstag ohne Ausschreibung den Auftrag zur Löschung der brennenden Ölquellen in Südirak an eine Tochter der Halliburton-Gruppe. Politisch delikat, denn ihr Chef war bis zum Jahr 2000 kein anderer als Bush-Vize Dick Cheney.

"Äusserst verantwortlich"

Die EU-Kommission will nun möglicherweise prüfen, ob die Irak-Geschäfte nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO abgewickelt wurden.

Dagegen verteidigte US-Wirtschafts-Staatssekretär Alan Larson die Praxis in Brüssel: Die Auftragsvergabe sei "äusserst verantwortlich" verlaufen, betonte er. Es gehe schliesslich darum, der irakischen Bevölkerung schnell zu helfen. Es gehe ja nicht darum, wer vom Wiederaufbau profitiere.

Wahlspende für die Republikaner

Als merkwürdigen Zufall wertet es allerdings die US-Organisation Center for Responsive Politics, dass die an den aktuellen Ausschreibungen in Irak beteiligten Firmen bei den vergangenen beiden US-Wahlen insgesamt 2,8 Millionen Dollar an die Politik spendeten.

Es muss nachdenklich stimmen, dass mehr als zwei Drittel des Geldes an die republikanische Partei von US-Präsident Bush gingen. Unter den Gebern findet sich neben Firmen wie BTP Bechtel und Parsons auch der Energie-Konzern Halliburton. Alleine er spendete für Bushs Wahlkampagne fast 18 000 US-Dollar.

(Claire Gallen/sda)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -4°C 3°C wolkig, wenig Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Basel 0°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen -1°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Bern -2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern -3°C 4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Genf 0°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 3°C 5°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten