Hannawald ist wieder Skiflug-Weltmeister - Ammann flog auf Rang 5
publiziert: Sonntag, 10. Mrz 2002 / 12:54 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 10. Mrz 2002 / 15:54 Uhr

Harrachov - Simon Ammann belegte nach dem ersten Tag der Skiflug-WM in Harrachov (Tsch) den 5. Rang und konnte die Aufholjagd Richtung Medaille nicht mehr fortsetzen, weil die Durchgänge 3 und 4 dem Wind zum Opfer fielen. Den Titel holte wie 2000 Sven Hannawald (De). Zweiter wurde Martin Schmitt (De) und Dritter Matti Hautamäki (Fi).

Mit Weiten von 184,5 und 195,5 m, der drittgrössten Weite eines Schweizers überhaupt, hielt sich Doppel-Olympiasieger Simon Ammann bei schwierigen Bedingungen beachtlich. Als Fünfter lag er nur gerade 8,3 Punkte hinter dem zweitplatzierten Martin Schmitt. Seinen «Steigerungsflug» auf das Podest konnte der Gymnasiast, der in Harrachov seine Skiflug-Première feierte, am Sonntag nicht mehr fortsetzen. Windgeschwindigkeiten von bis zu 20 Meter pro Sekunde liessen kein Fliegen mehr zu. So ging der Sieg an Sven Hannawald, der mit zweimal 202 m nicht nur als einziger zweimal die «ominöse Marke» übertraf, sondern auch mit 28 Punkten Vorsprung siegte. Ammann verfehlte Bronze nur um 3,4 Zähler, oder umgerechnet drei Meter.

Pendel verkürzt

Der Skiflug-Neuling Ammann hatte aus dem einzigen Trainingssprung gelernt und das Pendel verkürzt, das hinten am Schuh fixiert ist. Der 20-jährige Toggenburger, der nach dem ersten Durchgang an siebter Stelle gelegen hatte, schuf keinen Höhenrekord mehr wie noch im Training. Aber auch weitenmässig kam er nicht auf die sehnlichst erhofften 200 m. Dazu waren im ersten Durchgang die Bedingungen mit Rückenwind nicht optimal genug. Zweimal musste «Simi» den Balken wieder verlassen, ehe er sich schliesslich nach rund fünf Minuten Wartezeit in den Anlauf stürzen konnte. «Mir sind die Füsse fast abgefault», sagte Ammann zur Warterei, «und dann war ich beim Absprung auch noch zu früh.»

Im zweiten Durchgang, als die Jury wieder etwas mehr Anlauf (2 Gates höher) gab, flog Ammann dann auf 195,5 m. Nur Andreas Küttel (196,5) und Sylvain Freiholz (196) sind schon weiter geflogen als er. «Ich verbessere mich zwar von Sprung zu Sprung», sagte Ammann nach seinem dritten Flug am Teufelsberg in Harrachov. «Aber ganz zufrieden bin ich nicht, denn es würde nur wenig mehr brauchen, um weiter zu fliegen. Ich will sicher mehr.» Angreifen konnte er dann am Sonntag nicht mehr. «Ich wäre gerne noch gesprungen, aber bei diesen schwierigen Windbedingungen hätte es keinen Spass gemacht», sagte Ammann, der mit dem erreichten Resultat «hoch zufrieden» war. Es wurmte ihn auch nicht, dass er die 200-m-Marke nicht hatte knacken können. «Beim Skfliegen geht es nicht nur um diese 200 Meter, es geht darum gut zu springen. Das ist mir dank einer guten Form auch gelungen.»

Küttel ausgeschieden

Mit Glück schaffte Sylvain Freiholz im ersten Durchgang als 28. den Sprung unter die besten 30, die in den weiteren drei Umgängen teilnehmen konnten. Der Waadtländer, der nach dem ersten Tag auf Rang 25 liegt, benötigte dazu einen Flug auf 151 m. Im zweiten Durchgang durfte der WM-Dritte von 1997 zweimal ran. Nach einem Hüpfer auf 113 m -- danach verlängerte die Jury den Anlauf -- schaffte er 156,5 m. «Es war kein Katastrophensprung, aber ich kam viel zu flach raus», sagte der Olympia-Sechste Andreas Küttel, der nach dem ersten Flug enttäuschender 36. war und in der Folge zuschauen musste. «Er hat nach dem Absprung zu wenig gemacht, alle kamen so flach heraus», kommentierte Nationaltrainer Berni Schödler den Sprung.

Unfaire Zuschauer

Eine wahre Tortur musste Sven Hannawald zweimal über sich ergehen lassen, bevor er springen konnte. Auf dem Lift, der ihn zum Turm brachte, wurde er vom zum Teil unfairen Publikum mit Schneebällen beworfen. «Das war unfair, was die hier geboten haben, ich wurde einige Male voll getroffen», sagte «Hanni», der nach dem Tourneesieg den zweiten grossen Triumph in dieser Saison feierte und den Titel erfolgreich verteidigte. «Trotz den Belästigungen hatte ich zwei gute Sprünge, und ich hoffe, dass ich auch am Sonntag dieses schöne Fluggefühl geniessen kann», sagte der Deutsche, der sich in Lillehammer speziell auf das Fliegen vorbereitet hatte, am Samstag. Nach der Absage am Sonntag hatte «Hanni» die Schneebälle schon fast vergessen. «Ich freue mich, dass ich den Titel verteidigt habe. Das ist ein wunderschönes Gefühl. Ich bin auch stolz, dass Martin und ich gleich zwei Medaillen für Deutschland geholt haben.»

Nach dem 6. Rang vor zwei Jahren in Vikersund war Martin Schmitt glücklich über die Silbermedaille. «Nach dem Sieg in Lahti habe ich gespürt, dass meine Zielsetzung, ein Podestplatz, realistisch ist. Dieser 2. Platz ist nach dem Teamgold bei Olympia ein weiterer schöner Erfolg in dieser Saison, nachdem ich zu Beginn nicht so erfolgreich gewesen war.»

Am einzigen WM-Flugtag bekam das Publikum insgesamt sieben Flüge über 200 m zu sehen. Der weiteste gelang Matti Hautamäki im Probedurchgang, in dem er mit 214,5 m den Schanzenrekord seines Teamkollegenn Risto Jussilainen um zwei Meter verbesserte. Dabei hatte sich Hautamäki auch den Ski angebrochen, der dann im 1. Durchgang (202,5 m) endgültig kaputt ging. «Ich wäre gerne noch etwas besser gewesen, aber bei diesem Wind war es unmöglich zu fliegen», sagte der Finne leicht enttäuscht. In der Geschichte des Skifliegens gibt es nach dieser WM nun insgesamt 239 Flüge über 200 m.

(bal/sda)

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