Die Verkaufszahlen, so verlautet es aus den Kreisen der IFPI Schweiz, der Interessenvertretung der Tonträger-Produzenten, seien wieder eingebrochen – im letzten Jahr um mehr als 10%. Dabei werde mehr Musik als je zuvor konsumiert.
Zusammenfassung der EU-Pirateriestudie
Kurzzusammenfassung der Studie zur Piraterie
iccwbo.org
EU-Pirateriestudie in voller Länge
Die ganzen 68 Seiten der Studie - Englisch
iccwbo.org
Umsatzzahlen Tonträger Schweiz 2009
Die offiziellen Umsatzzahlen der IFPI Schweiz
ifpi.ch
Replik auf die Studie bei Torrentfreak
Kritik an den Methoden der Studie mit konkreten Beispielen
torrentfreak.com
Unterlegt wurde dieses heute Morgen in den Radio-Nachrichten gesendete Lamento des schweizerischen IFPI-Chefs von einem EU-Report, in dem behauptet wird, dass Internet-Piraterie 1,2 Millionen Jobs in der Unterhaltungsindustrie kosten würde. Es wird in diesem Report zum Beispiel behauptet, dass der Unterhaltungsindustrie durch Piraterie in jedem britischen Haushalt Verluste von £ 1200.-- entstünden.
Ist es also wirklich so schlimm? Ist die Musik-Industrie also ein unschuldiges Opfer von bösen Piraten? Je genauer man die Zahlen und Argumente anschaut, desto zweifelhafter werden die IFPI-Behauptungen und Studien.
Das beginnt damit, dass die letztjährigen Verluste einzig auf die Piraterie zurückgeführt werden. Die Rezession hat damit scheinbar nichts zu tun. Tourismus, Unterhaltungselektronik und Autoverkäufe (wo es keine Konjunkturprogramme gab) erlitten 2009 alle dramatische Einbrüche. Wurde dieses klitzekleine Detail irgendwie eingerechnet? Nein. Aber ist es denn nicht so, dass Geld, dass man nicht hat, nicht ausgegeben werden kann? Auch nicht für CDs. Ebenso wird ignoriert, dass der Niedergang der CD-Verkäufe seit Jahren Hand in Hand mit dem Aufstieg der DVD ging.
Die Argumente der Tonträger-Produzenten wurden in File-Share-Kreisen denn auch wie üblich sofort wieder angegriffen und zu einem guten Teil als einseitig und tendenziös gebrandmarkt. Doch selbst wenn man nur die Argumente der IFPI hört, muss einem irgendwann die totale Unfähigkeit dieser Organisation auffallen, bei sich selbst irgendeinen Fehler zu erkennen.
Wie gigantisch die Unfähigkeit der Musik-Industrie ist, zeigt sich ja schon an den eigenen Zahlen. Immer wieder wird betont, dass der Zuwachs der legalen Downloads nicht ausreiche, den Verlust bei den CDs auszugleichen. Das stimmt wohl, aber hier zeigt sich, was passiert, wenn eine Industrie es verpennt, einen Markt zu erschliessen. In fünf Jahren (vorher gab es für die IFPI Schweiz legale Downloads noch nicht), hat sich der Umsatz fast verachtfacht, und stieg im letzten Jahr alleine um 50% an. Geht man von einem weiteren Anstieg von 25% - 33% legaler Downloads pro Jahr aus (und der Schnitt der vergangenen Jahre war höher), würde der sich der Umsatz in 5 Jahren verdrei- bis vervierfachen. Ein Niveau, auf dem die Industrie schon jetzt sein könnte, hätte sie Downloads nicht jahrelang bekämpft, sondern schon im Jahr 2000 als Chance begriffen und nicht viele Downloader verjagt, die sie jetzt mühsam zurück gewinnen muss.
Doch die Musik-Industrie ist nicht lernfähig. Ein Blick auf Google könnte ihr vielleicht als Inspiration dazu dienen, wie Gratis-Musik-Downloads auf entsprechend gestalteten Sites Jugendliche anlocken und gleichzeitig Umsätze generieren könnten.
Ebenso gäbe es einen Markt für teurere Downloads für anspruchsvolle Musik-Hörer. Die CD ist nämlich schon lange nicht mehr der beste digitale Tonträger. Genauso wie es HD für den Fernseher gibt, gibt es auch HD für die Ohren. Wegen eines Formatkrieges (der, notabene, von der Industrie angezettelt worden war) scheiterte ein solcher Vorstoss im Tonträger-Markt. Als Download hingegen bieten kleine Labels schon erfolgreich Musik in Studio-Qualität an. Doch von den grossen ist noch nichts zu hören. Die solventen Besitzer audiophiler Anlagen warten immer noch auf ein gutes Angebot der Plattenfirmen.
