Hamas-Rekrutierte sorgen für Ordnung in Gaza
publiziert: Mittwoch, 20. Jun 2007 / 08:22 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Jun 2007 / 17:01 Uhr

Gaza - Mit grünem Helm und fluoreszierender Weste steht der 19-jährige Luaj Sajeg mitten auf einer tosenden Kreuzung in Gaza und versucht mit hastigen Gesten den Verkehr zu regeln.

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Der junge Rekrut ist Mitglied der Hamas und meldete sich nach der Machtübernahme der Islamisten freiwillig als Verkehrspolizist, um ein bisschen Ordnung in den chaotischen Alltag der Palästinenser zu bringen. Die Fatah ist seit dem Wochenende vertrieben - und damit auch viele Polizisten, die der Palästinenserbehörde unter dem im Gazastreifen entmachteten Präsidenten Mahmud Abbas unterstanden.

Nach den blutigen Kämpfen mit dutzenden Toten wollen die Radikalislamisten für Ruhe sorgen und neue Sympathien bei der Zivilbevölkerung wecken.

Bei Problemen die Kalaschnikow

Genauso wie Sajeg wurde auch der 17-Jährige Amjad el Scharif in einer Moschee angeworben. Er hat sich nach eigenem Bekunden als «Volontär» für zehn Tage verpflichtet. «Die Autofahrer kooperieren mit uns», sagte der junge Mann stolz, der an der Kreuzung El Nasr («Sieg») postiert wurde. An den Strassenecken sind ältere Kämpfer postiert, die den gefürchteten Sicherheitskräften der Hamas angehören. Sie beobachten aufmerksam das Strassenbild - mit einer Kalaschnikow in der Faust. «Sie intervenieren, wenn uns jemand Probleme macht oder nicht gehorcht», sagt El Scharif. «Aber das passiert nicht oft.»

Der 27-jährige Taxifahrer Zijad sagt, dass ihn die Machtübernahme der Hamas wenig freut. «Aber ich muss zugeben, dass wir eine Verbesserung der Sicherheit und Ordnung verspüren», sagt er. Er wisse jedoch nicht, ob die Menschen nur aus Angst den Anordnungen der Hamas folgten.

Ein Hamas-Sprecher drückt sich jedenfalls markig aus: Die Kontrolle des Verkehrs solle zur Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung im Gazastreifen dienen, nachdem «wir uns der Landesverräter entledigt haben».

Strafen für Preistreiber

Auch auf den Märkten, wo die Stände nicht mehr so üppig mit Lebensmitteln aufgefüllt sind, seit Israel die Warenzufuhr an den Grenzübergängen zeitweilig blockierte, patrouillieren Männer der Hamas.

Sie drohen den Händlern Strafen an, falls sie die Preise für Grundnahrungsmittel erhöhen sollten. «Hamas-Mitglieder sind bei allen Grosshändlern von Gaza gesehen worden, um uns zu sagen, dass wir die Preise nicht erhöhen dürfen», sagt einer der wichtigsten Lebensmittelhändler von Gaza, Tajissir El Safadi.

«Wir spekulieren nicht, es sind die kleinen Händler in den Vierteln, die an den Preisen drehen», sagt er.

Angst vor Repressionen

Die Angst vor der Hamas ist bei vielen Menschen im Gazastreifen gross. «Sie wollen die Menschen unterdrücken und terrorisieren», sagt ein Mann, der sich als Abu Mohammad ausgibt. Seinen richtigen Namen will er aus Furcht vor Repression nicht nennen.

«Sie wollen mit Waffengewalt regieren», ist sein Fazit. So hat die Hamas in den vergangenen Tagen auch dazu aufgerufen, die Waffen der geflohenen Fatah-Mitglieder einzusammeln. Raed, ein Polizist, geht vorerst nicht zurück an die Arbeit.

«Ich werde heute nicht arbeiten», sagt er. Er habe kein Vertrauen zu den neuen Machthabern. «Ich bin weder von der Fatah noch von der Hamas - und ich beteilige mich nicht an diesen Verbrechen.»

(Von Sakher Abou el Oun, AFP/sda)

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