Grönland-Eis leidet unter Hitzewellen
publiziert: Mittwoch, 25. Jul 2012 / 12:46 Uhr
Das Eis auf Grönland schmilzt rasant.
Das Eis auf Grönland schmilzt rasant.

Washington - Das Eis Grönlands taut in jedem Sommer an. Doch noch nie in den vergangenen drei Jahrzehnten war das Ausmass so verheerend wie jetzt. Ursache waren offenbar ungewöhnliche Hitzewellen. Wie viel Eis verloren ging, ist noch unklar.

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Fast die gesamte Oberfläche des grönländischen Eisschildes ist Mitte Juli zumindest angetaut. Das teilte die US-Weltraumagentur Nasa mit. Das Ausmass sei grösser als in allen zurückliegenden mehr als 30 Jahren, in denen die Schmelze mit Satelliten beobachtet werde.

In einem durchschnittlichen Sommer schmelze das Eis natürlicherweise etwa auf der halben Oberfläche Grönlands, heisst es bei der Nasa. In grosser Höhe friere der grösste Anteil des Wasser aber schnell wieder. Nahe der Küste wird einiges Wasser von Eisbarrieren zurückgehalten, etwas Wasser fliesst in den Ozean.

«Dramatischer Sprung»

«Aber in diesem Jahr hat das Schmelzen an der Oberfläche einen dramatischen Sprung gemacht», heisst es. Den Satellitendaten zufolge schmolz das Eis an einem nicht genau bestimmten Zeitpunkt um den 12. Juli herum auf etwa 97 Prozent der Fläche.

Son Nghiem vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa im kalifornischen Pasadena hatte Radardaten des «Oceansat-2»-Satelliten der kooperierenden indischen Raumfahrtagentur ISRO ausgewertet. «Das war so aussergewöhnlich, dass ich das Ergebnis zuerst infrage gestellt habe: War das echt oder ein Datenfehler?» Die Ergebnisse wurden mit Messgeräten an Bord weiterer Satelliten überprüft, dabei bestätigten sich die hohe Temperaturen über der Eisfläche.

Das extrem starke Schmelzen könnte seine Ursache in einer ungewöhnlich warmen Luftschicht haben, die Nasa spricht gar von einer Hitzeglocke. Seit Mai gab es mehrere davon, jede stärker als die vorherige. Die zuletzt beobachtete baute sich am 8. Juli auf, am 16. Juli begann sie sich aufzulösen. Ob die Schmelze einen Einfluss auf das Volumen des Eisverlustes Grönlands haben wird, haben die Wissenschaftler noch nicht ermittelt.

(bg/sda)

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