Haftbefehle gegen Pinochet-Helfer
publiziert: Dienstag, 27. Mai 2008 / 07:21 Uhr

Santiago de Chile - Die chilenischen Behörden haben Haftbefehle gegen rund hundert ehemalige Soldaten und Geheimdienstagenten des berüchtigten Diktators Augusto Pinochet erlassen.

Das Mahnmal für rund 3200 Opfer der Pinochet-Diktatur in Santiago de Chile.
Das Mahnmal für rund 3200 Opfer der Pinochet-Diktatur in Santiago de Chile.
Die Verdächtigen sollen an der Verschleppung und Ermordung von 42 Menschen im Rahmen der «Operation Colombo» beteiligt gewesen sein, wie aus Justizkreisen verlautete.

Die Operation fand zu Beginn von Pinochets Schreckensherrschaft in den 1970er Jahren statt. Sie richtete sich vor allem gegen linksgerichtete Oppositionspolitiker und Andersdenkende.

Einige der Festgenommenen arbeiteten für den damaligen Geheimdienst Dina, in dessen Folterkellern Tausende Menschen zu Tode gequält oder verstümmelt wurden.

Menschenrechtsgruppen begrüssten die angeordneten Festnahmen als bislang grösste Aktion der Justiz zur Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur.

Symbolischer Fall

«Das sind exzellente Nachrichten, weil die 'Operation Colombo' angesichts der Anzahl der Opfer ein symbolischer Fall ist», sagte der Chef von Amnesty International Chile, Sergio Laurenti, zu Reuters. Das chilenische Innenministerium versprach eine entschlossene und lückenlose Aufklärung der Verbrechen.

General Pinochet hatte 1973 gegen die demokratisch gewählte Linksregierung von Präsident Salvador Allende geputscht. Während seiner 17 Jahre dauernden Herrschaft kamen fast 3200 Menschen gewaltsam ums Leben, die überwiegende Mehrheit wurde von den Militärs getötet.

Etwa 28'000 Regimegegner wurden von Pinochets Helfern in geheimen Verliessen gefoltert. Aus gesundheitlichen Gründen wurde Pinochet 2001 für nicht verhandlungsfähig erklärt. Er starb 2006, bevor er verurteilt werden konnte.

(rr/sda)

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