Die Grabenkampf-Mentalität der IFPI schadet allen: Der Musik-Industrie, den Konsumenten und auch den Musikern. Ob dereinst eine Kultur-Flatrate auf Breitband-Anschlüssen eine Lösung bringen kann? Man wird es sehen.
Solange die schwindenden Erträge dafür verschwendet werden, den Erben toter Superstars 200 Millionen Dollar für alten Schrott zu bezahlen, kann es mit der Not der Musik-Industrie aber eh nicht so weit her sein.
(von Patrik Etschmayer/news.ch)
Wieso ich keine CD's mehr kaufe? Ich als früher P2P'ler wurde von der MI pauschal als Verbrecher betitelt, gleichzeitig musste ich lesen dass ich für meine mit Daten gefüllte CD nun Urheberrechtsabgaben zahlen muss. Genau das ist der Grund wieso ich keine CD's kaufe auch wenn sie leer sind.
Tobi
Für den Konsumenten jedenfalls ist es ja gut, das jetzt Alben "nur noch" 15.- oder 14.- kosten, meistens.
Auch einzelne Tracks zu kaufen macht mehr Sinn. Früher habe ich tonnenweise Maxi-CD's gekauft, meist für 9.- bis 13.- Franken. Jetzt kosten EP's in der Regel 4.- bis 7.-
Oder eben, man kauft nur ein Track, B-Seite oder Remix.
Da spart man halt schon, und da geht den Plattenfirmen halt wahrscheinlich auch Geld weg.
Na ja, solange die 2 bis 3 stellige Millionenvorschüsse an Acts verschleudern können, sollten sie mit jammern vorsichtig sein.
Robbie Williams mag ich es ja gönnen, aber was man da wieder über das Geld für den Jackson-Clan gelesen hat....
Habe davon bis heute nix davon gesehen - bis eben jetzt auf iTunes.
Das bedeutet, dass sich die Industrie die fetten Gewinne irgendwohin geschoben hat und jetzt fehlt das Zeugs in der Kasse, oder sie können sich nicht überwinden, vielleicht mal weniger Marge zu budgetieren. Dekadenz würd ich sagen.
Darum kommt auch so viel Sch**** aus den Studios.
Nee, alles ist ned schlecht, aber ich kaufe immer noch jene Künstler, die seit 20 Jahren schon dabei sind. Zwischendurch erfreue ich mich an Einzelnen, die sich nach grossem Potential anhören. Doch gefühlte 85% der Neuproduktionen (davon im Minimum 80% von gecasteten Gruppen oder "Sänger") ist einfach nur Schrott. Sorry.
Aber eben, über Kunst oder Nichtkunst lässt sich nicht streiten, wie eben über den Geschmack auch nicht.
Ich kaufe auch seit 3 Jahren nur noch über iTunes oder jetzt auch amazon.de die Musik.
Was mich wirklich wundert ist, das die Plattenfirmen jetzt behaupten, die CD Verkaufsrückgänge könnten nicht mit den legalen Downloads wettgemacht werden.
Hallo!? Eigentlich müssten die Plattenfirmen doch froh sein, keine Herstellungskosten für CD's mehr zu haben, keine Distributionskosten mehr usw.
Das verstehe ich nun überhaupt nicht.
Nuja, Leute wie mich, die mit kreativer und gut hergestellter Musik aufgewachsen sind, haben heute keine Lust, CD's mit Schrott aus den 20 Castingshows zu kaufen. Was soll ich damit? Und wenn mal so eine Künstlerin kommt und Hits komponiert, wird das Zeugs schlecht abgemischt. Wieso soll ich da ne CD kaufen bitteschön? Die Covers sehen eh alle gleich aus, also einmal im Netz bei Amazon anschauen reicht, kaufen muss ich das nicht. Und dann die Frechheiten mit den Kopierschutzmechanismen, wenn die CD im Auto nicht läuft. Das Zeugs bleibt im Laden. Punkt.
Kein Wunder gibt's ne 80er Show im Fernsehen. Ab den 90ern gings nur noch bachab.
Kaufen tu ich nur noch über iTunes, und zwar das wenige, das sich lohnt und das mir gefällt.
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