«Hauptsache Sicherheit»
publiziert: Samstag, 29. Jul 2006 / 10:53 Uhr / aktualisiert: Samstag, 29. Jul 2006 / 11:21 Uhr

Naharia - In der Nacht ist Naharia eine Geisterstadt. Hier und da taucht das Blaulicht von Polizeiwagen die Strassen der israelischen Stadt in einen gespenstischen Schimmer. Die Stadt liegt nur einige Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt.

Immer wieder schlagen Raketen im israelischen Grenzgebiet ein.
Immer wieder schlagen Raketen im israelischen Grenzgebiet ein.
11 Meldungen im Zusammenhang
Nachdem immer wieder Raketen der Hisbollah eingeschlagen sind, haben fast alle Geschäfte und Restaurants geschlossen. Viele Einwohner sind geflüchtet, wie aus den gesamten Norden Israels.

Mit mindestens 250 000 Menschen beziffern Regierungsstellen inzwischen die Zahl der Israelis, die weiter südlich im Land Schutz suchen.

Bürgermeister berichten, dass die Hälfte der Bevölkerung geflüchtet sei. Über das Internet und in Fernsehsendungen werden Plätze bei Gastfamilien vermittelt. Wenn Familien nicht zusammen gehen können, bringen sie doch zumindest die Kinder aus der Gefahrenzone.

So haben es Mimi und Edwin Raeburn aus der Ortschaft Kurasim gemacht, in der die Kampfgeräusche des Bodenkrieges in Libanon noch zu hören sind. Zwei Wochen lang haben die 16-, 13- und 11-jährigen Töchter Nofar, Hadar und Gal fast durchgehend im Schutzraum verbracht.

Dann reisten Mutter und Kinder im Bus ab. «Hauptsache in Sicherheit», sagt Raeburn. Seit dem Beginn der Eskalation sind im Norden Israels mindestens 1500 Raketen der Hisbollah eingeschlagen.

«Diese Situation ist verrückt», sagte der Vater. «Dass Israel in eine solche Situation kommt, hätte ich nie gedacht. Die Armee muss hart zuschlagen und das Problem lösen», sagt er.

Stillstand in der Wirtschaft

Während die Panzer rollen, ist das Wirtschaftsleben im Norden weitgehend zum Stillstand gekommen. Viele Betriebe haben ihre Mitarbeiter auf unbezahlten Urlaub in die Schutzräume geschickt.

Die Hotels in dem Feriengebiet stehen leer. Samir Gesser, ein Hotelmanager in Tiberias, sagt, er verliere jeden Tag 50 000 US-Dollar (etwa 61 000 Franken). Das sei sein persönlicher Beitrag für die Offensive gegen Hisbollah. «Wir müssen sie kriegen», bekräftigt er.

Doch es ist nicht alles Patriotismus im Norden Israels. Zur Angst wegen der andauernden Raketenangriffe gesellt sich die Furcht vor Plünderungen in den verlassenen Ortschaften. Seit dem Beginn der Hisbollah-Angriffe gebe es eine scharfe Zunahme an Einbrüchen, berichtete in Naharia der israelische Polizeioffizier Anwar Amer.

Das Haus von Scharon Cherkey wurde zum Ziel, während der Gemüsehändler im sicheren Süden im Haus seiner Eltern war. «Sie haben alles genommen», sagt er. «All unser Gold, die Computer und sie verwüsteten das Haus.»

Demonstrative Ruhe

Einige Israelis sind demonstrativ darum bemüht, Ruhe zu bewahren. Boas, ein älterer Mann, streicht sich in Naharia in der einzig geöffneten Kneipe weit und breit über den Bierbauch. «Ich bin jetzt jeden Tag hier», sagt er, obwohl eine Rakete nur wenig mehr als 100 Meter entfernt eingeschlagen ist. Und etwas entfernt, auf einer Strasse entlang der Grenze zu Libanon, hält ein Traktorfahrer im Schleichtempo unbeeindruckt Kurs, während israelische Artillerie in hohem Bogen über die Köpfe hinweg feuert.

(Carsten Hoffmann und Adam Pines/dpa)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Israel stiess mit Luftlandetruppen auf libanesisches Gebiet vor. (Archivbild)
Beirut - Bei ihrem bislang weitesten ... mehr lesen
Beirut - Israels Luftwaffe hat ihre ... mehr lesen
Israels Luftwaffe hat ihre Angriffe in Libanon und im Gazastreifen fortgesetzt.
Hisbollah-Chef Sayyed Hassan Nasrallah kündigte weitere Raketen-Beschüsse an.
Jerusalem/Beirut - Die libanesische Hisbollah-Miliz hat nach israelischen Angaben am Freitag eine in Syrien gebaute Rakete auf die nordisraelische Stadt Afula abgefeuert. mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
UNO-Nothilfekoordinator Jan Egeland hatte am Freitag eine 72- stündige Feuerpause vorgeschlagen.
Jerusalem/Beirut - Israel hat die von ... mehr lesen
Washington - Die USA und ... mehr lesen
Tony Blair und George W. Bush gaben noch nicht bekannt, welche Nationen bei der multinationalen Truppe dabei sind.
Die späte Reaktion sei «peinlich» für den UNO-Sicherheitsrat.
Dubai - Die Vereinten Nationen ... mehr lesen
Jerusalem - Das israelische Militär ... mehr lesen
Auch im Gazastreifen flogen israelische Kampfflugzeuge weitere Angriffe.
Der Chef der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, ist ein glänzender Rhetoriker und kann so die Leute «packen».
Beirut - Wer Al-Manar, den ... mehr lesen
Etschmayer In dem Moment, als die Hisbollah zwei israelische Soldaten entführt hatte, wurden zwei lange gemachte Ankündigungen erfüllt. Jene von Hisbollah-Führer ... mehr lesen 
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 9°C 17°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Basel 12°C 17°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 15°C 17°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Bern 10°C 15°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
Luzern 12°C 18°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Genf 14°C 14°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt
Lugano 15°C 17°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten