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Grandioser Federer steht in seinem 23. Grand-Slam-Final
publiziert: Freitag, 3. Jun 2011 / 21:45 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 5. Jun 2011 / 20:27 Uhr
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Roger Federer gewinnt nach über dreieinhalb Stunden und drei Matchbällen.
Roger Federer gewinnt nach über dreieinhalb Stunden und drei Matchbällen.

Roger Federer steht zum fünften Mal im French-Open-Final. Der Schweizer beendete im Halbfinal die fantastische Siegesserie von Novak Djokovic und spielt am Sonntag gegen Rafael Nadal um seinen 17. Grand-Slam-Titel.

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43 Matches hatte Novak Djokovic zuletzt in Folge gewonnen. Seit dem letzten November, als er Federer beim ATP-Finale unterlag, marschierte er mit scheinbarer Leichtigkeit von Sieg zu Sieg. Er triumphierte beim Australian Open sowie bei den Turnieren von Dubai, Indian Wells, Key Biscayne, Belgrad, Madrid und Rom. Nun war er vor dem Duell mit Federer nur noch einen Sieg vom Aufstieg zur Nummer 1 der Weltrangliste entfernt.

Was es brauchte, um diesen Lauf zu stoppen? Einen überragenden Roger Federer. Der 67-fache Turniersieger lieferte sich mit dem Australian-Open-Champion ein Duell, das schöner kaum hätte sein können. Teilweise glich dies, was die beiden vorab im ersten Satz auf dem Court Philippe Chartier boten, vom Tempo her einer Tischtennis-Partie. Beide nahmen den Ball sehr früh, setzten immensen Druck auf und schafften es dennoch, mit erstaunlicher Länge und Präzision zu spielen.

Auch an Dramatik fehlte es nicht. Der erste und vierte Satz waren ausgeglichen. Es entschieden Details. Im ersten Umgang führte zuerst Federer mit einem Break Vorsprung, etwas später war es plötzlich Djokovic, der den Vorteil auf seiner Seite hatte und sogar zu zwei Satzbällen kam. Doch die Tennisshow wurde um ein Tiebreak verlängert, den Federer 7:5 für sich entschied. Der Schweizer wies nach den ersten 70 Minuten 18 Gewinnschläge und nur 12 unerzwungene Fehler auf - eine unglaubliche Statistik angesichts des von beiden Akteuren angeschlagenen Tempos.

Das Tempo blieb nicht ohne Konsequenzen auf die Leistung der beiden Spieler. Djokovic kam im zweiten Satz nie richtig auf Touren, obwohl sich Federer bei den Breakchancen verschwenderisch zeigt und nur eine von zwölf Möglichkeiten nutzte. Federer musste dann den dritten Umgang nach 37 Minuten und relativ deutlich abgeben.

Sieg zum Anbruch der Nacht

Das zwischenzeitliche, kleinere Tief hielt nicht lang an. Die Zauberschläge gelangen bald wieder öfters, die Ballwechsel wurden wieder länger und spektakulärer. Vor allem der Schweizer entzückte das Publikum, etwa Mitte des vierten Satzes mit einem genialen Passierball aus dem Handgelenk. Doch es war Djokovic, der bald darauf zum Gewinn des vierten Satzes aufschlagen konnte, weil Federer für einmal von seinem ersten Service im Stich gelassen worden war und das Break kassierte.

Zu diesem Zeitpunkt war die Sonne bereits verschwunden, die Nacht begann anzubrechen. Ein fünfter Satz hätte erst am Samstag ausgespielt werden können. Federer verhinderte dies. Er schaffte das Rebreak, glich zum 5:5 aus und wehrte im folgenden Aufschlagsspiel zwei Breakmöglichkeiten ab. Diesmal stand ihm der Aufschlag wieder zur Seite. Insgesamt gelangen dem Schweizer 18 Asse. Nach 3:39 Stunden und einem starken Tiebreak sicherte er sich mit dem dritten Matchball den Einzug in seinen ersten Grand-Slam-Final seit dem Australian Open 2010.

Federer steht zum 23. Mal in einem Grand-Slam-Final und baut damit seinen Rekord weiter aus. Zum achten Mal wird er dabei auf Rafael Nadal treffen. Der Spanier hat die Statistik auf seiner Seite. Er gewann fünf der sieben Major-Finals, die sie gegeneinander bestritten und auch in der Gesamtbilanz Nadal 16:8.

Nadal gefordert

Der Weg von Nadal in seinen 12. Grand-Slam-Final war ebenfalls beschwerlich. Kein anderer Halbfinalist hatte in den letzten zwei Wochen soviel Zeit auf dem Platz verbracht. Im Halbfinal blieb der Mallorquiner, der gestern seinen 25. Geburtstag feierte, zwar ohne Satzverlust, doch Geschenke machte ihm Murray keine. 3 Stunden und 15 Minuten stand Nadal beim 6:4, 7:5, 6:4 auf dem Platz.

Murray bewies wie bereits zuvor in dieser 'Quinzaine' Moral und Kampfgeist. Nichts fiel dem Weltranglisten-Vierten in Paris leicht - verletzter Knöchel, abgebrochener Zahn, nervenaufreibender Fünfsatzkrimi machten ihm das Leben schwer. Doch er liess sich zu keinem Zeitpunkt entmutigen, auch nicht im Halbfinal von Nadal und den vielen verpassten Chancen. «Ich bin zufrieden mit dem, was ich hier geleistet habe», meinte Murray, bevor er noch am gleichen Abend Paris Richtung London verliess.

Das Resultat mochte enttäuschend sein, die Leistung hingegen war gut. Nachdem er im ersten Satz 1:5 in Rückstand geraten war, spielte er nach und nach gelöster. Seine Aufholjagd blieb unbelohnt. Das war das Ärgerliche für den dreimaligen Grand-Slam-Finalisten: Alle seine Bemühungen blieben unter dem Strich unbelohnt. Dabei spielte er stark. Nach dem Fehlstart setzte er Nadal immer wieder unter Druck, gewann erstaunlich viele der längeren Ballwechsel und ging für seine Verhältnisse oft ans Netz.

Murrays vergebene Chancen

Nadal hielt dagegen. Er spielte aggressiv und produzierte nur wenig Fehler. Von der Verunsicherung, die er noch vor wenigen Tagen eingestanden hatte, war nichts zu sehen. Die Form stimmt zweifellos wieder. Dass das Resultat aber so klar ausfiel, lag in erster Linie an Nadals Klasse bei den entscheidenden Punkten. Im zweiten Satz zog er zum besten Zeitpunkt und nach einer Serie von Breaks auf 7:5 davon. Und daraufhin gab er seinen Service nicht mehr ab, weil er alle sechs Breakmöglichkeiten abwehrte. Insgesamt konnt Murray lediglich 3 von 18 Breakchancen nutzen.

(dyn/Si)

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