Häusliche Gewalt wird Offizialdelikt
publiziert: Montag, 29. Mrz 2004 / 09:30 Uhr

Bern - Häusliche Gewalt wird künftig nicht mehr nur auf Antrag, sondern von Amtes wegen verfolgt. Die Täter sollen weniger vom Schutz der Privatsphäre profitieren. Vertreter der Opferhilfe hoffen sogar, dass das neue Gesetz die Gesellschaft verändert.

Klar ist, dass die neue Regelung einen starken symbolischen Wert hat.
Klar ist, dass die neue Regelung einen starken symbolischen Wert hat.
Die neue Regelung tritt auf den 1. April in Kraft. Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Ehegatten oder Lebenspartner gilt dann nicht mehr als Bagatell- und Privatangelegenheit. Sie wird zu einem Offizialdelikt und muss von Amtes wegen verfolgt werden.

Vertreter der Opferhilfe begrüssen die Neuerungen im Strafgesetzbuch. Dadurch könnte eine Veränderung der Mentalität in der Gesellschaft eingeleitet werden, hoffen sie. Monique Aeschbacher vom Eidg. Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann spricht sogar von einem Paradigmenwechsel.

Negative Auswirkungen ausschliessen

Welche Auswirkungen die Gesetzesänderung haben wird, ist noch unklar. Aeschbacher fordert seriöse Untersuchungen, um allfällige negative Auswirkungen ausschliessen zu können. Einige Opfer könnte es laut Aeschbacher zum Beispiel ängstigen, dass die Übergriffe von Amtes wegen verfolgt werden.

Klar ist, dass die neue Regelung einen starken symbolischen Wert hat. Elisabeth Rod-Grange von Solidarités Femmes in Genf betont, dass künftig die "moralische" Verpflichtung, den Verlangen des Partners nachzukommen, stark eingeschränkt werde. Der Mann habe kein sexuelles Recht mehr über seine Frau.

Die Staatsanwältin des Kantons Freiburg, Anne Colliard, setzt auf einen präventiven Effekt der Eröffnung der Untersuchungen. Zudem hofft sie, dass die Betroffenen rascher reagieren als bisher und so die Gewaltspirale stoppen.

Beweislast übergeben

Einig sind sich die Befragten darin, dass die Neuerung für die Opfer eine wichtige Erleichterung ist. Bisher wartete für sie ein steiniger Weg, um zu ihrem Recht zu gelangen: Sie mussten Strafanzeige erheben, Indizien vorweisen, gegen Unverständnis der Justiz ankämpfen, die Einstellung des Verfahrens verkraften.

Zudem hätten viele Opfer aus Rücksicht auf ihre Kinder auf ein Verfahren verzichtet, sagte Colliard. Meist seien nicht einmal Morddrohungen der Täter von den Richtern berücksichtigt worden, beschwert sich Rod-Grangé.

Jetzt wird es für die Opfer einfacher: Sobald sie den Mut aufgebracht haben, ihre Situation den Behörden zu schildern, beginnen die Mühlen der Justiz zu mahlen.

Beratung für Täter

Umgekehrt wird sich auch für die Täter einiges ändern, weil die Justiz strenger vorgeht. Das könnte sich auf die Arbeit von Christian Anglada auswirken, der das Lausanner Zentrum "Gewalt und Familie" leitet. Hier werden die Gewalttäter beraten.

Bis jetzt seien 90 Prozent seiner Klienten unter Druck ihrer Lebenspartnerinnen zu ihm gekommen, sagt Anglada. "Viele der Männer befanden sich in der Krise: Ihre Frau hatte den gemeinsamen Haushalt verlassen und die Kinder mitgenommen."

In Zukunft erwartet der Therapeut eher Männer, die sich einer psychologischen Begleitung unterziehen, um eine Strafe zu verhindern oder zu vermindern. Es werde dann vor allem darum gehen, dass die Täter anerkannten, dass sie ein psychisches Problem hätten, sagte er.

(Von Marie-José Portmann/sda)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -2°C 3°C Nebelfelderleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel -3°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
St. Gallen -1°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Bern -3°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Luzern -2°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 0°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Lugano 1°C 9°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten