Grandioses Sauber-Duo: Startplätze 2 und 4
publiziert: Samstag, 1. Sep 2012 / 15:31 Uhr / aktualisiert: Samstag, 1. Sep 2012 / 19:10 Uhr
Erste Startreihe für Kamui Kobayashi.
Erste Startreihe für Kamui Kobayashi.

Das Fahrer-Duo des Teams Sauber hat im ersten Qualifying nach den Sommerferien eine grandiose Leistung abgeliefert. Kamui Kobayashi steht vor dem Grand Prix von Belgien neben dem Engländer Jenson Button auf Startplatz 2, Sergio Perez auf Position 4.

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Ein Blick in die Statistik-Bücher verdeutlicht die Dimension des Coups, den der Japaner und der Mexikaner gelandet haben. Selbst in der Phase zwischen 2006 und 2009, während der Partnerschaft mit BMW, hat die Zürcher Equipe als Team in Qualifyings noch nie so gut abgeschnitten. Die sechs "Rangpunkte" in Francorchamps stellen eine Bestmarke dar. Robert Kubica und Nick Heidfeld hatten es in der Saison 2008 zweimal auf sieben "Punkte" gebracht, nämlich beim Auftakt in Australien mit den Plätzen 2 für den Polen und 5 für den Deutschen sowie drei Wochen später in Bahrain dank der Pole-Position für Kubica und Platz 6 für Heidfeld.

Kobayashi wie Alesi

Kobayashi ist erst der zweite Fahrer in der Eigenständigkeit des Teams Sauber, der das Auto in die erste Reihe der Startkolonne stellen darf. Zuvor war dies einzig Jean Alesi geglückt. Der Franzose war 1998 zum Grand Prix von Österreich und 1999 zum Grossen Preis von Frankreich ebenfalls aus Position 2 losgefahren. Kobayashi seinerseits steigerte seine Bestleistung in der Qualifikation um zwei Einheiten. Mitte April in Schanghai war er Vierter geworden, konnte den Grand Prix von China nach einer Rückversetzung des Engländers Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes aber als Nummer 3 in Angriff nehmen. Abermals musste Peter Sauber eine Top-Leistung seiner Angestellten vor dem Fernsehen mitverfolgen. Wie jetzt in Belgien war der Teamchef wegen anderweitiger Verpflichtungen schon in China nicht vor Ort gewesen.

"Wir waren vor der Anreise nach Belgien recht zuversichtlich. Nach dem dritten Training wusste ich erst recht, dass wir hier ganz gut sein können. Aber die Plätze zwei und vier im Qualifying haben wir nicht erwartet", resümierte Kobayashi den denkwürdigen Tag. "Wir zeigten in diesem Jahr schon starke Leistungen in den Rennen, doch die Qualifikation war bisher unsere Schwäche. Es ist grossartig, wie das Team das verbessert hat. Ein Podestplatz muss nun das Ziel sein."

Perez hatte das Qualifying als Fünftschnellster abgeschlossen, profitierte aber von der nachträglichen Strafe gegen den drittklassierten Pastor Maldonado im Williams-Renault. Der Venezolaner hatte den Deutschen Nico Hülkenberg im Force India-Mercedes behindert und wurde deshalb von den Stewards um drei Plätze nach hinten beordert.

Trotz der sehr guten Ausgangslage glaubte Perez, nicht das Optimum erreicht zu haben. "Ich bin nicht ganz glücklich, weil meine letzte Runde im 'Q3' nicht perfekt war. Ich hatte das Gefühl, dass sich das Auto ein bisschen anders verhielt als zuvor. So oder so: Der wichtigste Teil des Wochenendes kommt am Sonntag. Ich brauche einen guten Start, um mit den Fahrern vor mir kämpfen zu können. Ich weiss, dass das Auto dafür gut genug ist. Ich peile definitiv einen weiteren Podestplatz an", berichtete der Mexikaner, der ebenfalls eine persönliche Bestleistung aufstellte. Im Mai in Spanien hatte er das Qualifying im 5. Rang beendet.

