«Grosser Führer» bringt sich mit Raketentests zurück ins Gedächtnis
publiziert: Donnerstag, 6. Jul 2006 / 23:45 Uhr / aktualisiert: Freitag, 7. Jul 2006 / 19:32 Uhr

Seoul - Im Westen gilt Kim Jong Il bestenfalls als exzentrisch, die meisten nehmen den «grossen Führer» Nordkoreas gar nicht erst ernst. US-Präsident George W. Bush verspottete den Chef des stalinistischen Staates als «Pygmäen».

Man sieht es ihm nicht an, doch Kim Jong Il gilt als politisch sehr geschickt.
Man sieht es ihm nicht an, doch Kim Jong Il gilt als politisch sehr geschickt.
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Wegen seines aufgeplusterten Haars und den Plateauschuhen zieht der 64-Jährige immer wieder Spott auf sich. Doch Experten warnen vor einer Unterschätzung des Mannes, der am Mittwoch mit mehreren Raketentests von sich reden machte. «Der wahre Kim ist politisch sehr geschickt», sagt der Nordkorea-Kenner Michael Breen.

Lange Jahre stand Kim Jong Il im Schatten seines Vaters, dem Gründer Nordkoreas Kim Il Sung. Der erste Sohn des in Nordkorea gottgleich Verehrten galt als exzentrischer Playboy mit einer Vorliebe für Hollywoodfilme.

Als sein Vater noch lebte, soll er für diverse Anschläge verantwortlich gewesen sein. So soll Kim Jong Il 1983 das Bombenattentat auf die südkoreanische Regierung in Rangun in Birma geplant haben, bei dem 17 Regierungsmitglieder getötet wurden.

Auch für den Anschlag auf ein südkoreanisches Verkehrsflugzeug mit 115 Todesopfern im Jahr 1987 wird er verantwortlich gemacht. Als sein Vater 1994 starb und Kim Jong Il seine Nachfolge antrat, wurde der Führerkult auf ihn übertragen.

Zahlreiche Legenden und offen Fragen

«Grosse Sonne der Nation» wurde er genannt, um seine Geburt eine Legende gestrickt. Nach offizieller Darstellung wurde er am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Widerstandscamp auf dem Heiligen Berg Paekdu in Korea geboren. In der Nacht der Geburt soll es ungewöhnliche Himmelserscheinungen gegeben haben.

Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Trainingslager der 88. Aufklärungsbrigade der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, wo sein Vater diente.

Der Präsidentensohn, der seine Mutter im Alter von neun Jahren verlor, wurde zunächst als «Wirtschaftsexperte» in der DDR ausgebildet, bevor er 1964 ins Zentralkomitee in Pjöngjang aufgenommen wurde. 1973 wurde er Leiter der Propagandaabteilung der Partei.

Zwischen 1977 und 1979 verschwand Kim unter mysteriösen Umständen von der politischen Bühne, doch 1980 machte ihn sein Vater zur «Nummer Zwei» in der Partei. Im August 1984 wurde er zum «alleinigen Nachfolger» bestimmt. Ohne je in der Armee gedient zu haben, wurde er 1990 zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt.

Der Öffentlichkeit blieb er weitgehend unbekannt. Eine kurze Lobeshymne auf das Militär im Jahr 1992 galt jahrelang als einzige Äusserung Kim Jong Ils. Wenn er einmal zu sehen ist, dann meist als Beobachter bei Militärparaden.

Trotz Schwächen schon lange an der Macht

Hinter vorgehaltener Hand schildern ihn seine Landsleute als exzentrischen, launenhaften und wankelmütigen Playboy mit einer Vorliebe für schwedische Frauen und französischen Cognac.

Allerdings hält er sich trotz angeblicher Schwäche schon über Jahre an der Macht. Laut Breen hält er die Fäden in seinem Land fest in der Hand. Die von Kim veranlassten Raketentests interpretieren die USA als Versuch, angesichts des anhaltenden Atomstreits mit dem Iran wieder auf sich aufmerksam zu machen.

Eine Bedrohung habe nie bestanden, schliesslich sei die Langstreckenrakete, die theoretisch auch US-Territorium erreichen können soll, schon nach 40 Sekunden ins Meer gestürzt, spottete der nationale Sicherheitsberater Stephen Hadley.

(fest/sda)

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