Hilfe für das Grosse Fest
publiziert: Montag, 12. Dez 2011 / 13:36 Uhr / aktualisiert: Montag, 19. Dez 2011 / 08:39 Uhr
Kim Jong un (links), Kim Jong il (rechts): Zum Fest soll bitte jeder selbst das Essen mitbringen
Kim Jong un (links), Kim Jong il (rechts): Zum Fest soll bitte jeder selbst das Essen mitbringen

Nordkorea steht oft, wie vergangene Woche angedeutet, für Hunger und Nahrungsmittelhilfe. Wo aber im Zusammenhang mit Nordkorea von Hunger und Nahrungsmittelknappheit die Rede ist, spielen die seit Dezember 2008 einseitig von Pjöngjang suspendierten Pekinger Sechsergespräche (China, USA, Japan, Russland, Nord- und Südkorea) über das nordkoreanische Atomprogramm eine wichtige Rolle.

2 Meldungen im Zusammenhang
Der «Geliebte Führer» Kim Jong-il liess wenig später ein Atombömbchen platzen. Ganz friedlich selbstverständlich und zur Selbstverteidigung gegen die Bedrohung der amerikanischen Imperialisten. Welcher Art die Bombe war und ob überhaupt eine A-Bombe, ist bis heute unklar.

Doch der Zweck war erreicht. Kim Jong-il ist, nicht wie oft in westlichen Medien kolportiert, ein unberechenbarer Verrückter mit Vorlieben für Pizza, blonde europäische Frauen, amerikanische Filme und Spitzen-Cognac aus Frankreich. Kim ist vielmehr seit Jahren ein genau berechnender Verhandlungspartner, notabene mit den Grossen - China, USA, Russland, Japan - dieser Welt. Seit Jahren verspricht Kim das Blaue vom Himmel.

Nordkoreanische Unterhändler liessen neulich in Genf ihre amerikanischen Gesprächpartner wissen, dass die Gespräche in Peking «ohne jegliche Vorbedinungen» wieder aufgenommen werden könnten und stellten gar ein «Moratorium für Atomversuche» in Aussicht. Eine Zusage und Verpflichtung notabene, die schon Jahre zuvor an den Pekinger Gesprächen schriftlich vereinbart worden ist. Wie so oft, Pjöngjang verspricht vieles und hält wenig bis nichts. Von seinen Verhandlungspartnern hat Nordkorea dagegen immer viel, vor allem Nahrungsmittelhilfe, und von China, wenn auch zähneknirschend, permanente wirtschaftliche und politische Unterstützung bekommen.

Dass Nordkorea ohne Garantien auf sein Atomprogramm verzichten wird, ist unwahrscheinlich. Kim Jong-il weiss, dass die Atombombe - ob nun tatsächlich vorhanden oder nicht - sein einziger Verhandlungs-Trumpf ist. Deshalb auch das Bestreben Pjöngjangs, direkt mit Washington zu verhandeln und zu einem Abschluss mit bindenden Sicherheitsgarantien zu kommen. Die USA andrerseits verlangen zusammen mit Japan und Südkorea zunächst von Nordkorea nach so langen Jahren der Versprechungen endlich einen Tatbeweis. Schliesslich hat sich ja Nordkorea schon vor Jahren schriftlich verpflichtet, sein Atombomben-Programm einzustellen.

Was genau hinter dem letzten Eisernen Vorhang des Kalten Krieges vor sich geht, ist ungewiss. Niemand weiss es. Geheimdienste und spezialisierte, vor allem in Südkorea ansässige Denkfabriken geben den Ton an. Die nordkoreanische Wirtschaft ist, nach Erkenntnissen etwa der Südkoreanischen Zentralbank, seit zwei Jahren im Schrumpfen begriffen. Offizielle Zahlen aus Pjöngjang sind nicht erhältlich, und falls doch, notorisch unzuverlässig.

Nach südkoreanischer Einschätzung lassen sich die wirtschaftlichen Probleme im laufenden Jahr folgendermassen zusammenfassen: Schlechte Ernten, rückläufige Produktion in Land-, Forstwirtschaft und Fischerei, ein markanter Rückgang in der Leichtindustrie und gravierende Probleme mit Elektrizitäts- und Rohstoffversorgung. Ein Rolle spielen gewiss auch die nach dem zweiten nordkoreanischen Atomversuch im Mai 2009 vom UNO-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen. Insgesamt veranschlagt die südoreanische Zentralbank das jährliche Brutto-Inlandprodukt Nordkoreas gerade noch auf 19,5 Milliarden Euro, das sind 2,6 Prozent der Wirtschaftskraft des südkoreanischen, kapitalistischen Nachbarn.

