Handball: Vorqualifikation für EM 2004
publiziert: Mittwoch, 8. Jan 2003 / 19:36 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 8. Jan 2003 / 20:57 Uhr

(Si) Mit einem ungefährdeten 30:24-Sieg in Bulgarien haben die Schweizer Handballer in der EM-Vorqualifikation ihren Fauxpas von Riga einigermassen korrigiert. Als massgebend für die gelungene Pflichterfüllung wirkte sich der makellose Start aus.

Robbie Kostadinovich in Aktion.
Robbie Kostadinovich in Aktion.
Nach den kläglichen Fehltritten in Lettland (21:25) waren sich die SHV-Techniker einig: Der frühe Tiefpunkt in der Kampagne war erreicht, ein weiterer Fall des Levels fast ausgeschlossen. Die erhoffte, ja unabdingbare Steigerung liess nicht lange auf sich warten. Dass der teils inferiore Kontrahent der aktiven (und erfolgreichen) Schweizer Frustbewältigung wenig eigene Qualitäten entgegenzusetzen hatte, brauchte nach Spielschluss keinen der klar besseren Gäste zu kümmern.

"Wir haben die Pflicht erfüllt und gewonnen", resümierte der nicht restlos, zweifelsfrei aber zu grossen Teilen zufriedene Nationalcoach Arno Ehret. Ohne überheblich wirken zu wollen, sei der Blick bereits auf die Mazedonien-Woche zu richten, gab der Deutsche die Devise aus. "Denn wer diese Bulgaren im Rückspiel nicht schlägt, hat in einer solchen Qualifikation nichts zu suchen."

Liniger auf gutem Pfad
Einen klaren Aufwärtstrend hat indes auch Ehret registriert. Keiner symbolisierte den Aufschwung besser als Manuel Liniger. Der erst 21-jährige Linksaussen von Pfadi vertrat den wegen einer Adduktorenzerrung pausierenden Carlos Lima exzellent. Seinen Gegenstosstoren zum 2:0 und 3:0 liess der vielversprechende Flügel fünf weitere wichtige Treffer folgen. Noch in Riga hatte ihn die zugegeben schwierige Aufgabe, nach Limas Ausfall plötzlich einen erheblichen Teil der Last mittragen zu müssen, fast paralysiert.

Drei Tage später trat Liniger wie verwandelt in Erscheinung. Seinem virtuosen Abschlussrepertoire war keiner der bulgarischen Goalies auch nur im Ansatz gewachsen. Und nicht einer seiner schwierigen Würfe entsprang dem Zufall. Den knapp 400 Zuschauern blieb ob der verblüffenden Künste des Jünglings mehrmals nur das Staunen.

Am Tag vor der Partie hatte sich Ehret mit Liniger länger unterhalten. "Arno fragte mich nach meinem Befinden. Er wollte von mir wissen, weshalb ich in Riga so ängstlich gespielt habe." Das grosse, im Kreis der Nationalmannschaft (noch) zu starken Schwankungen ausgesetzte, manchmal auch vom eigenen Ehrgeiz gebremste Talent hat nach der Aussprache die richtigen Schlüsse gezogen. "Zwei gute Aktionen am Anfang halfen mir dabei."

Playoff-Annäherung
Dank dem insgeheim sicher kalkulierten, nach der Aufführung vom letzten Sonntag schlicht nicht mehr vorauszusetzenden Auswärtssieg hat sich die Auswahl von Trainer Arno Ehret nun eine augezeichnete Ausgangslage geschaffen. Verlieren die Letten heute Donnerstag ihr Heimspiel gegen Leader Mazedonien und dann auch das Rückspiel, wären die Schweizer mit einem weiteren (zwingenden) Erfolg nicht mehr vom Playoff-Platz zu verdrängen. Ihnen böte sich bei idealer Entwicklung gar die Chance, als erstklassierter Qualifikant ein Playoff-Duell mit einem WM-Teilnehmer zu vermeiden.

Rasch klare Verhältnisse
In Bulgarien hatte nach wenigen Minuten niemand mehr Grund, irgendwelche Spekulationen anzustellen. Zu souverän starteten die Schweizer, als viel zu hastiges und fehlerhaftes Ensemble präsentierten sich die Einheimischen im zur Sporthalle umfunktionierten Stadt-Theater. Acht der ersten neun Angriffe schlossen die weitaus konzentrierteren Schweizer erfolgreich ab. Coach Penko Zlatov hatte deswegen schon nach wenigen Minuten alle Veranlassung, das wegweisende SHV-Startfurioso mit einem Timeout zu unterbinden.

Sie steigerten sich mit Hilfe des eingewechselten Goalies Ivanov zwar, die limitierten Spieler in Grün-Weiss, und reduzierten die Differenz bis zur 27. Minute sogar auf zwei Treffer, richtige Hektik vermochten sie nie zu erzeugen. Ausser dem zwölffachen Torschützen Nicolai Boev stand nun wirklich kein Bulgare von internationalem Format auf dem Parkett. "Die Letten waren besser, die hatten wirklich mehr zu bieten", urteilte selbst Ehret, ohne die grundsolide Darbietung seiner eigenen Mannschaft schmälern zu wollen.

Anders als in Lettland bewegte sich kaum ein Schweizer länger unter einem gewissen Standard. Fast alle erfüllten den Anspruch und die Vorgabe Ehrets, das Risiko besser zu dosieren, das eigene Leistungsvermögen besser zu spüren, die prekären Situationen hinten wie vorne richtig einzustufen. Und sie liessen sich nicht mehr so einfach aus dem Konzept bringen. Ein Robbie Kostadinovich (8 Tore) riskierte in der ersten Hälfte zu viel, scheiterte für seine Verhältnisse oft, ehe er nach der Pause mit sechs Treffern wieder zum wesentlichen Faktor avancierte.

Bulgarien - Schweiz 24:30 (13:16)

Sport- und Theaterhalle Driovetz, Gabrovo. -- 398 Zuschauer. -- SR Solodko/Solodko. -- Torfolge: 0:3, 1:3, 1:6, 2:6, 2:8 (9.), 4:8, 4:11, 7:11, 7:12, 9:12, 9:14, 12:14 (27.), 12:15, 13:16; 13:18, 14:18, 14:20, 15:21, 17:21 (40.), 17:25 (47.), 19:25, 20:27, 23:27, 23:30, 24:30. -- Strafen: 7mal 2 Minuten plus Rote Karte (57. Jordanov/Foul) gegen Bulgarien, 6mal 2 Minuten gegen die Schweiz.

Bulgarien: Ivanov/Petrov (9. bis 51.); Chakmov (1), Mliakov (1), Rachev, Jardim, Boev (12/2), Bozhinov (2), Svetlozar Nikolov (3), Chernev, Georgi Nikolov (4), Stefanov (1), Jordanov, Vladkov.

Schweiz: Meisterhans/Ebinger (25. bis 30.); Vonlanthen (1), Brogli (1), Kurth (2/1), Liniger (7), Schärer, Ursic (2), Stettler (1), Brüngger (2), Kostadinovich (8/2), Gautschi (6).

Bemerkungen: Schweiz ohne Lima (Adduktorenzerrung), Moser (nicht eingesetzt), Joder, Erdin und Stauber (alle nicht im Aufgebot). Kurth verschiesst Penalty (6./1:5). Boev schiesst Penalty an die Latte, trifft aber im Nachschuss (56./23:27). Timeouts: Bulgarien (7./1:6, 46./17:24), Schweiz (27./12:14, 56./22:27).

(rr/sda)

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