Google züchtet sich Konkurrenten heran
publiziert: Montag, 4. Jun 2012 / 17:29 Uhr / aktualisiert: Montag, 4. Jun 2012 / 19:59 Uhr
Die Sorge um Privatssphäre lässt User nach Alternativen zu Google suchen.
Die Sorge um Privatssphäre lässt User nach Alternativen zu Google suchen.

Mountain View - Kleinere Suchmaschinen wie Blekko oder DuckDuckGo verzeichnen seit Jahresbeginn beinahe exponentielles Wachstum, wie Technology Review berichtet.

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Experten führen die Häufung der Suchanfragen bei kleinen Anbietern auf die Änderungen am Angebot von Marktführer Google zurück. Die mediale Berichterstattung über Änderungen an Googles Suche verstärkt das Wachstum von alternativen Services.

Vor allem die Sorge um die Privatsphäre und die Beeinträchtigung der Google-Suche durch Google+Ergebnisse treibt einige Nutzer in die Arme der Konkurrenz. Noch ist die Zahl der Nutzer von alternativen Suchmaschinen im Vergleich zum Branchen-Primus aber trotz des enormen Wachstums verschwindend gering. Das Geschäft mit auf Suchbegriffe zugeschnittener Werbung ist aber so lukrativ, dass auch kleine Marktanteile gute Umsätze ermöglichen.

Zu viel Kommerz

«User-Verschiebungen gehen schleichend voran, bis irgendwann der Tipping Point erreicht ist. Google wird noch lange die dominante Kraft am Markt sein. Der Konzern muss trotzdem aufpassen. Eine zu starke Kommerzialisierung könnte die User vergraulen. User aus einem linken, alternativen Umfeld reagieren da am sensibelsten, der Rest könnte folgen», sagt Olaf Kopp von SEM Deutschland gegenüber pressetext. Als grösste Gefahr sehe er aber eher eine eigene Facebook-Suche, nicht kleinere Konkurrenten. In vielen Teilen der Welt, wie Russland oder China, spiele Google schon jetzt eine untergeordnete Rolle, so der Fachmann.

Seit Anfang des Jahres hat Google in den USA mit «Search, plus Your World» seine Suchergebnisse «sozial» gemacht. Einige Nutzer sehen darin eine Verschlechterung der Qualität, vor allem da Inhalte von Social-Media-Krösus Facebook ignoriert werden. «In Deutschland spielt die Änderung keine grosse Rolle, da sie nur in Zusammenhang mit einem genutzten Google+Account relevant ist. Relativ wenige Leute sind bei G+ angemeldet und nutzen das Netzwerk aktiv. So kann keine Personalisierung der Suche erfolgen», sagt Kopp.

Auch die Änderung, die es Google seit Jahresbeginn erlaubt, die Nutzerdaten verschiedener konzerneigner Angebote zu verknüpfen, ist laut Kopp nicht das Problem. «Das ist meiner Meinung nach eine Generationsfrage. Vor allem Menschen über 40 machen sich Sorgen um ihre Daten», so der Experte. In absoluten Zahlen ist die Abwanderung von Google-Usern zur Konkurrenz deshalb auch überschaubar. Blekko hat Schätzungen zufolge rund 2,31 Mio. Unique User, DuckDuckGo 257.000. Google hat im selben Zeitraum 161 Mio. eindeutige Besucher, Bing immerhin 121 Mio. Nutzer.

Geringe Unterschiede

Das Wachstum ist dennoch beeindruckend. Die Zahl der täglichen Suchanfragen bei DuckDuckGo, das seine Nutzerstatistiken öffentlich zugänglich macht, hat sich seit Jahresbeginn auf mehr als 1,5 Mio. verdreifacht. Auch Blekko verzeichnet in diesem Zeitraum ähnlich hohe Wachstumsraten. «Die Ausschläge in den Wachstumskurven korrelieren mit dem Medienecho auf Änderungen in der Google-Suche», sagt Blekko-CEO Rich Skrenta. Er schreibt das Wachstum sehr wohl einem gestiegenen Bedürfnis nach Privatsphäre zu. Blekko anonymisiert Userdaten nach 48 Stunden, Google erst nach 18 Monaten. DuckDuckGo sammelt überhaupt keine IP-Adreessen.

Die Suchergebnisse der kleinen Anbieter werden immer besser. «Ich glaube, dass sich die ersten 50 Ergebnisse bei den bekannten fünf bis sechs Suchmaschinen nicht allzu stark unterscheiden. Google gibt die Richtung vor und entscheidet, was relevant ist, die anderen folgen. Der Hauptgrund für die Dominanz Googles ist die Gewöhnung. Viele Leute machen sich keine Gedanken über die Wahl der Suchmaschine und verwenden den Standard. Suchmaschinen kosten kein Geld, deshalb machen sich wenige Menschen die Mühe, eine Alternative zu suchen», so Kopp.

Noch ist Google in der westlichen Welt unangefochtener Marktführer. «Für uns ist professionell momentan keine andere Suchmaschine relevant. Würden wir vermehrt international arbeiten, wäre das anders. Im deutschsprachigen Raum ist Google für uns der Standard. In den USA beispielsweise ist der Marktanteil des Konzerns bei der Suche zuletzt gesunken und bewegt sich jetzt bei unter 70 Prozent. Das ist noch sehr viel, zu sicher sollte sich Google aber nicht sein», sagt Kopp.

 

 

(fest/pte)

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