Handel mit illegalen Medikamenten boomt
publiziert: Mittwoch, 28. Jul 2010 / 13:02 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 28. Jul 2010 / 15:33 Uhr
Swissmedic: Internet-Handel mit Schlankheitsmitteln boomt.
Swissmedic: Internet-Handel mit Schlankheitsmitteln boomt.

Bern - Der Handel mit möglicherweise gefährlichen und illegalen Arzneimitteln boomt. Die Zollverwaltung meldete dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic im ersten Halbjahr 2010 total 992 verdächtige Importe, 75 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode.

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Meist handelte es sich um rezeptpflichtige Arzneimittel, und fast die Hälfte aller Sendungen (45 Prozent) kam aus Indien, wie Swissmedic am Mittwoch mitteilte. Swissmedic geht aber davon aus, dass pro Jahr über 50'000 Medikamenten-Sendungen illegal ins Land gelangen, wie Sprecher Joachim Gross auf Anfrage sagte.

«LiDa Daidaihua» boomt

Der Anteil von Schlankheitsmitteln ist bei den beschlagnahmten Sendungen von 14 auf 26 Prozent gestiegen. Grund dafür ist eine laut Swissmedic «besorgniserregende» Häufung von Importen des gefährlichen Schlankmachers «LiDa Daidaihua». Das Mittel enthält - ohne Deklaration - den rezeptpflichtigen Wirkstoff Sibutramin.

In der Schweiz und der EU dürfen zugelassene Arzneimittel mit Sibutramin seit kurzem nicht mehr in Verkehr gebracht werden, insbesondere wegen möglicher Herz-Kreislauf-Komplikationen, wie Swissmedic schreibt. Häufige Nebenwirkungen sind ausserdem Kopfweh, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Verstopfung und Schlaflosigkeit.

Den höchsten Anteil der beschlagnahmten Sendungen machten wie schon im Vorjahr Erektionsförderer aus, nämlich 31 Prozent. 6 Prozent der Sendungen enthielten rezeptpflichtige Haarwuchsmittel, und je 5 Prozent Muskelaufbaupräparate respektive Arzneimittel mit Abhängigkeitspotenzial und Schlafmittel.

Oft aus Indien

Herkunftsland von verdächtigen und potenziell illegalen Sendungen war in vielen Fällen Indien (45 Prozent). Dahinter folgten westeuropäische Staaten (zusammen 35 Prozent), Asien (ohne Indien) mit 6 Prozent sowie Inselstaaten in den Tropen (Vanuatu, Seychellen) und Osteuropa mit je 3 Prozent.

Wird eine illegale Arzneimittel-Sendung am Zoll abgefangen, hat das Folgen für den Empfänger. Das Produkt werde vernichtet und der Adressat erhalte mit der Benachrichtigung eine Rechnung über 300 Franken, sagte Gross. Der Betrag entspreche den Kosten des Verwaltungsverfahrens von Swissmedic.

Falsche oder irreführende Angaben

Das Schlankheitsmittel «LiDa Daidaihua» werde im Internet mit falschen oder irreführenden Angaben beworben, warnt Swissmedic. Entgegen der Behauptungen von Lieferanten sei der Wirkstoff Sibutramin im Produkt weder reduziert noch eliminiert worden. Das hätten regelmässige Laboruntersuchungen gezeigt.

Jede Kapsel «LiDa Daidaihua» enthält Sibutramin in einer derart hohen Dosis, dass die Gesundheit der Konsumenten ernsthaft gefährdet ist. Hinter den Webseiten, die dieses Präparat und auch andere mit chemischen Wirkstoffen verfälschte Produkte anbieten, steckten keine Apotheken, sondern kriminelle Organisationen.

Swissmedic warnt generell davor, Arzneimittel im Internet zu bestellen. Oft besonders gefährlich - da mit synthetischen Produkten verfälscht - seien Produkte, die als rein natürlich angepriesen würden.

(ade/sda)

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