Handball: Schweizer liessen sich vom Weltmeister nicht vorführen
publiziert: Mittwoch, 28. Jan 2004 / 20:16 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 28. Jan 2004 / 21:28 Uhr

Die zweite Niederlage in der EM-Hauptrunde in Celje hätte für die Schweizer Handballer deutlicher ausfallen können. Weil sich der Weltmeister aus Kroatien am Schluss aufs Minimum beschränkte, unterlagen die Aussenseiter nur 27:30.

Robbie Kostadinovic kann sich gegen die kroatische Verteidigung nicht durchsetzten.
Robbie Kostadinovic kann sich gegen die kroatische Verteidigung nicht durchsetzten.
Es würde gewiss nicht den Fakten entsprechen, nur aufgrund des relativ knappen Resultats zu behaupten, es habe sich beim Vergleich der beiden so unterschiedlichen Teams um eine umstrittene Angelegenheit gehandelt.

Zwischen der 52. und der 58. Minute liess der Favorit im Wissen um den ungefährdeten Erfolg in aufreizender Manier acht Gegentreffer zu, ohne selber einen einzigen Pluspunkt zu setzen.

Mit einem Timeout setzte der leicht enervierte kroatische Coach Lino Cervar der Auszeit seines (überheblichen) Personals ein Ende.

Bis unmittelbar vor der Pause hatten die Kroaten dem Herausforderer mit Serien fehlerhafter Angriffe geradezu Hand zum ausgeglichenen Spielstand geboten.

Bei einem Thomas Gautschi oder einem Iwan Ursic fehlte das Durchsetzungsvermögen, von den Offerten des (lange) lustlosen Weltmeisters Gebrauch zu machen.

Anderen wie Topskorer Robbie Kostadinovich fehlte schlicht die Kraft und wohl auch die gesundheitliche Verfassung zur höheren Torproduktion. Für die Klasse des Patrons der SHV-Auswahl sprachen aber dessen sieben Treffer, obschon er sich während der gesamten Spielzeit sichtlich zurückgehalten hatte.

Erst mit reichlicher Verzögerung mochte sich der Leader der Gruppe 1 dann doch nicht der Gefahr einer Blamage aussetzen. Immerhin haben sich ja doch ein paar ihrer Landsleute in die Halle bemüht und Livebilder waren in der Heimat ebenfalls zu empfangen.

Eine Tempoverschärfung genügte Anfang der zweiten Hälfte zur markanten Verbesserung der Offensivbilanz. Am meisten trat Ivano Balic, den Pfadern als Regisseur Metkovics ein Begriff, in Erscheinung. Unter seiner Regie schuf das weltmeisterliche Ensemble innerhalb kurzer Zeit eine Differenz von sieben Toren.

"Das fünfte Spiel innerhalb von sieben Tagen hat Spuren hinterlassen", zog Arno Ehret ein wenig überraschendes Fazit. "Dass die Spritzigkeit fehlte, sah man ja." Die Einschätzung des Chefs betraf Aufbauer Gautschi am meisten.

Dem baumlangen Pfader ist ein weiteres Mal vorzuwerfen, dass er auf hohem Niveau ein gewisses Mass an Zuverlässigkeit vermissen lässt. Aus neun Schüssen resultierten zwei erfolgreiche Abschlüsse.

"Von ihm würde ich mir schon einmal wünschen, dass er sein Level während des gesamten Turniers halten könnte", kritisierte auch Ehret die fehlende Konstanz des Aufbauers.

Das positive Gegenstück zum vermeintlichen Leistungsträger Gautschi bildete Simon Brogli. Der Rechtsaussen nutzte auch den fünften Auftritt zu einer grundsoliden Leistung, die ihm im Vorfeld dieser EM wohl kaum jemand zugetraut hatte.

Mit vier Toren bei nur einem Fehlversuch hielt er am Ende erneut bei einer 80-prozentigen Effizienzquote -- ein Wert, mit dem sich der Flügel zumindest auf statistischer Basis mit den Weltbesten seines Fachs vergleichen dürfte.

Brogli und mit ihm eigentlich fast allen Schweizern ist grundsätzlich hoch anzurechnen, sich von einem am Ende hochnäsigen Kontrahenten nicht der Lächerlichkeit preisgegeben zu haben.

In Anbetracht der Tatsache, dass die zweite Niederlage in Serie schon deutliche Konturen anzunehmen drohte, ist die starke Reaktion durchaus zu gewichten.

Obschon sie keine Punkte einbrachte, verhalf die Vorstellung der letzten Minuten zu einem sehr erträglichen Schlussstand; oder, um es in den Worten Ehrets zu formulieren, "vernünftigen Ergebnis".

Schweiz - Kroatien 27:30 (13:15)

Pod Golovcem, Celje. -- 1200 Zuschauer. -- SR Csaba Kekes/Pal Kekes (Un). -- Torfolge: 1:0, 1:2, 2:2, 2:4, 3:4, 3:5, 8:5, 8:6, 9:6, 10:7, 10:11, 12:11, 12:13, 13:13, 13:15; 13:16, 15:17, 15:19, 16:19, 16:20, 17:20, 17:23, 18:23, 18:27, 19:27, 19:29 (52.), 26:29 (58.), 26:30, 27:30. -- Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 4mal 2 Minuten gegen Kroatien.

Schweiz: Ebinger/Stauber (für vier Penaltys und ab 49.); Brogli (4), Kurth (3), Ursic (3), Lima (5), Liniger, Gautschi (2), Kostadinovich (7/4), Furer (1), Stettler, Brüngger (2).

Kroatien: Matosevic/Kelentric (ab 20.); Kaleb (4), Sulic (5), Balic (6), Vukas , Lackovic (1/1), Zrnic, Vori (2), Dominikovic (2), Dzomba (5/2), Valcic (3), Goluza (2), Spoljaric.

Bemerkungen: Schweiz ohne Meisterhans, Vonlanthen (beide überzählig), Schärer und Fellmann (beide nicht eingesetzt). Stauber hält Penalty von Goluza (19./10:9). Lackovic verschiesst Penalty (30./13:15). Timeouts: Schweiz (20./10:9, 46./18:25), Kroatien (12./8:5, 57./24:29). Kurth mit Prellung in der 47. Minute ausgeschieden.

Gruppe II:

Tschechien - Frankreich 32:31 (17:15)

Ljubliana. -- 1000 Zuschauer. -- SR Plesa/Carligeanu (Rum). -- Beste Torschützen Tschechiens: Juricek (9), Kraus (5), Heinz (5). -- Beste Torschützen Frankreichs: Guillaume Gille (6), Girault (6), Burdet (5).

Ungarn - Serbien-Montenegro 29:29 (10:15)

Ljubliana. -- 5000 Zuschauer. -- SR Goulau/Macau (Por). -- Beste Torschützen Ungarns: Csaszar (7), Nagy (6). -- Beste Torschützen Serbien-Montenegros: Milosavljevic (9), Maksic (4), Lapcevic (4).

(von Sven Schoch, Celje/Si)

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