Grossbritanniens Fat Cats am Pranger
publiziert: Donnerstag, 3. Jul 2003 / 13:37 Uhr

London – Spitzenmanager in Grossbritannien, so genannte Fat Cats (fette Katzen), müssen sich derzeit warm anziehen. Wegen ihrer Millionen-Einkommen herrscht für sie ein frostiges Klima.

Jean-Pierre Garnier von GlaxoSmithKline muss um seine Abfindung zittern.
Jean-Pierre Garnier von GlaxoSmithKline muss um seine Abfindung zittern.
Im Königreich revoltieren Aktionäre, in der Bevölkerung kann das Ansehen der Konzern- Spitzenkräfte kaum noch schlechter sein, und die Regierung denkt über Beschneidungen bei Riesenabfindungen für erfolglose Industriekapitäne nach.

"Top-Bosse überbezahlt und nicht vertrauenswürdig" titelte selbst die "Financial Times". Eine von der Wirtschaftszeitung jüngst in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage brachte das desolate Image der Vorstandschefs an den Tag.

Danach sind acht von zehn Briten - quer durch alle sozialen Schichten - der Ansicht, dass den Worten der grossen Bosse nicht zu trauen ist. Fast ebenso viele sagten, dass diese Chefs ihr Geld nicht wert sind.

Aufstand der Aktionäre

Die mehr als grosszügigen Gehälter und Abfindungen der "fat cats" (fette Katzen), wie britische Wirtschaftsführer auf der Insel genannt werden, stehen seit Jahren in der Kritik. Doch im Mai kam es, erstmals in der britischen Industriegeschichte, zu einem Aufstand der Aktionäre.

Die Aktionäre des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) nutzten das in diesem Jahr von der Labour-Regierung eingeräumte Recht, über die Gehaltspolitik von Grossunternehmen abstimmen zu können.

Sie lehnten es ab, eine Abfindung von 22 Mio. Pfund für Vorstandschef Jean-Pierre Garnier im Fall seiner Ablösung abzusegnen.

Nicht bindend

Diese Rebellion könnte Schule machen, auch wenn solche Abstimmungen für die Unternehmensspitze nicht bindend sind. Denn über Gehalts- und Abfindungspraktiken hatten in der Vergangenheit bereits die Aktionäre von Shell, Barclays oder Vodafone ihren Unmut geäussert.

Auch für Eisenbahnbosse, die sich horrende Boni genehmigten, obwohl sie die Unternehmensziele deutlich verfehlten, gibt es kein Verständnis mehr.

"Lokführer bekommen keinen Bonus, wenn ihre Züge pünktlich ankommen - es ist einfach Teil ihrer Arbeit", kritisiert Mick Rix von der Eisenbahnergewerkschaft Aslef. Aber so sei es eben: "Die an der Spitze sahnen ab, und die unten bekommen Schläge."

An der Leistung messen

Nun mischt sich die Regierung ein: Industrieministerin Patricia Hewitt legte Anfang Juni ein Papier unter dem Titel "Belohnung für Misserfolg" vor.

Danach soll sich die Bezahlung von Vorstandschefs künftig mehr an Leistung orientieren. Und die Kündigungsfrist für Spitzenmanager soll nur noch höchstens ein Jahr betragen.

"Wir haben keine Probleme damit, dass grosse Erfolge grosszügig belohnt werden, aber Aktionäre sind zu Recht besorgt, wenn Direktoren ihre heruntergewirtschafteten Unternehmen verlassen und mit übermässigen Abfindungen davongehen", sagte die Ministerin.

John Cridland vom Britischen Industrieverband CBI wehrt sich gegen das schlechte Image der Bosse in der Gesellschaft und weist darauf hin, dass "die meisten Unternehmen gut geführt werden, ihre Aktionäre zufrieden stellen" und ihre Verantwortung im Gemeinwesen wahrnähmen.

Und doch gelangt der Kommentator der "Financial Times" zum Schluss: "Kapitalismus ist ein System, das auf Vertrauen fusst. Dieses Vertrauen kann durch unkontrollierte Habgier schnell ausgehöhlt werden."

(Jörg Berendsmeier/dpa)

 
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