Heisse Zeiten für Gletscherflöhe
publiziert: Mittwoch, 12. Jul 2006 / 11:22 Uhr

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Ja, es ist eine unbequeme Neuigkeit, die uns da die Klimaforscher der Uni Zürich servieren: Unsere Gletscher schmelzen nicht nur... sie werden in den nächsten 100 bis 150 Jahren vermutlich ganz verschwinden. Die Klimaveränderung, welche scheinbar unaufhaltsam voranschreitet, wird auch das Gesicht der Schweiz ganz extrem zeichnen.

Wer nur kurz darüber nachdenkt, mag vielleicht mit den Schultern zucken und meinen, naja, dann hat es eben keine Eisfelder und Gletscherflöhe mehr. Aber die Besiedelung der alpinen Gebiete wie sie heute stattfindet, hängt sehr stark von den Gletschern und ihrer Funktion als Wasserspeicher ab.

Doch die Konsequenzen gehen noch weiter. Bereits jetzt gehen immer mehr Steinschläge aufgrund des zurückgehenden Permafrostes nieder. Bergstrassen werden in Zukunft gefährlicher werden, Hänge häufiger rutschen. Wenn es heiss wird in den Alpen, dann wird es auch riskanter. Natürlich muss bei alldem daran gedacht werden, dass die Alpen schon immer etwas gefährlicher waren.

Trotzdem wäre es gerade jetzt Zeit, dass sich die Politik daran machen würde, Lösungen für die Zukunft der Besiedelung der Alpen zu suchen, da sie ja bisher dabei versagt hat, das zugrunde liegende Problem zu lösen.

Wenn in der Schweiz bereits ein lächerlicher Klimarappen auf CO2-Freisetzende Brennstoffe umkämpft ist, zeigt sich eindeutig, wie dogmatisch viele Mitglieder des bürgerlichen Lagers noch denken. Dabei müsste es klar sein, dass Treibhaus-Gase noch viel stärker belastet werden müssten. Nicht, um die AHV zu finanzieren, sondern um die Schweiz mit erneuerbaren Energien einerseits zu versorgen und mit energiesparenden Technologien andererseits auszurüsten.

Doch die Schweiz allein reicht natürlich nicht. Es müssen auch neue Methoden überlegt werden, global gegen Industrien vorzugehen, die aktiv die Forschungen im Bereich der Klimaerwärmung behindert oder gar verfälscht haben. Genau so, wie Tabakkonzerne, die Raucherstudien manipulierten, horrende Strafen zahlen mussten, so müssten auch die Ölkonzerne, die seit den Achtzigern im eigenen, kurzsichtigen Interesse die Forschung beeinflussten, zur Kasse gebeten werden.

Denn die Schäden an Ernteausfällen, Toten durch Hitzewellen und konstant wachsenden Infrastrukturkosten gehen schon jetzt in die Milliarden. Auch wenn es jetzt noch illusorisch erscheint, früher oder später werden sich die Ölkonzerne für ihr Verzerren der Wahrheit verantworten müssen.

Natürlich gibt es auch immer noch eine – ständig schrumpfende – Gegenbewegung, die behauptet, dass die momentane Hitzewelle eigentlich ein ganz normales Ereignis sei. Die Erde erwärme sich nun einfach wieder nach einer Kältephase, die vom 15. bis ins 19. Jahrhundert gedauert habe. Diese Fraktion behauptet auch, dass die Hoffnung, mit etwas weniger Treibhausgasen etwas am Weltklima schrauben zu können, völlig illusorisch sei. Es gäbe keine empirischen Beweise dafür, dass wir uns momentan in einer ausserordentlichen Wärmephase befänden, da die Temperatur erst seit viel zu kurzer Zeit gemessen würde.

Diese – auch von der Ölindustrie unterstütze – Sichtweise kann natürlich gewisse Punkte für sich verbuchen. Wir haben tatsächlich keine Temperaturmessreihen aus Jahrhunderten und selbst einfache Aufzeichnung über das Wetter existieren für längere Zeiträume nur in Europa und Teilen Asiens: kaum wirkliche Grundlagen für präzise Messreihen.

Wenn andererseits die schmelzenden Gletscher tausende Jahre alte Artifakte – oder, im Fall von 'Ötzi', gar Leichen – freigibt, dann scheint dies ein konkreter Hinweis zu sein, dass hier grundsätzliche Dinge daran sind, sich zu wandeln.

Egal, wie die wissenschaftliche Debatte ausgehen sollte, es ist für die Schweiz höchste Zeit, sich auf eisfreie Alpen vorzubereiten – mit allen unangenehmen Konsequenzen, die damit einher gehen. Wobei gekühlte Reservate für Gletscherflöhe das kleinste Problem sein dürften.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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