Nachdem Kim Jong-il im vergangenen Jahr das Nachfolgeproblem in der Person seines 29 Jahre alten Sohn Kim Jong-un - dem «junge General» - gelöst hat, scheint nach Ansicht aller ernstzunehmenden Experten die nordkoreanische Führungsriege fest im Sattel. Ein seit Jahren von vielen Politikern und Pundits vorausgesagter Kollaps Nordkoreas zeichnet sich nicht ab. Kim Jong-il wird auch nach den diesjährigen Reisen nach Russland und China die Wirtschaft nur so weit reformieren, dass die oberen Zehntausend in Partei und Armee nicht zu Schaden kommen. Eine Öffnung a la Chinoise wird es also nicht geben.

Pjöngjang kann zudem auf China zählen. Zwar ist die Freundschaft längst nicht mehr «so eng wie Lippen und Zähne» wie zu Zeiten von Kim Il-sung und Mao Dsedong vor dreissig Jahren. Doch China ist aus strategischen Gründen genauso gut wie aus Furcht vor einer immensen Flüchtlingswelle am Status Quo interessiert.

Das Jahr 2012 wird dennoch zu einem Schicksalsjahr. Der «Geliebte Führer» Kim Jong-il wird im Februar seinen 70. Geburtstag feiern, sein Sohn und Nachfolger, der «junge General», wird dreissig. Von überragender Bedeutung jedoch wird der April. Dann jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag des Gründervaters der Nation, Kim Il-sung. Die gottähnliche Figur von Kim Jong-ils 1994 verstorbenem Vater - «Präsident in alle Ewigkeit» - wird deshalb im kommenden Jahr überschwänglich, fast religiös gefeiert.

«Nordkorea wird», so Pjöngjangs Propaganda, «seine Tore weit öffnen auf dem Weg zu einer aufstrebenden Supermacht». Nichts weniger als eine starke und prosperierende Nation («kangson taeguk») wird Nordkorea ab nächstem Jahr sein. Nahrungsmittel-Hilfe, wirtschaftliche Hilfe, kurz: Hilfe aller Art ist für das grosse Fest bitter nötig und hoch willkommen.

(Peter Achten/news.ch)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Seoul - Pjöngjang hat Südkorea mit «unvorhersehbaren Konsequenzen» gedroht, sollte Seoul eine riesige Leuchtinstallation in Form eines Weihnachtsbaums nahe der Waffenstillstandslinie einschalten. Die nordkoreanische Regierung bezeichnete entsprechende Pläne am Sonntag als «hinterhältigen Versuch psychologischer Kriegführung». mehr lesen 
Achtens Asien Die hungernden Menschen am Horn ... mehr lesen 1
Nordkorea: Unproduktive Landwirtschaft mit minimalen Anreizen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der ...
Mit seinem Besuch in Vietnam hat US-Präsident Obama seine seit acht Jahren verfolgte Asienpolitik abgerundet. Die einstigen Todfeinde USA und Vietnam sind, wenn auch noch nicht Freunde, so doch nun Partner. China verfolgt die Entwicklung mit Misstrauen. mehr lesen 
Zum 50. Mal jährt sich im Mai der Beginn der chinesischen «Grossen Proletarischen Kulturrevolution». Das Chaos dauerte zehn Jahre. Mit tragischen Folgen. mehr lesen  
Kim Jong-un ist ein Meister der Propaganda und (Selbst)Inszenierung. Nach vier Jahren an der Macht liess er sich nun am VII. Kongress der Koreanischen Arbeiterpartei zum ... mehr lesen  
Kein Psychopath, sondern ein der Realität verpflichteter Diktator: Kim Jong-un.
Pekinger Pfannkuchen oder Crêpes Pékinoises sind nur schwache Umschreibungen für das ultimative Pekinger Frühstück Jianbing. Wörtlich übersetzt heisst Jianbing ganz banal gebratener Pfannkuchen. Aber oho, Jianbing schmeckt nicht nur. Die Zubereitung ist auch eine Kunst. mehr lesen  
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Auch wenn das Wetter schön ist und du vielleicht rausgehen und Freunde treffen willst. Du musst jetzt zu Hause bleiben.
Einfach, schnell und zuverlässig  Der Schweizer Bundesrat hat am 16. März 2020 die ausserordentliche Lage ausgerufen, ab sofort gilt der nationale Notstand. Somit übernimmt der Bundesrat ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -2°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel -1°C 11°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen -4°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Bern -3°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Luzern -2°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 1°C 12°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 5°C 10°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten