Häuser als Kraftwerke
publiziert: Freitag, 12. Okt 2012 / 08:27 Uhr / aktualisiert: Montag, 12. Nov 2012 / 12:36 Uhr

Heute verschwenden Gebäude bis zu 70 Prozent des Energieverbrauchs. Heizwärme entweicht über Wände, Dach und Fenster in die Umwelt anstatt den Wohnkomfort zu verbessern. Ich bin überzeugt, dass wir die Klimaziele erreichen können, wenn wir vermehrt in effiziente Gebäudetechnik investieren. Neubauten zum Beispiel können sogar netto Strom ans Netz abgeben, falls wir den aktuellen Stand der Technik konsequent anwenden.

Bernhard Wehrli ist Professor für Aquatische Chemie an der ETH Zürich und an der Eawag.
Bernhard Wehrli ist Professor für Aquatische Chemie an der ETH Zürich und an der Eawag.
1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Minergie-Standard
Informationen zum Minergie-Standard für Gebäude.
minergie.ch

Minergie-A-Standard
Informationen zum Minergie-A-Standard für Gebäude.
minergie.ch

Schweizer Solarpreis
Jährlich verleiht die Solaragentur den Schweizer Solarpreis.
solaragentur.ch

Eawag News
Artikel von Alfred Wüest über «Potenzial und Grenzen der Wasserkraft». Erschienen im Juni 2012 in den Eawag News.
eawag.ch

Der Minergie-Standard für Gebäude (siehe weiterführende Links) stellt sicher, dass Heizenergie effizient genutzt wird. Dank guter Wärmedämmung, dreifach verglasten Fenstern und Lüftungstechnik sinkt der Wärmebedarf auf unter 38 Kilowattstunden oder zirka 3.8 Liter Erdöl pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr. Inzwischen hat das Minergie-Label den strengeren Minergie-A-Standard (siehe weiterführende Links) definiert, welcher keine fossilen Energieträger für Heizung und Warmwasser zulässt.

Mit guter Wärmedämmung und optimaler Nutzung der Sonnenergie durch thermische Solaranlagen und Photovoltaik können moderne Gebäude sogar netto Energie produzieren. «Häuser als Kraftwerke», sogenannte «PlusEnergieBauten» werden bereits mit Erfolg gebaut. Ein Beispiel ist die Montagewerkstatt der Heizplan AG in Gams. Der Bau glänzt mit einer Eigenversorgung von annähernd 450 Prozent. Erreicht wird dieser Spitzenwert mit einer konsequenten Integration von Photovoltaik-Modulen in die Gestaltung von Dach und Fassade. Die Montagewerkstatt wurde 2011 mit dem Schweizer Solarpreis (siehe weiterführende Links) ausgezeichnet. Der Schweizer Solarpreis 2012 wird übrigens am 19. Oktober vergeben.

Null- oder Plusenergie-Standard

Effiziente und neue Gebäudetechnik kann einen entscheidenden Beitrag leisten zur Energiewende. Denn der politische Beschluss, die bestehenden Atomkraftwerke in der Schweiz nicht mehr zu ersetzen, ruft nach neuen Energiequellen. Diese sollen ökologisch unbedenklich, wirtschaftlich tragbar und gesellschaftlich akzeptiert sein. Die Photovoltaik erfüllt diese Bedingungen. Mit einer Dachfläche von etwa 400 km2 besteht in der Schweiz genügend Potential, einen grossen Teil der Stromproduktion aus AKWs durch Sonnenenergie zu ersetzen.

Den Ausbau der Solarstrom-Kapazität könnten wir unter anderem unterstützen, indem wir das Minergie-A-Label bei Neubauten zur Bedingung machen. Auch dem Klima wäre damit gedient, denn Minergie-A-Bauten verursachen ein Minimum an CO₂-Ausstoss.

Die Batterien haben wir

Regnerische Tage führen nicht nur zu depressiver Stimmung bei der Bevölkerung im Mittelland. Sie führen auch zu Produktionslücken von Solarstrom. Entsprechend muss eine Speichermöglichkeit her. Die Schweiz ist in dieser Hinsicht in einer privilegierten Lage. Die Kapazität der Pumpspeicherwerke in den Schweizer Alpen wird in den nächsten Jahren auf bis zu 5000 Megawatt ausgebaut (siehe weiterführende Links: Eawag News). Dies entspricht der Leistung von fünf AKWs. Die alpinen Stauseen sind entsprechend eine grosse Batterie, um Solarstrom zu speichern. Diese Dienstleistung zur Netzstabilisierung lässt sich sogar über die Schweizer Grenze hinaus verkaufen. Lediglich während der Wintermonate müsste Strom aus Blockheizkraftwerken zugeschaltet werden. Ich bin überzeugt, dass wir mit Häusern als Kraftwerke und Pumpspeicher als Batterien den Atomausstieg schaffen und gleichzeitig die CO₂-Bilanz der Schweiz verbessern werden.

(Prof. Bernhard Wehrli/ETH-Zukunftsblog)

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