Heimarzt schuldig gesprochen
publiziert: Freitag, 1. Sep 2006 / 10:39 Uhr

Luzern - Im Fall des Luzerner «Todespflegers» ist der ehemalige Arzt des Betagtenzentrums Eichhof wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen worden.

Der «Todespfleger» hatte 22 ältere Menschen umgebracht.
Der «Todespfleger» hatte 22 ältere Menschen umgebracht.
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Laut Urteil des Amtsstatthalters hätte ein früheres Eingreifen einen Todesfall verhindern können. Das Urteil wirft dem Heimarzt vor, einen aussergewöhnlichen Todesfall im Mai 2001 nicht vorschriftsgemäss gemeldet zu haben. Deshalb habe man den «Todespfleger» nicht früher verhaften und einen weiteres Todesopfer verhindern können. Der Arzt wird mit 15 000 Franken gebüsst. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der «Todespfleger» hat zwischen 1995 und 2001 in Pfegeheimen in den Kantonen Obwalden, Schwyz und Luzern 22 ältere Menschen umgebracht. Er wurde vom Luzerner Obergericht in 7 Fällen des Mordes und in 15 Fällen der vorsätzlichen Tötung schuldig befunden und zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt.

Klage des Sohns

Der Sohn des letzten Opfers klagte 2003 gegen die Verantwortlichen des Betagenzentrums Eichhof Luzern (BZE). Diese hätten bereits vor dem Tod seiner Mutter einen Verdacht auf eine Tötung gehabt. Sie hätten aber die notwendigen Massnahmen unterlassen und so eine weitere Tötung in Kauf genommen.

Das Luzerner Obergericht beauftragte einen ausserordentlichen Amtsstatthalter, den Urner Rechtsanwalt Hermann Näf, mit der Untersuchung. Konkret ging es um das Verhalten des Chefs der Kriminalpolizei, des zuständigen Amtsstatthalters sowie des ehemaligen Leiters und des ehemaligen Arztes des BZE.

Häufung der Todesfälle

Im Fall der Untersuchungsbehörden kam Näf zum Schluss, dass diese unmittelbar nach ersten Informationen Abklärungen aufgenommen und zielgerichtet vorangetrieben hätten.

Beim Heimarzt kommt Näf zum Schluss, dass ihm die Häufung der Todesfälle frühzeitig aufgefallen war. Den Tod einer Frau im Mai 2001, die in einem nicht erklärbaren Koma gelegen hatte, habe er vorschriftswidrig nicht gemeldet. Deshalb sei ein früheres Eingreifen ausgeblieben. Ein solches hätte «mit hoher Wahrscheinlichkeit» den Tod des letzten Opfers verhindern können.

(ht/sda)

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