Angeklagter beteuert Unschuld
Heiler sieht sich als Verschwörungsopfer
publiziert: Montag, 11. Mrz 2013 / 12:58 Uhr
Der «Heiler von Bern» hat am Montag vor Gericht seine Unschuld beteuert. (Symbolbild)
Der «Heiler von Bern» hat am Montag vor Gericht seine Unschuld beteuert. (Symbolbild)

Bern - Der «Heiler von Bern» hat am Montag vor Gericht seine Unschuld beteuert. Er habe sich niemals verseuchtes Blut beschafft und nie jemanden gestochen. Dementsprechend sei er unschuldig an der HIV-Infizierung von 16 Menschen.

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Dass ihn alle 16 Opfer der Tat bezichtigen, führt er auf eine Art Verschwörung zurück. «Diese Leute sind aktiv auf mich gehetzt worden» - von der Aids-Hilfe, vom Inselspital und vom Untersuchungsrichter.

In Tat und Wahrheit müssten sie sich gegenseitig angesteckt haben, mutmasste der 54-Jährige bei der Einvernahme vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland. Denkbar sei auch, dass eine oder mehrere aussenstehende Personen «das alles verursacht haben». Er selber habe aber nichts damit zu tun.

«Nur Getränke serviert»

In erster Linie sei er Musiklehrer, das sei seine Berufung. Zugleich sei er eine «stark mythisch-esoterische Person»; seinen Schülern habe er hin und wieder ein stärkendes Getränk auf Basis von Echinaforce und ein wenig Alkohol gereicht.

Doch niemals habe er eine AkupunkturBehandlung durchgeführt, und nur ein einziges Mal habe er jemanden gestochen - «meine ehemalige Frau, sie hatte Rückenbeschwerden». Bei allen anderen Menschen habe er seine heilenden Kräfte höchstens durch Handauflegen zur Entfaltung gebracht.

Warum die Opfer etwas anderes behaupten, wisse er nicht. Vielleicht seien sie neidisch auf ihn und sein Haus, liess er durchblicken. Bei manchen sei auch Rache ein mögliches Motiv.

«Angst vor Blut»

Der Angeklagte bestritt weiter, dass er sich Blut von einem schon früher HIV-infizierten Musikschüler oder von jemand anderem besorgt habe. Das sei gar nicht möglich, schliesslich habe er eine «Blutphobie».

Die Einvernahme des «Heilers» erwies sich generell als schwierig. Einige Male gab er an, die Fragen des Richters nicht zu verstehen. Das kann damit zusammenhängen, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist.

In seinen Antworten kam er zudem oft weit vom Thema ab. Wiederholt ermahnte ihn der Gerichtspräsident, zur eigentlichen Frage Stellung zu nehmen. In mehreren Fällen unterstellte der «Heiler» anderen in dem Verfahren vorkommenden Personen, sie nähmen Drogen oder seien Opfer sexueller Übergriffe in ihrer Familie.

«Probleme belasten mich nicht»

Zu seiner persönlichen Situation sagte der «Heiler», wegen seiner gegenwärtigen «Probleme» befinde er sich in psychiatrischer Behandlung. Er habe eine «Top-Psychiaterin» gefunden, die ihm beim Umgang mit seinen Problemen helfe. «Die Probleme belasten mich nicht unbedingt. Ich habe gelernt, damit umzugehen, und ich kann trotzdem arbeiten.»

Der Angeklagte führt eine Musikschule in Bern. Nach eigenen Angaben hat er aber zurzeit nur noch einen einzigen Schüler. Früher seien es rund vierzig gewesen. Doch wegen den «negativen Publikationen in den Zeitungen» habe er fast alle Musikschüler verloren.

Geblieben seien ihm nur sein Haus und eine Handvoll guter Freunde. Diese stünden hinter ihm und seien da, wenn es ihm schlecht gehe.

Nach dem Auftritt des «Heilers» wird der Prozess mit mehreren Zeugenaussagen fortgesetzt. Noch in dieser Woche werden die Plädoyers erwartet. Das Urteil soll am 21. oder 22. März bekannt gegeben werden. Die Anklage lautet im Wesentlichen auf schwere Körperverletzung und Verbreiten menschlicher Krankheiten.

(hä/sda)

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