Google: Zu gross, zu reich, zu neugierig
publiziert: Sonntag, 7. Sep 2008 / 16:55 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 7. Sep 2008 / 21:38 Uhr

Millionen von Anwendern schätzen heute die Qualität und Nützlichkeit der Google-Dienste und können sich ein Online-Leben ohne Google kaum vorstellen. Doch was unzählige Internet-Nutzer fasziniert, löst bei manchen von ihnen auch Ängste aus.

Das Google-Universum: Faszination und Ängste.
Das Google-Universum: Faszination und Ängste.
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Kritiker warnen vor einem Wissensmonopol des Konzerns und dem Missbrauch der von Google gespeicherten Daten. «Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker», sagt Max Mühlhäuser, Professor an der TU Darmstadt.

«Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon quasi 'eingebaut'. Die Kartellbehörden sollten spätestens jetzt Googles Verhalten genauestens überwachen», sagt Mühlhäuser.

Der Professor stört sich vor allem an einer mangelnden Offenheit des US-Konzerns. «Google ist einerseits eine hochinnovative Firma, die die IT-Branche nach vorne peitscht. Andererseits ist mir als Informatiker in 25 Jahren kein Unternehmen begegnet, das eine so konsequente Abschottungspolitik betrieben hätte», sagt der Wissenschaftler.

Google beteilige sich bewusst nur minimalistisch am weltweiten Austausch von Forschungsergebnissen. «Von Google angeworbene Mitarbeiter - ehemalige Kollegen oder Absolventen - verschwinden förmlich in einem schwarzen Loch, was die fachliche Kommunikation angeht.»

Kritik am Datenschutz

Die Kritik betrifft aber auch direkt die Google-Dienste: So klagt die Organisation Privacy International, dass Google massiv den Datenschutz unterlaufe. Besonders kritisch sei etwa, dass Google den Text von E-Mails in Googlemail auswertet, um kontextbezogene Werbung zu platzieren.

«Google verstösst mit diesem Dienst gegen mehrere europäische Datenschutzbestimmungen», sagt Simon Davies, Director von Privacy International. Der Internetkonzern weist dies zurück.

Kritiker wie der österreichische Journalist Gerald Reischl, Autor des Buches «Die Google-Falle», sehen allein in der schieren Masse der Daten, die der Internetgigant auf seinen Servern speichert, ein Problem. «Google ist dabei, der weltweit grösste Herausgeber, Händler und Archivar von Informationen zu werden.»

Zensur

Ausserdem erlaube Google Regierungen und Militärs, Ergebnisse der Suchmaschine zu zensieren, sagt Reischl. Mit dem chinesischen Dienst google.cn biete Google eine regierungsfreundliche Suchmaschine an, in der beispielsweise neutrale Informationen zum Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking unterdrückt würden.

Google betont in diesem Zusammenhang, dass das Sperren von Inhalten zwar der Firmen-Richtlinie «Tue nichts Böses» widerspreche, dass aber ein Rückzug aus China für die Bevölkerung noch negativere Folgen habe.

Besonders kritisch bewerten Datenschützer die jüngsten Vorstösse von Google in den milliardenschweren Gesundheitsmarkt. «Google ist kein Doktor, aber viele Menschen kommen zu uns, um nach Gesundheitsthemen zu suchen», begründete vor einem Jahr Google- Managerin Marissa Mayer den Einstieg.

Unter «Google Health» organisiert der US-Konzern inzwischen nicht nur die Suche nach Themen wie Allergien oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Auf der Site kann man in den USA nach Ärzten in der Umgebung suchen und sogar seine eigenen Krankenakten, Verschreibungen und Testergebnisse auf die Google-Server laden.

Datenschützer schlagen bei diesem Gedanken die Hände über dem Kopf zusammen. «Das ist der Wilde Westen im Online-Format», sagte die Psychiaterin Deborah Peel, die den Patienten-Schutzverband PatientPrivacyRights.org gegründet hat.

(li/sda)

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Der gläserne Mensch
Wenn nicht Google, so ein anderers Unternehmen. Ausserdem geht das überall in der Industrie so - ist eine Firma erfolgreich wächst sie, manchmal so sehr, dass sie irgendwann in Teile zerfällt.

Dem Giganten soll auf die Finger geschaut werden, ihn zu "mysthifizieren" ist kontraproduktiv. Das führt schnell mal zu Paranoia und Verschwörungstheorien. Andere Firmen mischen nämlich kräftig mit. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, Information ist eine wertvolle "Ware" wie anderes auch. Nicht dies ist das Problem, sondern die Verwendung der Daten. Und wir liefern diese ja freiwillig und fleissig an: füllen on-line Formulare aus, machen bei Wettbewerben und in Blogs mit, hinterlassen "Spuren" bei unseren Streifzügen durchs Netz.

Der durchsichtige Mensch war mal ein Schlagwort - er wird langsam zur Realität. In der Schweiz gibt es ähnliche Bestrebungen, Krankengeschichten in elektronischer Form, Gemeinden und Schulen ans Netz. Flächendeckende Netz-Zugänge. Dass dadurch auch Probleme entstehen und unliebsame Entwicklungen ist nicht wirklich erstaunlich. Und dass mit Daten gehandelt wird ist auch keine neue Erkenntnis.
Vielleicht unterschätzen wir auch die Tragweite der Digitalisierung, vielleicht sind wir schon mitten in einer "virtuellen" Revolution. Stoppen können wir die Entwicklung ja nicht, ist das Können und Wissen erst in der Welt lässt es sich nicht zurück in die Tube pressen ;-).

Es ist wie überall ein gegenseitiger AUstauch - wir können die Internet -Dienste und Inhalte, die Informationen nicht nur gratis nutzen, hinter den Dienstleistungen wird ja gearbeitet, wie soll dies denn finanziert werden wenn nicht durch Werbung und sonstiges e-Business? Im Moment bezahle ich dafür mit dem täglichen Ärger beim Löschen von SPAM :-). Man sollte die "Google-Macht"" nicht verteufeln.. Denn auch da stellt sich die Frage - wem nützt das Schüren der Angst, wer sind die ANgstmacher?
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