Jahrhundert-Nachfrage nach Barabas-Kleidungsstück von «El Chapo»
Hemd von Drogenboss füllt Textilfirma die Kassen
publiziert: Sonntag, 31. Jan 2016 / 23:30 Uhr / aktualisiert: Montag, 1. Feb 2016 / 06:56 Uhr
Das Hemd von El Chapo ist Kassenschlager.
Das Hemd von El Chapo ist Kassenschlager.

Die Festnahme des Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán hat sich für das US-Unternehmen Barabas zum wahren Geldsegen entwickelt. Die Umsätze der Bekleidungsfirma schossen in bisher ungeahnte Höhen, weil der Berufskriminelle im Zuge eines Interviews auf einem Bild zusammen mit Oscar-Preisträger Sean Penn ein buntes Hemd der Kalifornier trug. Der Hersteller kommt nun gar nicht mehr hinterher mit der Hemdenproduktion.

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«Da ist plötzlich überall der Wahnsinn ausgebrochen - ich kann es nicht anders ausdrücken», zitiert die «Los Angeles Times» Tatiana Kivachook, die Barabas gemeinsam mit ihrem Mann leitet. Binnen weniger Stunden nach Erscheinen des Fotos sei die Zahl der Bestellungen von zehn bis 20 pro Tag auf mehrere hundert emporgeschossen.

«Die Telefone wollten einfach nicht mehr aufhören zu klingeln und unsere Website ist aufgrund der hohen Zahl an Bestelleingängen zusammengebrochen», schildert Kivachook. Derzeit herrsche für das Modell von El Chapo, mit dessen Foto Barabas übrigens auch explizit auf der eigenen Seite wirbt, ein Lieferrückstand bis zum 5. Februar.

Markenimage gefährdet

«Wenn ein Unternehmen versucht, dadurch die eigenen Umsätze zu maximieren, ist dieses Vorgehen sicherlich nachvollziehbar und ein durchaus kluger Schachzug», meint Markenexperte Thomas Otte http://brand-consulting.com gegenüber pressetext. Aus markenstrategischer Sicht sei eine derartige Strategie aber nicht unbedingt empfehlenswert. «Die entscheidende Frage ist: Will ich wirklich, dass meine Marke mit einem Drogenboss und Mörder in Verbindung gesetzt wird? Dadurch kann das Markenimage nachhaltig geschädigt werden», betont Otte.

Natürlich sei in diesem Zusammenhang auch die Frage nach ethischen Aspekten zu diskutieren. Da nutze es auch nichts, wenn Barabas neben der Werbung mit El Chapo gleich ankündigt, fünf Prozent der durch den Verkauf erwirtschafteten Umsätze an das Drogenpräventionsprogramm D.A.R.E. zu spenden. «Das ist ein typisches Verhalten: Hier springt einen das schlechte Gewissen förmlich an. Die Verantwortlichen wissen sehr genau, dass sie hier opportunistisch und hochgradig verwerflich agieren», erläutert Otte.

Hype um «Most Wanted Shirt»

Ob schlechtes Gewissen oder nicht - das «Most Wanted Shirt» des Drogenbosses ist im Moment so gefragt, dass Barabas bereits mehrere neue Mitarbeiter einstellen musste, um den Kundenansturm auch nur halbwegs bewältigen zu können. Der Preis für das von El Chapo getragene Modell ist auf der Herstellerseite mit 128 Dollar (rund 117 Euro) angegeben.

Auf eBay können entsprechende Exemplare aber auch schon einmal für knapp 500 Dollar den Eigentümer wechseln. «Ich gehe dennoch nicht davon aus, dass sich dieser überführte Kriminelle als längerfristiger Trendsetter in der Modebranche etablieren kann. Das wird ein kurzweiliger Hype bleiben», verdeutlicht Markenfachmann Otte abschliessend.

(pte)

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