Olympia : Eishockey
Halbfinals: Kanada - Weissrussland und USA - Russland
publiziert: Donnerstag, 21. Feb 2002 / 08:11 Uhr

Salt Lake City - Die Viertelfinals des Eishockey-Turniers lieferten jenen Stoff, den die amerikanischen Fans so mögen. Weissrussland schlug Schweden sensationell 4:3 und trifft im Halbfinal auf Kanada. Im zweiten Halbfinal kommt es zum Duell Russland - USA.

Seit das amerikanische Eishockeyteam von 1980 vor zwei Wochen an der Eröffnungsfeier das olympische Feuer entzündete, ist das Wunder von Lake Placid 1980, das "Miracle on Ice", wieder in aller Sinne. Amerikanische College-Boys wuchsen damals über sich hinaus und versetzten den russischen Berg in Form von Tichonows unschlagbarer "Sbornaja" auf den Ehrenplatz.

Auch nach den Viertelfinals sprach wieder alles vom "Miracle". Zum einen, weil der 33:1-Aussenseiter Weissrussland, der letzten Frühling an der Weltmeisterschaft in Deutschland in die B-Gruppe abgestiegen ist, mit dem 4:3 über Schweden sensationell die Halbfinals erreichte. Andererseits aber auch, weil es 22 Jahre nach Lake Placid wieder bei Olympia zum Duell USA - Russland kommt.

Salo: Vom Held zum Versager

"Unser Sieg war kein Wunder, sondern pures Glück. Alle -- sogar wir Spieler -- dachten, dass die Schweden gewinnen würden", meinte Andrej Mezin, der Torhüter der Berlin Capitals, der gegen die Schweden zum Nationalhelden wurde. Mezin war einer der zahlreichen Torhüter, die in den Viertelfinals vom Mittwoch im Mittelpunkt standen. Tommy Salo war ein anderer: Der Schwede kassierte drei haltbare Gegentore, das letzte und dümmste 144 Sekunden vor Schluss zum 3:4. Vor acht Jahren in Lillehammer, als die Schweden gegen Kanada im Penaltyschiessen Gold holten, war Salo der Held -- am Mittwoch war er einer der Versager.

Im Zeichen der Torhüter stand auch die Neuauflage des Olympia-Finals von Nagano 1998 zwischen Russland und Tschechien (1:0). Nikolaj Chabibulin gewann das Duell gegen Dominik Hasek mit 41 Glanzparaden knapp. Chabibulin war vor vier Jahren in Japan bei der Finalniederlage nicht mit von der Partie. Er wollte nicht mehr für Russland spielen, weil Viktor Tichonow ihm, dem dritten Keeper im Team, nach den 92er-Spielen von Albertville die Goldmedaille verweigert hatte. Chabibulin erhielt in Salt Lake City mit zehn Jahren Verspätung vom IOC doch noch sein Gold -- und spielt seither wie ein Olympiasieger.

"Er zeigte eine phantastische Leistung", lobte ihn Gegenüber Dominik Hasek, "alle Russen müssen sich bei ihm bedanken." Das einzige Tor des Spiels erzielte Maxim Afinogenow von den Buffalo Sabres in der 25. Minute. "Ich hatte das Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu stehen", so der junge Afinogenow bescheiden.

Jursinows Beitrag

Seinen Teil zum russischen Erfolg trägt als Assistent von Wjatscheslaw Fetisow auch Wladimir Jursinow bei, der Trainer des EHC Kloten. Bei den Russen, die beim 6:4 gegen Weissrussland und dem 1:3 gegen Finnland noch enttäuschten, ist Jursinows Handschrift immer deutlicher erkennbar. Die Einsätze von Pavel Bure dauern nicht mehr anderthalb Minuten, sondern bloss noch 50 Sekunden. Und auch Alexej Jaschin verrichtet deutlich mehr Defensivarbeit als noch Anfang Woche.

"Ich bin stolz auf die Mannschaft", so Jursinow. "Als Team haben wir die Halbfinals erreicht. Sie sehen meine Handschrift? Das ist nicht korrekt. Sie sehen russisches Eishockey. In einem kurzen Turnier wie diesem bedeutet die Bereitschaft zu defensivem Spiel alles. So muss Russland spielen, um Erfolg haben zu können. Es war ein grossartiges Spiel, und wir haben gegen den besten Torhüter der Welt gewonnen. Vor der Partie haben wir den Spielern noch gesagt: 'Gewinnt 1:0 -- das reicht.'"

Defensive wird auch im Halbfinal gegen die USA für die Russen Trumpf sein. Die Amerikaner sind ausgezeichnet organisiert und spielten beim 5:0 gegen Deutschland schon zum zweiten Mal im vierten Spiel zu Null. Ein Drittel lang wehrten sich die Deutschen taper. Eine sechseinhalb-minütige Unterzahl, davon fast drei Minuten zu dritt gegen fünf Amerikaner, führte in der 14. Minute allerdings zum 0:1 durch Jeremy Roenick. Im zweiten Drittel gelang Brett Hull schon nach 46 Sekunden das vorentscheidende 2:0 für die Amerikaner. Bei Spielmitte erhöhten die USA innert 125 Sekunden durch Tony Amonte, John LeClair und nochmals Hull von 2:0 auf 5:0.

US-Siegesserie seit 1934

Die Russen kriegen am Freitag also eine zweite Chance, gegen die USA endlich die 'Miracles von 1960 und 1980' zu rächen. Letzten Samstag dominierte Russland die Partie zwar während 45 Minuten deutlich, musste sich aber mit einem 2:2 begnügen. Die USA haben sowohl in Squaw Valley '60 als auch in Lake Placid '80 an Olympischen Spielen nie mehr verloren und Gold gewonnen. Die letzte amerikanische Olympia-Niederlage auf eigenem Eis resultierte 1932 in Lake Placid mit 1:2 n.V. gegen Kanada.

Die Kanadier ihrerseits befinden sich ebenfalls noch gut im Rennen. Angeführt von Captain Mario Lemieux reichte ihnen eine disziplinierte, aber glanzlose Leistung zum ersten Sieg im Turnier gegen einen ganz starken Gegner (2:1 gegen Finnland). Joe Sakic nach drei und Steve Yzerman nach 36 Minuten erzielten die Treffer zum 2:0-Zwischenstand. Nur 20 Sekunden nach Yzermans Tor gelang Niklas Hagman der Anschlusstreffer. Die Finnen erwiesen sich in der Offensive jedoch als zu harmlos, um die Kanadier noch von der Siegerstrasse abzubringen. Gegen Halbfinalgegner Weissrussland steht für die Kanadier nun das Tor zum Final scheinbar weit offen.

(Rolf Bichsel, Salt Lake City /sda)

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