Buttons langes Warten

Über drei Jahre musste sich Jenson Button in Geduld üben, bis seine achte Pole-Position Tatsache wurde. Seit dem Qualifying für den Grand Prix von Monaco im Mai 2009 hatte es dem Engländer nie mehr ganz nach vorne in der Startaufstellung gereicht. Button hat sich mit seiner überlegenen Bestzeit die Basis geschaffen, um Bilanzen zu schönen und Frust abzubauen. Der Abstecher nach Francorchamps hat ihm bislang nur selten Glück gebracht; einzige Highlights auf dem Rundkurs in den Ardennen stellen die dritten Ränge 2005 und im vergangenen Jahr dar. Zudem könnte er für eines der rar gewordenen Erfolgserlebnisse sorgen. Mit Ausnahme des Sieges zum Auftakt in Australien und der zweiten Plätze in China und Deutschland sah sich der Weltmeister 2009 in dieser Saison vorwiegend mit Enttäuschungen konfrontiert.

Prominenz im Hintertreffen

Zu den Profiteuren nach dem Verdikt gegen Maldonado gehörte auch WM-Leader Fernando Alonso. Derweil der Spanier am Sonntag erneut Richtung Podest schielen kann, stehen seine ersten Verfolger in der Gesamtwertung, Mark Webber und Sebastian Vettel, als Verlierer da. Webber wird in der Rangliste zwar als Siebenter geführt. Wegen eines am Freitag vorgenommenen Getriebewechsels am Red Bull musste der Australier allerdings die Rückversetzung um fünf Startplätze in Kauf nehmen. Weltmeister und Vorjahressieger Vettel rückte auf Kosten seines Teamkollegen wohl um eine Position auf die "10" vor. Für den Hessen dürfte dies nach dem Verpassen des Finales der besten zehn indessen ein schwacher Trost sein. Vettel hatte weiteren Ärger zu gewärtigen. Wegen einer Startübung am Ende der Boxengasse wurde er mit einer Busse von 10'000 Euro belegt. Im Gegensatz zu den Bestimmungen auf anderen Strecken sind solche Manöver in Francorchamps wegen Platzmangels nicht gestattet.

Noch deutlicher ins Hintertreffen geriet das Team Mercedes. Michael Schumacher musste sich vor seinem (je nach Zählweise) 300. Grand Prix mit Startplatz 13 bescheiden. Nico Rosberg blieb schon nach der ersten Tranche des Qualifyings auf der Strecke. Weil auch am Auto mit dem Sieger des Grand Prix von China das Getriebe ausgetauscht werden musste, blieb im Feld der 24 Fahrer nur Position 23 übrig.

Resultate:
Francorchamps. Grand Prix von Belgien. Startaufstellung: 1 Jenson Button (Gb), McLaren-Mercedes. 2 Kamui Kobayashi (Jap), Sauber-Ferrari. 3 Kimi Räikkönen (Fi), Lotus-Renault. 4 Sergio Perez (Mex), Sauber-Ferrari. 5 Fernando Alonso (Sp), Ferrari. 6* Pastor Maldonado (Ven), Williams-Renault. 7 Lewis Hamilton (Gb), McLaren-Mercedes. 8 Romain Grosjean (Fr/Sz), Lotus-Renault. 9 Paul di Resta (Gb), Force India-Mercedes. - Nach dem zweiten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 10 Sebastian Vettel (De), Red Bull-Renault. 11 Nico Hülkenberg (De), Force India-Mercedes. 12** Mark Webber (Au), Red Bull-Renault. 13 Michael Schumacher (De), Mercedes. 14 Felipe Massa (Br), Ferrari. 15 Jean-Eric Vergne (Fr), Toro Rosso-Ferrari. 16 Daniel Ricciardo (Au), Toro Rosso-Ferrari. 17 Bruno Senna (Br), Williams-Renault. - Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 18 Heikki Kovalainen (Fi), Caterham-Renault. 19 Witali Petrow (Russ), Caterham-Renault. 20 Timo Glock (De), Marussia-Cosworth. 21 Pedro de la Rosa (Sp), HRT-Cosworth. 22 Charles Pic (Fr), Marussia-Cosworth. 23** Nico Rosberg (De), Mercedes. 24 Narain Karthikeyan (Ind), HRT-Cosworth. - 24 Fahrer gestartet und fürs Rennen qualifiziert. - * = Rückversetzung um drei Plätze (Behinderung von Hülkenber). ** =Rückversetzung um 5 Plätze (Getriebewechsel).

(fest/Si)

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