Harmonie auf Zeit
publiziert: Freitag, 15. Aug 2003 / 09:43 Uhr

Die Meldung war zunächst spektakulär und verheissungsvoll: Ein indisch-stämmiger Brite wurde vom FBI dabei verhaftet, wie er versuchte, in den USA eine Boden-Luft-Rakete an Terroristen zu verkaufen. Und das wird auch das sein, was im Gedächtnis der Öffentlichkeit hängen bleibt Die Botschaft: die amerikanische Bundespolizei schlägt zurück und sie arbeitet wieder effizient und wirksam. Die Sekundärmeldungen, die keine acht Stunden später zu lesen waren, aber nicht mehr so laut über CNN verkündet wurden, rückten die Geheimdienstaktion wieder in ein anderes Licht. Aus dem 'bekannten Waffenhändler' wurde ein Angeber, auf dessen Prahlereien, er könne eine russische Boden-Luft-Rakete besorgen, das FBI zufällig aufmerksam geworden war. In einer bisher beispiellosen Kooperation des russischen Geheimdienstes FSB und des FBI wurde der selbsternannte Waffenschmuggler erst mit einem Angebot gelockt und in Russland mit einer unbrauchbaren Rakete ausgestattet. Der Schmuggel der als medizinisches Material deklarierten Igla-Rakete in die USA fand auch unter den schützenden Händen der Geheimdienste statt, denn es bestand kein Interesse daran, den Deal auffliegen zu lassen, bevor er wieder in den USA war, wo dann der Coup als triumphaler Schlag gegen den Internationalen Terrorismus gefeiert wurde. Das Detail, das weit und breit kein Terrorist, sondern nur Schlapphüte und ein geldgieriger, gewissenloser Brite zu sehen waren, wurde dabei nicht allzu sehr betont. Alles nur heisse Luft? Nicht ganz, haben doch hier zum ersten Mal russische und amerikanische Geheimdienste, die auch noch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus einander spinnefeind waren, zusammengearbeitet. Dass sie für die Premierenvorstellung einen Dummy als Hauptdarsteller erkoren, ist verständlich. So wurde ein Erfolg praktisch garantiert und das Risiko, bei der ersten gemeinsamen Pressekonferenz eine Niederlage einzugestehen, minimiert. Doch die Bewährungsprobe der Zusammenarbeit kommt erst noch. Russland hat genau wie die USA ein Terrorproblem mit muslimischen Fundamentalisten. Es zeichnet sich auch immer klarer ab, dass diese Terrorgruppen, stammen sie nun aus Saudi Arabien, Tschetschenien oder Indonesien, miteinander vernetzt sind. Die Zusammenarbeit von Geheimdiensten auf einer internationalen Ebene ist deshalb von immer grösserer Wichtigkeit, da vielfach erst die Informationen von verschiedenen Seiten ein brauchbares Bild ergeben. Doch so einfach wie bei diesem inszenierten Erfolg wird es nicht werden. Zum einen sind echte Terroristen nicht mit dem Prahlemann aus Grossbritannien zu vergleichen, zum anderen stehen einer Zusammenarbeit der Geheimdienste über die Grenzen hinweg die fundamentalen Interessen der jeweiligen Regierungen im Wege. Das Hick-Hack um die Afghanistan-Einsätze, irakische Ölförderrechte, Nato-Osterweiterung und Menschenrechtsprobleme in Tschetschenien sind da nur die jüngsten Zankäpfel. Die Nagelprobe wird dann stattfinden, wenn einer der Dienste Informationen hat, die zum eigenen Vorteil gereichen, wenn sie der andere nicht hat. Es darf daran gezweifelt werden, dass auch in einem solchen Moment die Einigkeit herrschen wird, die jetzt eben noch zelebriert wurde. Denn wenn es ein Wort gibt, das Geheimdienste nicht beschreibt, ist dies wohl: 'Uneigennützig'.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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