'Grundlage für neue Beziehung'
publiziert: Sonntag, 6. Jun 2004 / 08:45 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 6. Jun 2004 / 10:05 Uhr

Bern - Die Schweiz hat ihre Beziehungen zum Vatikan normalisiert. Anlässlich des Papst-Besuches gab der Bundesrat bekannt, dass der bisherige "Botschafter in Sondermission" zum offiziellen Botschafter ernannt wird.

Erzbischof Wolgang Haas (rechts) mit dem Papst.
Erzbischof Wolgang Haas (rechts) mit dem Papst.
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Johannes Paul IIJohannes Paul II
Bis anhin vertrat der Schweizer Botschafter in Tschechien, Hansrudolf Hoffmann, die Schweizer Interessen beim Vatikan. Er war jedoch rangniedriger als die rund 170 übrigen Botschafter beim Vatikan.

Die diplomatischen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl sollen nun angepasst werden, sagte Bundespräsident Joseph Deiss in seiner Ansprache beim Empfang von Papst Johannes Paul II. auf dem Flughafen Payerne. Hoffmann werde deshalb zum ausserordentlichen und bevollmächtigten Botschafter ernannt.

Der Bundesrat hatte sich bei seiner Sitzung am 18. Mai auf Initiative von Deiss zur Beseitigung dieser "Anomalie" entschlossen. Der Entscheid stiess bei der Apostolischen Nuntiatur in Bern auf ein positives Echo.

Wachsende Spannungen

Bisher hatte die Schweiz keine eigene Vertretung beim Vatikan unterhalten; der Vatikan hingegen ist seit knapp 500 Jahren durch die päpstliche Nuntiatur in Bern vertreten.

Seit 1579 war ein päpstlicher Gesandeter (Nuntius) bei den katholischen Ständen der Schweiz akkreditiert. Er residierte in Luzern, zeitweise in Altdorf.

Als Folge wachsender Spannungen zwischen dem schweizerischen Bundesstaat und der römischen Kurie (Stichworte: Sonderbundskrieg 1847, päpstliches Unfehlbarkeitsdogma 1870, Kulturkampf) hob der Bundesrat am 4. Dezember 1873 die päpstliche Nuntiatur auf und wies den Nuntius aus.

Erst die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und dem päpstlichen Stuhl während des Ersten Weltkrieges im Dienst des Friedens machte 1920 den Weg für die Wiedereröffnung der Nuntiatur in Bern frei.

Aus Rücksicht auf die protestantische Bevölkerung verzichtete der Bundesrat aber auf die Eröffnung einer schweizerischen Vertretung im Vatikan; vielmehr wurde vereinbart, dass die diplomatischen Kontakte in beiden Richtungen ausschliesslich über die Nuntiatur in Bern verlaufen.

Kontroverse um Bischof Haas

Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzungen um den Churer Bischof Wolfgang Haas wurde Ende 1991 Botschafter Jenö Staehelin zum Botschafter in Sondermission beim Vatikan ernannt. Stationiert blieb er aber in Bern. Später wurden Botschafter in Wien respektive in Prag gleichzeitig mit der Sondermission beim Vatikan beauftragt.

Die Sondermission ist in der Staatenpraxis bekannt und verbreitet. Es handelt sich dabei um eine völkerrechtliche Institution, die zur Erfüllung zeitlich und sachlich begrenzter Aufgaben dient.

Es stammt ursprünglich aus dem Völkergewohnheitsrecht und wurde in der UNO-Konvention von 1969 kodifiziert, welche die Schweiz ratifizert hat. Der apostolische Nuntius in Bern ist traditionsgemäss der Doyen des in der Schweiz akkreditierten Diplomatischen Korps.

(bsk/sda)

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