Grünliberale wollen Cleantech und «Smart Metering»
publiziert: Mittwoch, 27. Jan 2010 / 09:01 Uhr / aktualisiert: Freitag, 21. Mai 2010 / 16:02 Uhr

Die Grünliberalen haben im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen in Zürich ihre politischen Ziele konkretisiert.

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«Die Fokussierung Zürichs auf den Finanzplatz ist ein Klumpenrisiko», sagte Stadtratskandidatin Denise Wahlen anlässlich einer von der GLP organisierten Podiumsdiskussion zum Thema «Technologien für die 2000-Watt-Gesellschaft» am vergangenen Montagabend. Stattdessen sollten Cleantech-Firmen angesiedelt werden. Ebenso forderte Wahlen die Bedachung aller öffentlichen Stadtzürcher Gebäude mit Solar-Panels.

Überdies wollen die Grünliberalen eine Steigerung der Energieeffizienz. Im Vordergrund stehen dabei Konzepte wie «Smart Grip», «Smart Metering», «Smart Home» und die Elektromobilität, was von den anwesenden Experten denn auch unterstrichen wurde.

Swiss Village in Masdar

Energieeffizienz und Cleantech stellten einen grossen Wachstumsmarkt für Schweizer Firmen und damit für den Wirtschaftsstandort Zürich dar, sagte Nick Beglinger, Präsident der Stiftung Swisscleantech, welche unter anderem am Projekt Eco-City Masdar sowie dem Innovationspark «Abu Dübi» beteiligt ist.

Beglinger berichtete in seinem Referat über die neusten Entwicklungen in Abu Dhabi: Das Swiss Village in der neuen, CO2-neutralen Stadt Masdar mitten in der Wüste ist unter Dach und Fach, in zwei Monaten ist die neu gebaute Universität bezugsbereit. Zürich kann und soll laut Beglinger eine Vorreiterrolle im Bereich Cleantech einnehmen.

Altes Netz am Anschlag

Cornel Rüed, von Swissgrid, sieht das herkömmliche Stromnetz am Anschlag, wobei er an den Blackout im Jahr 2003 erinnerte. Da es heute fast unmöglich sei, neue Übertragungsleitungen zu bauen, müsse über neue Möglichkeiten nachgedacht werden. So könnte ein 1000 Volt Gleichspannungsnetz, das nachhaltig aus Sahara-Sonne und Nordsee-Wind produzierte Energie in die europäischen Zentren bringt, von Smart Grid (intelligenten Netzen) und Smart Metering (intelligenten Stromzählern) unterstützt werden. Dabei würden die Schweizer Stauseen die Rolle von Speichern übernehmen, sagte Rüed im Referat.

Dagegen besteht für Lukas Küng vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) Energiesparpotenzial durch das «Smart Metering» mit intelligenten Stromzählern, die dem Konsumenten in Zukunft zeitnahe Informationen ihres Stromverbrauchs bieten könnten. Eine Vorgabe fehlt allerdings bislang und ist frühestens mit der Revision des Stromversorgungsgesetzes 2014 zu haben. Momentan investiert das ewz laut Küng über 750'000 Franken um bei rund 650 Zählern mit verschiedenen Systemen Erfahrungen zu sammeln.

Elektromobil-Pilotprojekt in Zürich

Am Podium wurde auch die Mobilität thematisiert: Andre Vezzini, Professor an der Fachhochschule Biel, geht heute von nicht weniger als 800 Millionen Motorfahrzeugen auf der Erde aus. Diese Zahl dürfte sich bis 2020 auf 1,1 Milliarden steigern. Deshalb wird es laut Vezzini nicht reichen, auf fossilen Treibstoffen zu beharren. Selbst wenn das 2-3 Literauto realisiert würde, könnte der CO2-Ausstoss nicht gesenkt werden. Ein Teil des Treibstoffbedarfs müsse daher mit alternativen Energieformen gedeckt werden, so Vezzini. Beim CO2-Ausstoss schneiden die Elektrofahrzeuge mit Abstand am besten ab.

Aktuell wird in diesem Zusammenhang das Mercedes-Pilotprojekt mit 50 Elektromobilen des Typs smart fortwo electric drive in Zürich: Eine Testphase soll im zweiten Quartal 2010 starten und vier Jahre dauern, wie Oliver Peter, Pressesprecher von Mercedes Schweiz, auf Anfrage bestätigte. Am Test beteiligen sich die Elektrizitätswerke von Stadt und Kanton Zürich sowie die Car-Sharing-Organisation Mobility, aber auch einige private Freiwillige. Man wolle mehr wissen über Nutzung und Wirksamkeit der Batterie, bevor man mit dem smart electric in den Verkauf gehe, erklärte Peter.

Bereits im Verkauf steht hingegen das vierplätzige Elektroauto kamoo zero emission, mit dem kamoo-Marketingleiter Manuel Reich zur Podiumsdiskussion anreiste. Das Gefährt wird in Schlieren endgefertigt und ist wie der smart electric an einer normalen Steckdose aufladbar.

(Harald Tappeiner/news.ch)

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