Hamas-Besuch bringt Türkei in Erklärungsnöte
publiziert: Freitag, 17. Feb 2006 / 11:59 Uhr

Istanbul - Hamas-Chef Chaled Maschaal hat seinen Überraschungsbesuch in der Türkei als Erfolg bezeichnet. Doch in Israel war man gar nicht begeistert.

Chaled Maschaal wertete den Besuch als Erfolg.
Chaled Maschaal wertete den Besuch als Erfolg.
5 Meldungen im Zusammenhang
Erfreut war Israels Aussenministerin Zippi Livni nicht, als sich am Mittwoch ihr türkischer Kollege Abdullah Gül mit einer überraschenden Ankündigung meldete: Schon in wenigen Stunden werde Hamas-Chef Chaled Maschaal nach Ankara kommen, sagte Gül.

Erst vor wenigen Tagen hatte Gül der Livni hoch und heilig versprochen, es werde keine direkten Kontakte zur Hamas geben. Doch kurz danach war plötzlich alles anders. Maschaal traf in Ankara ein und begann mehrtägige Gespräche mit Regierungsvertretern.

Entsprechend hilflos wirkten am Donnerstag die Bemühungen des türkischen Aussenministeriums, die Kehrtwende zu erklären. Die «Erwartungen der internationalen Gemeinschaft» werde man der Hamas darlegen, kündigte das Ministerium an.

Es unterstrich gleichzeitig, dass die Einladung an die Hamas nicht von der Regierung gekommen sei, sondern von der Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der sich auch mit Maschaal treffen wollte.

Gül erklärte lediglich, die Türkei wolle alles tun, um den Nahost-Friedensprozess voranzubringen. Zum Widerspruch zwischen seinen jüngsten Zusagen gegenüber Israel und der plötzlichen Ankunft der Hamas-Delegation wollte Gül sich nicht äussern.

Erfolg für die Hamas

Für die Hamas ist allein die Tatsache ein Erfolg, dass Maschaal in Ankara empfangen wurde. Als Erdogan vor zwei Jahren die Politik Israels der gezielten Tötung von Hamas-Funktionären als «Staatsterror» brandmarkte, habe er die Hamas sehr beeindruckt, sagte der Journalist Hüsnü Mahalli, der Maschaal begleitete.

Auch die Forderung Erdogans, Israel solle sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen, um der Hamas einen Verzicht auf Gewalt zu erleichtern, kam gut an.

Dies bedeutet aber nicht, dass Maschaal bereit ist, bedeutende Zugeständnisse zu machen. Es gab keine Hinweise darauf, dass sich die Hamas dazu entschliessen könnte, die Waffen niederzulegen, Israel anzuerkennen und die «Road Map» als Richtschnur zu akzeptieren, wie das die internationale Gemeinschaft fordert. Statt dessen dürfte Maschaal nachfragen, wie es mit Finanzhilfe für den Fall steht, dass der Westen seine Zahlungen einstellt.

Kalkül der Türken

Erdogan hatte dem Besuch zugestimmt, weil er versuchen will, die Türkei als wichtigen Akteur im Nahen Osten ins Spiel zu bringen. Zudem kann Erdogan sicher sein, dass die Initiative innerhalb seiner Partei AKP populär ist.

Der erhoffte Zugewinn an Prestige könnte sich für die Türkei aber bald als Wunschvorstellung erweisen. Dass Ankara es vermag, den Nahost-Friedensprozess voranzubringen, erscheint vielen Beobachtern als sehr unwahrscheinlich. Statt dessen wird sich die Türkei wohl fragen lassen müssen, warum sie die westliche Phalanx verlassen hat.

(Thomas Seibert/afp)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Gaza - Die USA haben von den ... mehr lesen
Nach dem Hamas-Wahlsieg müssen die Palästinenser nun mit Geldentzug rechnen.
Gaza - Israel hat den Palästinensern vor der konstituierenden Sitzung ihres von der radikal-islamischen Hamas dominierten neuen Parlamentes wirtschaftliche Sanktionen angedroht. mehr lesen 
Chaled Maschaal wurde von der regierenden Partei AKP eingeladen.
Ankara - Hamas-Chef Chaled ... mehr lesen
Ramallah - Die radikale ... mehr lesen
Die Hamas gewann die Parlamentswahl am 25. Januar deutlich vor der Fatah.
Abdullah Gül: «Wir haben gute Beziehungen zu beiden Seiten».
Ankara - Die Türkei hat nach dem ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung Frieden.
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung ...
Positive Elemente für Friedensinitiative  Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zu neuen Verhandlungen über einen Friedensplan arabischer Staaten bereit erklärt. Netanjahu sagte am Montagabend in Jerusalem, die Friedensinitiative von 2002 enthalte positive Elemente. mehr lesen 
Israel  Jerusalem - Der rechts-nationalistische Politiker Avigdor Lieberman ist im Parlament als Israels neuer Verteidigungsminister vereidigt worden. 55 von 120 Abgeordneten ... mehr lesen
Avigdor Lieberman.
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Andreas Kyriacou Die Klage des türkischen Möchtegern-Alleinherrschers Recep Erdogan gegen den ... mehr lesen   2
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 15°C 22°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Basel 17°C 23°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewittrige Regengüsse
St. Gallen 16°C 20°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Bern 16°C 22°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Luzern 16°C 22°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Genf 16°C 23°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewittrige Regengüsse
Lugano 19°C 26°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft viele Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten