Handelsforum Schweiz - USA
publiziert: Sonntag, 29. Jan 2006 / 12:12 Uhr

Davos - Die Schweiz und die USA stellen ihre Handelsbeziehungen auf eine neue Basis. Nach dem Scheitern eines Freihandelsabkommens wird ein Handels- und Investitionsforum ins Leben gerufen.

Joseph Deiss freut sich über die Entwicklung.
Joseph Deiss freut sich über die Entwicklung.
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Bundesrat Joseph Deiss und der US-Handelsbeauftragte Robert Portman einigten sich am Wochenende am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nach mehrtägigen Verhandlungen auf diese neue Form der Zusammenarbeit.

Das Forum, in dem Beamte beider Länder Einsitz nehmen werden, soll den regelmässigen Austausch über die verschiedenen Gebiete erlauben, in denen eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ins Auge gefasst wird.

Angestrebt werden bilaterale Verträge auf einzelnen Gebieten. Wo diese gemeinsamen Interessen liegen, soll in den kommenden Wochen definiert werden. Bis Mitte Jahr soll über die Fortschritte Bilanz gezogen werden.

Bescheidenere Forderungen

Die USA seien bereit, von ihren umfassenden Forderungen, die sie mit Blick auf ein Freihandelsabkommen gestellt hatten, abzurücken, sagte Bundesrat Joseph Deiss vor den Medien in Davos.

Bisher beharrte Washington auf einem umfassenden Abkommen, das insbesondere auch den Agrarsektor einschliesst.

In der Schweiz gab es aber Widerstand gegen einen Abbau des Grenzschutzes für die Landwirtschaft. Die Schweiz verlangte daher mehr Flexibilität, etwa für sensible Produkte-Kategorien wie zum Beispiel Fleisch.

Interesse noch vorhanden

Ganz vom Tisch ist ein Freihandelsabkommen jedoch nicht. Beide Länder seien weiterhin an einem umfassenden Abkommen interessiert, hiess es.

Die Gespräche könnten zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden. Das neue Forum könne daher als Zwischenlösung gesehen werden.

Die Idee eines Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und den USA war im letzten Sommer lanciert worden.

Kritik von economiesuisse

Doch der Gesamtbundesrat lehnte es vor zwei Wochen ab, Volkswirtschafstminister Deiss mit einem Verhandlungsmandat auszustatten. Dieser Entscheid stiess insbesondere bei economiesuisse auf heftige Kritik.

Thomas Pletscher, Mitglied der economiesuisse-Geschäftsleitung, reagierte nun zurückhaltend auf das neue Forum.

Es sei «begrüssenswert», dass die Gespräche mit den USA weitergeführt würden. Man dürfe sich aber keine falschen Hoffnungen machen. Denn die Wachstumseffekte fielen mit sektoriellen Lösungen geringer aus als mit einem umfassenden Abkommen.

(rr/sda)

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