Wegen Bundesgerichtsurteil:
Hanfanbauer CannaBioland entlässt 50 Angestellte
publiziert: Samstag, 1. Jul 2000 / 16:20 Uhr

Litzistorf FR (sda) Die Hanfanbau-Firma CannaBioland in Litzistorf FR entlässt sämtliche 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Begründet wird der Entscheid mit einem Urteil des Bundesgerichts, das den Höchstwert des Hanf-Wirkstoffs THC auf 0,3% festlegt.

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Das Bezirksgericht Sense hatte die zwei Leiter von CannaBioland am Dienstag zu Gefängnisstrafen von 30 und 24 Monaten verurteilt. Es achtete es als erwiesen, dass sie das Betäubungsmittelgesetz wissentlich verletzt hatten. Das Gericht stützte sich dabei auf ein kurz zuvor in einem anderen Fall ergangenenes Urteil des Bundesgerichts, das eine THC-Obergrenze von 0,3% bestätigte.

Die Entlassungen erfolgten aufgrund des Bundesgerichts-Urteils und nicht jenes des Bezirksgerichts Sense, heisst es in einem Communiqué des Multibureau in Giffers vom Samstag; das Büro besorgt die Administration von CannaBioland. Über die Entlassung entschieden habe Hanfbauer Armin Käser, einer der beiden Leiter von CannaBioland.

Kein legaler Verkauf mehr möglich

«Die Analyse des Bundesgerichts-Urteils hat gezeigt, dass die rechtliche Situation vorläufig keinen legalen Verkauf eines Grossteils der CannaBioland-Produkte mehr erlaubt», sagte Käsers Anwalt Markus Meuwly auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

CannaBioland verkaufte unter anderem Getränke, Kosmetika, Kissen und Kleider aus Hanf. Ihren Hauptumsatz erzielte die Firma aber mit Hanftee, dessen THC-Gehalt laut Meuwly zwischen 0,3 und 4 Prozent liegt. Die im Rahmen des Prozesses angewandten Anlysemethoden werden von Käser aber teilweise bestritten.

Der Umsatz von CannaBioland wird für die Zeit von 1994 bis 1997 auf 6 Mio. Franken, der Gewinn auf 1,6 Mio. geschätzt.

«Fragwürdiger Bundesgerichtsentscheid»

Das Urteil des Bezirksgerichts ist laut Meuwly aufgrund eines «fragwürdigen Bundesgerichtentscheids» zustande gekommen. So sei der THC-Grenzwert von 0,3 Prozent nicht im vom Bezirksgericht herangezogenen Betäubungsmittelgesetz, sondern bloss in einer Verordnung des Landwirtschaftsgesetzes enthalten.
Laut Meuwly enthalten zudem auch jene Hanfsorten, die vom Bund zugelassen sind, je nach Analysemethode teilweise mehr als 0,3 Prozent THC.

Urteil in Abwesenheit

Hanfbauer Käser ist nach einem Tauchunfall rekonvaleszent und kehrt vorausichtlich nächste Woche von einem Aufenthalt in Brasilien zurück, wie Meuwly weiter sagte. Das Bezirksgericht hatte sein Urteil in Abwesenheit Käsers gefällt.
Nach seiner Rückkehr will Käser die Lage neu analysieren und den Entscheid über die Weiterführung von CannaBioland treffen, wie es in dem Communiqué weiter heisst.

Bis vor Bundesgericht

Meuwly will nach Käsers Rückkehr eine Wiederholung des Prozesses vor dem Bezirksgericht Sense in der Anwesenheit Käsers verlangen. Notfalls gehe er in dem Fall bis vor Bundesgericht, sagte Käsers Anwalt weiter.

Das Bezirksgericht Sense hatte Armin Käser zu 30 Monaten, den mitverantwortlichen Präsidenten der Schweizer Hanffreunde, Jean- Pierre Egger, zu 24 Monaten Gefängnis verurteilt. Käser muss ausserdem 1,2 Mio. Franken für den Gewinn aus dem Hanfverkauf abliefern, Egger soll 215 000 Franken zahlen.

(ba/sda)

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