Kang scheitert in Schlusssekunde mit Penalty
Handball: Dramatik pur zum Final-Auftakt
publiziert: Sonntag, 6. Mai 2001 / 20:01 Uhr

Winterthur - Der Auftakt zum Handball-Playoff-Final endete in Winterthur nach einer hochdramatischen Schlussphase mit dem 27:26-Auswärtssieg von St. Otmar St. Gallen. Antoine Ebinger, der Goalie der Ostschweizer, parierte in der letzten Sekunde einen Penalty von Pfadi-Regisseur Jae-Won Kang. Dank Ebingers Parade könnten sich die St. Galler nun bereits am kommenden Donnerstag den ersten Meistertitel seit 1986 sichern.

Dramatik pur in der nur mit knapp 2000 Zuschauern besetzten Eulachhalle. Nach einem Foul an Pfadis Flügel Liniger verhängte das Schiedsrichter-Paar Seper/Vogelsang einen strengen Penalty gegen St. Otmar. Ausgerechnet Kang, dem in dieser Partie manch ungewohnter Fehler unterlaufen war, übernahm die Verantwortung, scheiterte quasi mit der Schlusssirene, die Uhr zeigte bereits 60:00 an, und sank völlig frustriert aufs Parkett.

Kang, der in der jüngeren Vergangenheit so oft zu Gunsten Pfadis entschieden hatte, blieb nur noch die Rolle der tragischen Figur. Und zwei, drei Meter nebenan tanzten die St. Galler, feierten Ebinger, ihren Helden, und ihr unerwartetes Break minutenlang, als hätte sie soeben ihren siebten Titel gewonnen. «Ausgleichende Gerechtigkeit» nannte St. Otmar Coach Dominique Gmür Ebingers Schlüsselparade und spielte auf den heiklen Entscheid an, den die Referees in letzter Sekunde gefällt hatten.

Sieben Tore Vorsprung verspielt

Kurz vor Mitte der zweiten Hälfte hätten es wohl nur wenige der zahlreichen St. Galler Supporter für möglich gehalten, am Ende derart um den Sieg zittern zu müssen. St. Otmar hatte sich bis zu jenem Zeitpunkt ein vermeintlich beruhigendes Polster von sieben Treffern erarbeitet, oder besser herauskombiniert. Denn im Gegensatz zu den allzu rückraumlastigen Pfadern trafen die Gäste praktisch von allen Positionen aus regelmässig. Mit ihrem Variantenreichtum im Angriff stellte die Cupsieger die Einheimischen lange Zeit vor unlösbare Probleme.

Die verletzungsbedingten Absenzen der beiden Stammkräfte Markus Keller und Andreas Dittert fielen lange erstaunlicherweise kaum ins Gewicht. Alex Vasilakis ersetzte Keller am rechten Flügel vorab in den ersten 30 Minuten in vorzüglicher Manier. «In der ersten Hälfte lief es mir und der gesamten Mannschaft sensationell gut. Dass wir unsere Absenzen so gut wegstecken konnten, stimmt mich im Hinblick auf den kommenden Donnerstag zuversichtlich», sagte Vasilakis.

Der griechischstämmige Allrounder deckte die defensiven Mängel auf der linken Pfadi-Seite schonungslos auf, traf fünfmal und liess den U21-Internationalen Manuel Liniger älter aussehen als dieser in Tat und Wahrheit ist. Und Ivan Pavlovic interpretierte im Aufbau die Spielmacher-Rolle zwischen Linkshänder Massa und dem schwedischen Professional Hedin zumindest während zweier Drittel der Partie tadellos. In Zusammenarbeit mit Vasilakis war er als Doppeltorschütze wesentlich am klassischen Fehlstart der Pfader beteiligt, die sich schon in den ersten fünf Minuten einen 1:5- Rückstand eingehandelt hatten.

Erst als die St. Galler Kräfte merklich schwanden -- St. Otmar Gmür hatte mangels Alternativen praktisch während der gesamten Spielzeit auf einen Wechsel verzichten müssen --, fand Pfadi die nötigen Räume vor zur Steigerung. Innerhalb kurzer Zeit verdreifachte sich die Fehlerquote der Otmärler, wobei zu sagen ist, dass auch Pfadis eingewechselter Torhüter Simon Osterwalder exakt im richtigen Moment mit herausragenden Paraden zu glänzen begann. Osterwalder gelang es so, seine bis dahin enttäuschenden Mitspieler wachzurütteln.

Die Kombination der individuellen Aussetzer mit den Reflexen Osterwalders mündete zwischen der 49. und der 54. im kollektiven St. Galler Zusammenbruch. Erdin liess sich den Ball abluchsen, Massa schoss daneben und scheiterte wenig später ein zweites Mal an Osterwalder, Derungs' Versuch prallte an die Latte, und Pavlovic verfehlte das Tor ebenso zweimal. Während sieben Minuten bestürmten die Ostschweizer vergeblich das Pfader Tor.

«So haben wir uns eine unnötig unangenehme Schlussphase beschert», befand St. Otmars Spielertrainer Robert Hedin zur Schwächeperiode, die um ein Haar fatale Konsequenzen nach sich gezogen hätte, «aber Kang hat ja den entscheidenden Penalty verschossen.» Seitens der Pfader bemängelte Coach Ernst Liniger «die völlig unzureichende erste Hälfte das schwache Defensivverhalten.» So etwas dürften sie sich kein zweites Mal erlauben, schob Liniger mit der Zornesröte im Gesicht nach -- dem ist nichts beizufügen.

Pfadi Winterthur - St. Otmar. St. Gallen 26:27 (10:15)

Eulachhalle. -- 1970 Zuschauer.
SR: Seper/Vogelsang.
Torfolge: 0:3, 1:3, 1:5, 3:5, 3:6, 4:7, 4:10 (19.), 5:10, 5:11, 6:11, 6:13, 9:13, 9:14, 10:14, 10:15; 12:16, 13:17, 13:18, 14:19, 14:21 (43.), 16:21, 16:22, 17:23, 18:23, 18:24 (48.), 23:24 (54.), 23:25, 25:25 (57.), 25:26, 26:26, 26:27.
Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Pfadi, 4mal 2 Minuten gegen St. Otmar.

Pfadi Winterthur: Dobler/Osterwalder (ab 43.); Vass, Stauber, Liniger, Dieffenbach (3), Zumstein (4), Chi-Hyo Cho (8), Gautschi (3), Kang (3), Perkovac (5/1).
St. Otmar St. Gallen: Bläuenstein/Ebinger (31. bis 54. plus für 1 Penalty); Hedin (6/1), Vasilakis (7), Derungs (5), Erdin (2), Günthardt, Massa (3), Pavlovic (4).

Bemerkungen: Pfadi komplett, St. Otmar ohne Keller und Dittert (beide verletzt). Timeouts: Pfadi (18./4:9), St. Otmar 27./9:13, 51./21:24). Dobler hält Penalty von Pavlovic (39./13:18). Ebinger hält Penalty von Kang (60:00/26:27).

(kil/sda)

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