Haiders Tod und der Kampf in den Kondolenzbüchern
publiziert: Montag, 13. Okt 2008 / 18:59 Uhr / aktualisiert: Montag, 13. Okt 2008 / 23:41 Uhr

Wien - Der überraschende Tod des umstrittenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider am vergangenen Wochenende hat auch im Web eine gewaltige Welle an Reaktionen ausgelöst.

Einige Online-Foren mussten wegen «pietätlosen Postings» geschlossen werden. Hier das Kondolenzbuch des Landes Kärnten.
Einige Online-Foren mussten wegen «pietätlosen Postings» geschlossen werden. Hier das Kondolenzbuch des Landes Kärnten.
6 Meldungen im Zusammenhang
Wie polarisierend der österreichische Politiker tatsächlich auf die Öffentlichkeit gewirkt hat, wird dabei nicht zuletzt durch die grossen inhaltlichen und formellen Unterschiede der Kommentare deutlich.

So musste etwa die Online-Redaktion der österreichischen Tageszeitung «Der Standard» ein entsprechendes Forum zum Thema eigenen Angaben zufolge «auf Grund sehr vieler pietätloser Postings» schliessen. Aber auch die Tageszeitung «Die Presse» verzichtete aus ähnlichen Gründen auf ihren Seiten auf Forenbeiträge.

«Unzumutbare Beiträge»

Dass dies aber nur die eine Seite der Medaille ist, beweist die hohe Zahl an Kondolenzbüchern, die seit dem Bekanntwerden des Unfalls im Internet aus dem Boden geschossen sind. So haben bereits zigtausende Nutzer ihre Trauer über das Ableben des BZÖ-Politikers online bekundet.

«Die User-Kommentare, die bei uns eingetroffen sind, waren einfach unzumutbar. So etwas wollen wir nicht auf unserer Seite», erklärt Gerlinde Hinterleitner, Chefredakteurin der Online-Redaktion des «Standards». Nach dem Erscheinen des ersten Beitrags zum Tod Haiders gegen 5.20 Uhr seien die eingehenden Postings noch grösstenteils «okay» gewesen.

Angriff aus der Deckung

«Gegen 11.00 Uhr war die Situation aber aufgrund der grossen Zahl pietätloser Meldungen einfach nicht mehr zu beherrschen und wir sahen uns dazu gezwungen, das entsprechende Forum zu schliessen», schildert Hinterleitner. Aus heutiger Sicht sei diese Entscheidung sicherlich die richtige gewesen.

«Wir wollen anständige Diskussionen in unseren Foren. Nutzer, die bei uns einen Kommentar abgeben wollen, müssen sich an unsere Foren-Richtlinien halten. Diese sind auf unserer Webseite für jeden ersichtlich», betont Hinterleitner.

«Derartige Grenzüberschreitungen passieren im Internet wesentlich häufiger als in anderen Medien. Aufgrund der Möglichkeit anonym zu bleiben, übertreten die Nutzer die Grenzen viel leichter», meint Hinterleitner. Mittlerweile habe man wieder ein Forum zum Tod Haiders eröffnet.

Redaktionen kontrollieren die Beiträge

«Die aktuelle Version wird aber von der Redaktion moderiert. Das bedeutet, dass unsere Mitarbeiter eingehende Postings kontrollieren und ungeeignetes Material gelöscht wird», so Hinterleitner. Dass das Internet aber nicht nur als anonymes Lästerwerkzeug missbraucht werden kann, beweist die überaus rege Anteilnahme der Web-Nutzer in Online-Kondolenzbüchern.

Allein auf der offiziellen Seite der Kärntner Landesregierung sind mittlerweile rund 11'750 Trauerbekundungen eingegangen. Auch ähnliche Angebote auf der BZÖ-Homepage und auf der Internetseite der Tageszeitung «Österreich» werden von der Anteilnahme trauernder Bürger überflutet.

Empörung in den E-Mails

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim österreichischen TV-Sender ORF. Dieser hatte bereits kurz nach Bekanntwerden von Haiders Tod sein On-Demand-Videoangebot auf seiner Webseite erweitert und die aktuellen Sondersendungen online gestellt.

«Wir haben zwar noch keine konkreten Zahlen vorliegen, unsere Server wurden am Wochenende aber besonders stark beansprucht, was auf eine intensive Nutzung der On-Demand-Angebote schliessen lässt», heisst es dazu aus der ORF-Online-Redaktion.

Der ORF-Moderator Armin Wolf sorgte indessen mit seiner nicht unkritischen politischen Berichterstattung für Aufregung. Er habe «selten so viele empörte Mails von Zuschauern bekommen wie zur Sondersendung über den Tod von Jörg Haider», nimmt Wolf ebenfalls online in seinem ORF-Blog Stellung.

Nach einem solchen Unfall gehöre das Mitgefühl selbstverständlich den Hinterbliebenen. Letztendlich lasse sich «ein Politiker wie Jörg Haider aber in einer Sendung wie der ZiB 2 nicht unkritisch würdigen», so die Argumentation Wolfs.

(tri/pte)

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