Helfen mit zweierlei Mass?
publiziert: Samstag, 5. Nov 2005 / 12:00 Uhr / aktualisiert: Samstag, 5. Nov 2005 / 12:37 Uhr

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In den letzten 11 Monaten hat die Welt viele Naturkatastrophen erlebt. Auch vieles an schrecklichen Opfern, heroischen Rettungen und globaler Solidarität.

Doch auch Versagen im Angesicht der Not, lebensgefährliche Inkompetenz, tödlicher Rassismus und Dummheit von unglaublichem Ausmasse wurden von diesen Katastrophen aufgedeckt. Das Messen mit zweierlei Mass war zum Teil erschütternd.

Da war zum Beispiel die Schadenfreude, die teilweise unverhohlen zum Ausdruck kam, nachdem New Orleans von Katrina zerstört worden wurde. Es war unglaublich, dass es Leute gab, die regelrecht darauf hofften, dass die Katastrophenhelfer versagen würden, dass die Regierung von George W. Bush blossgestellt würde, ungeachtet der Tatsache, dass dies nicht eine hypothetische Flut war, sondern eine, die das Leben hunderter unter teils grausigen Umständen forderte.

Aber die USA können sich selbst helfen. Mit Pakistan ist das etwas anderes. Das Land ist wirtschaftlich auf dem Stand einer Entwicklungsnation, Atombombe hin oder her. Die Zerstörung, die den Kaschmir heimsuchte, war gigantisch. Das Resultat sind bisher 73000 Tote und 3 Millionen Obdachlose in einer der gebirgigsten Regionen der Welt - mit dem Winter vor der Tür.

Ausgerechnet jetzt muss die UNO bekannt geben, dass ihr das Geld für die Flüge in die abgelegenen Gegenden der Erdbebenregion fehlt, wenn nicht bald die zugesagten Spenden eintreffen. Wenn erst einmal die Schneestürme über die obdachlosen Menschen hereinbrechen, werden bestimmt mehr als 100'000 Tote zu beklagen sein. Eine Kombination von Krankheiten – eine Masernepidemie ist bereits ausgebrochen – kalten Temperaturen, Nahrungsmangel und schlechten Not-Unterkünften wird grausam unter den Opfern wüten.

Es fragt sich, warum die Welt dieses Mal mit den Spenden so lange wartet. Liegt es daran, dass in diesem Jahr schon zu viel Geld gegeben wurde und einfach nichts mehr übrig ist? Nach dem Motto: Den Letzten beissen die Hunde? Liegt es daran, dass sich der positive Bezug der meisten Europäer zum Kaschmir in Wollpullovern erschöpft?

Oder wird einfach gedacht, dass es sich sowieso nur um religiöse Fanatiker handelt (da in Pakistan), die an ihrem eigenen Unglück schuld sind, weil sie seit Jahrzehnten an einem Grenzkonflikt beteiligt sind?

Sollte dies der Grund sein, warum so lange mit der dringenden Nothilfe gewartet wird, dann stimmen wohl gewisse Vorurteile in der Dritten Welt wirklich, dass der Westen zwar den Anspruch stellt, humanistisch zu denken und alle Menschenleben gleich zu werten, aber mit zweierlei Mass misst. Hier das Ferienparadies, welches zerstört und grosszügig mit Spenden bedacht wurde. Dort das Konflikt-zerrissene Hochland, dass man am liebsten aus dem Sichtfeld verbannen würde.

Diese Situationen sind Nagelproben unserer eigenen Moral-Ansprüche. Die Kaschmiris sind nicht an ihrer Not schuld. Das Erdbeben war von gewaltiger Stärke, der Winter in der Gegend ist sehr hart, die Not gigantisch. Diese Leute dafür zu bestrafen, dass sie unter falschen politischen Vorzeichen von den Naturgewalten getroffen wurden, indem man Hilfe verzögert oder gar unterlässt, wäre ein Armutszeugnis für die Weltgemeinschaft.

Die Naturkatastrophe ist eine Tragödie – eine moralische Katastrophe wäre aber eine Schande.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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