Hillary - ein Steh-Auf-Frauchen?
publiziert: Donnerstag, 5. Jun 2008 / 11:48 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 5. Jun 2008 / 16:18 Uhr

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Der Vorwahlkampf ist vorbei, der Wahlkampf kann beginnen... aber Hillary Clinton weiss immer noch nicht, was sie machen soll. Und solange sie noch am schwanken ist, wissen auch alle anderen Beteiligten nicht so recht, wie es weitergeht.

Nun mag man sich zurecht fragen, worauf Hillary denn eigentlich wartet. Sie hat verloren und das ist es doch wohl. Aber nach dem Wahlkampf ist bekanntlich vor dem Wahlkampf und Clinton dürfte zwischen zwei Varianten hin- und hergerissen sein, die sich gegenseitig ausschliessen dürften.

Zum einen die offensichtliche Variante: Barack Obama mit Hillary Clinton als Vizepräsidentschaftsbewerberin. Früher mag die Vizepräsidentschaft nicht allzu attraktiv gewesen sein und entsprechend blass waren viele dieser Amtsträger, die vor allem bei Staatsbegräbnissen auftraten um ihren Chef zu vertreten. Doch Dick Cheney, der VP von George W. Bush, baute die Kompetenzen des Amtes und der Exekutive generell immer weiter aus, so dass das Vizepräsidenten-Amt heute eine früher nicht gekannte Machtfülle umfasst.

Auch für Obama hätte diese Variante offensichtliche Vorteile. Die Hillary-Anhänger, die geschworen hatten, niemals für Obama zu stimmen, würden vermutlich doch auf diesen Zug aufspringen, die Gräben, die sich während der letzten sechs Monate in der demokratischen Partei aufgetan haben, könnten mit einem Schlag zugeschüttet werden.

Doch für Hillary Clinton hat diese Variante einen entscheidenden Nachteil: Egal was passiert, sie würde in diesem Fall niemals Präsidentin werden (solange Obama nicht im Amt umkäme). Gewinnt sie mit Obama die Präsidentschaftwahl würde sie auch in 4 Jahren bestenfalls als Vizepräsidentin in den Wahlkampf gehen. Verliert das Ticket Obama/Clinton gegen McCain, wäre sie in vier Jahren auch aus dem Rennen, da sie es offensichtlich nicht geschafft hätte, ihre Anhänger zum entscheiden Moment zu mobilisieren.

Bleibt die andere Variante: sich jetzt zurück zu ziehen, Obama jede erdenkliche Unterstützung zuzusichern – nur nicht als «Running Mate», als Vize-Kandidatin. Wie hier schon einmal beschrieben, könnte sie dann die «ich hab es euch ja gesagt!»-Karte ziehen, allen um die Ohren hauen um dann, in vier Jahren, die Kandidatur praktisch nachgeschmissen zu bekommen. Und da McCain mit einer ziemlichen Wahrscheinlichkeit kein zweites mal antreten würde, könnten ihre Chancen dann zu mal ganz gut sein. Aber eben – dazu muss Obama erst mal verlieren.

Betrachtet man all dies, steckt Clinton ziemlich in der Klemme und jede Entscheidung ist mit grossen Risiken für sie behaftet. Es gäbe allerdings noch einen dritten Weg, von dem bisher praktisch nicht die Rede war: Clinton bekäme schon jetzt einen bedeutenden Kabinettsposten angeboten wie das Aussen- oder Verteidigungsministerium. Nähme sie einen solchen Posten an, würden ihre Anhänger besänftigt, sie selbst hätte einen wichtigen Posten in Washington im Falle eines Sieges, würde bei einer Niederlage allerdings nicht als das Gewicht, das Obama in den Abgrund gezogen hat, gelten und könnte so ihre Chancen für 2012 bewahren.

Sie steckt nun in der Klemme. Wenn es ihr gelingt, sich daraus elegant und mit Würde zu befreien, wäre ihr Ruf als Steh-Auf-Frauchen wieder einmal nachdrücklich bewiesen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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